Rechenzentren treiben den Kupferpreis auf ein Rekordhoch

Geflochtene Kupferlitzen in Nahaufnahme vor dunklem Hintergrund als Bezug zum Kupferpreis auf Rekordhoch durch Rechenzentren

Rechenzentren treiben den Kupferpreis auf ein Rekordhoch

Rohstoffe5 Min.17.08.2026

Kupfer-Futures notierten am 17. August 2026 bei rund 6,55 Dollar je Pfund. Umgerechnet entspricht das etwa 14.440 Dollar oder rund 12.470 Euro je Tonne. Drei Tage zuvor markierte der Kurs mit 14.576,29 Dollar je Tonne ein Allzeithoch, wie boerse.de meldete.

Der Anstieg ist kein Ausreißer. Auf Jahressicht liegt Kupfer rund 48 Prozent im Plus. Bereits 2025 legte das Metall nach einer Auswertung von Sprott um 43,93 Prozent zu, die stärkste Jahresperformance seit 2009.

Hinter dieser Bewegung steckt eine Verschiebung, die den Markt dauerhaft verändern könnte. Kupfer war jahrzehntelang ein Konjunkturindikator, im Handel gern Doktor Kupfer genannt. Inzwischen hängt der Preis an etwas anderem.

Strom schlägt Bau als größter Verbraucher

Die auffälligste Zahl steckt in der Nachfragestruktur. Elektrische Infrastruktur hat das Baugewerbe als größte Nachfragesäule überholt. Ihr Anteil stieg laut einer Auswertung von Sprott von 24 Prozent im Jahr 2020 auf 30 Prozent im Jahr 2025.

Dahinter stehen mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Rechenzentren für künstliche Intelligenz brauchen enorme Mengen Kupfer für Verkabelung, Kühlung und Anbindung ans Netz. Stromnetze in China und den USA werden modernisiert. Elektroautos enthalten je nach Modell drei- bis viermal so viel Kupfer wie ein Verbrenner. Auch steigende Verteidigungsausgaben schlagen durch.

Die International Copper Study Group schätzt die Nachfrage nach raffiniertem Kupfer für 2026 auf 28,0 Millionen Tonnen, nach 27,6 Millionen Tonnen im Vorjahr. BloombergNEF rechnet in seinem Ausblick damit, dass der Kupferbedarf allein für die Energiewende bis 2045 auf das Dreifache steigen könnte.

Ein einzelnes großes Rechenzentrum verbraucht mehrere tausend Tonnen Kupfer, verteilt auf Stromschienen, Transformatoren und Kühlkreisläufe. Hinzu kommt der Netzanschluss, der oft über Kilometer neu gelegt werden muss. Genau dieser Teil der Rechnung tauchte in den Bedarfsmodellen von vor fünf Jahren praktisch nicht auf.

Wichtig ist der Unterschied zur klassischen Konjunkturlogik. Ein Rechenzentrum wird gebaut, weil ein Konzern Rechenleistung braucht, nicht weil die Zinsen niedrig sind. Diese Nachfrage reagiert weniger empfindlich auf den Wirtschaftszyklus als der Wohnungsbau.

Warum das Angebot nicht mitwächst

Auf der anderen Seite steht ein Angebot, das sich kaum bewegt. Die Erzgehalte in bestehenden Minen sinken seit Jahren. Für dieselbe Menge Kupfer muss also mehr Gestein bewegt werden. Neue Lagerstätten zu erschließen dauert von der Entdeckung bis zur Produktion bis zu 15 Jahre.

Aktuelle Störungen kommen hinzu. Der chilenische Staatskonzern Codelco erwartet Berichten zufolge für dieses Jahr eine niedrigere Produktion, weil es bei Minen und Entwicklungsprojekten Rückschläge gab. Anfang 2026 legte zudem ein Streik in der Mine Mantoverde die Nerven der Händler blank.

Auch die Verarbeitung klemmt. Die raffinierte Produktion wächst 2026 nur um etwa 0,4 Prozent, weil Konzentrate knapp bleiben. Schmelz- und Raffinierlöhne sind entsprechend niedrig, was für Hütten ein schlechtes und für den Markt ein aussagekräftiges Signal ist.

Für Anleger folgt daraus eine unbequeme Einsicht. Selbst ein deutlich höherer Preis bringt kurzfristig kein zusätzliches Kupfer in den Markt. Zwischen Investitionsentscheidung und erster Tonne liegen Jahre. In dieser Zeit können sich Politik, Nachfrage und Finanzierung mehrfach ändern.

Wie eng die Lage ist, verrät die Terminkurve. An der Londoner Metallbörse liegt der Kassapreis deutlich über dem Preis für Lieferung in drei Monaten. Fachleute nennen das Backwardation. Käufer zahlen also einen Aufschlag dafür, das Metall sofort zu bekommen. Normalerweise ist es umgekehrt, weil Lagerung und Zinsen Geld kosten.

Ein Ventil bleibt das Recycling. In den USA stammt rund ein Drittel des verwendeten Kupfers aus Altmaterial, in Deutschland sogar fast die Hälfte. Bei hohen Preisen lohnt sich das Sammeln stärker, was das Angebot etwas entlastet.

Die Prognosen widersprechen sich deutlich

Wie eng der Markt tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Schätzungen. Die International Copper Study Group korrigierte ihre Erwartung im Juni auf einen Überschuss von rund 96.000 Tonnen. Die ING-Rohstoffstrategin Ewa Manthey rechnet dagegen mit einem Defizit von etwa 35.000 Tonnen. Analysten eines chinesischen Brokerhauses sehen sogar über 100.000 Tonnen Fehlbetrag.

Diese Spanne wirkt dramatisch, ist es aber nicht. Bei einer Jahresnachfrage von 28 Millionen Tonnen entsprechen 100.000 Tonnen rund 0,4 Prozent. Der Markt bewegt sich also am Rand des Gleichgewichts, und schon kleine Störungen kippen die Bilanz.

Die Handelspolitik verzerrt das Bild zusätzlich. Seit August 2025 gelten in den USA Einfuhrabgaben auf Kupfer nach Paragraf 232 des dortigen Handelsgesetzes. Händler schafften daraufhin große Mengen in amerikanische Lager, um Zöllen zuvorzukommen. Dadurch verknappte sich die Ware anderswo, und der Preis in New York liegt seither über dem Londoner Niveau.

In China lässt der Sog inzwischen nach. Die Yangshan-Prämie, also der Aufschlag für nach China importiertes Kupfer über dem Londoner Referenzpreis, fiel auf 96 Dollar je Tonne. Einen Monat zuvor waren es noch 115 Dollar. Hohe Preise schrecken Käufer im wichtigsten Verbrauchsland offenbar ab.

Wie Anleger auf Kupfer setzen können

Physisch kaufen ergibt bei Kupfer keinen Sinn. Zehntausend Euro entsprechen rund 800 Kilogramm Metall. Lagerung und Transport fressen jede Rendite auf, bevor sie entsteht.

Der gängigste Weg führt über börsengehandelte Rohstoffschuldverschreibungen, kurz ETCs. Diese bilden keinen Lagerbestand ab, sondern Terminkontrakte. Läuft ein Kontrakt aus, muss auf den nächsten gewechselt werden. Ist der spätere Kontrakt teurer, entstehen dabei Rollverluste. Ist er günstiger, was der Markt derzeit teilweise zeigt, entstehen sogar Rollgewinne. Diese Mechanik erklärt, warum ein Kupfer-ETC über Jahre deutlich anders laufen kann als der Kupferpreis in der Zeitung.

Steuerlich lohnt der genaue Blick. Ein ETC ist rechtlich eine Schuldverschreibung des Emittenten, kein Sondervermögen. Bei einer Pleite des Herausgebers steht der Anleger im Zweifel als Gläubiger da, weshalb die meisten Anbieter Sicherheiten hinterlegen. Auf Gewinne fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds greift hier nicht.

Alternativ bieten sich Aktien von Minenbetreibern an, gebündelt etwa in einem Miner-ETF. Solche Fonds schwanken meist stärker als das Metall, weil Betriebskosten, Verschuldung und politische Risiken hinzukommen. Dafür zahlen einige Produzenten Dividenden, was ein Rohstoff nie tut.

Eine dritte Möglichkeit sind breite Rohstoffkörbe. Indizes wie der Bloomberg Commodity Index enthalten Kupfer neben Energie, Edelmetallen und Agrarrohstoffen. Der Kupferanteil bewegt sich dort meist im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Wer gezielt auf Elektrifizierung setzen möchte, bekommt darüber zu wenig davon. Wer schlicht Rohstoffe im Depot haben will, fährt damit breiter und ruhiger.

Die Risiken sollte man nüchtern sehen. Kupfer bleibt trotz aller Strukturargumente ein Industriemetall. Der chinesische Bausektor blieb 2025 schwach, und bei Rekordpreisen weichen Hersteller in Teilen auf Aluminium aus. Diese Substitution ist ein realer Bremsklotz. Dazu kommt die Länderkonzentration, denn Chile und Peru dominieren die Förderung mit allen politischen Unwägbarkeiten.

Für ein Depot heißt das, Kupfer eignet sich als thematische Beimischung, nicht als Fundament. Ein breiter Aktien-ETF enthält ohnehin bereits Bergbaukonzerne. Wer gezielt aufstockt, sollte wissen, dass er auf einen einzelnen Rohstoffzyklus setzt.

China entscheidet über den nächsten Schritt

Kurzfristig hängt viel an der chinesischen Nachfrage. Fällt die Yangshan-Prämie weiter, deutet das auf nachlassenden Appetit im größten Verbrauchsland hin. Steigt sie wieder, dürfte auch der Weltmarktpreis Rückenwind bekommen.

Auf der Angebotsseite bleiben die Produktionsmeldungen aus Chile der Taktgeber. Ein weiterer Ausfall bei Codelco oder ein neuer Arbeitskampf würde den knappen Markt sofort treffen. Umgekehrt könnte eine schwächere Weltkonjunktur die Rechnung schnell drehen.

Der zweite Faktor sitzt in Washington. Wie die Einfuhrabgaben weiterentwickelt werden, entscheidet über die Preisdifferenz zwischen New York und London. Für Anleger im Euroraum kommt der Wechselkurs obendrauf, denn gehandelt wird Kupfer in Dollar. Für die Einordnung hilft ein simpler Gedanke. Ein Rohstoff, der binnen eines Jahres 48 Prozent gestiegen ist, hat viele gute Nachrichten bereits eingepreist. Die spannende Frage lautet nicht, ob die Elektrifizierung kommt. Sie lautet, wie viel davon im heutigen Kurs schon steckt.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.