Rollverluste erklären, warum Rohstofffonds hinterherhinken

Rollverluste erklären, warum Rohstofffonds hinterherhinken
Ein Anleger kauft ein Ölprodukt, der Ölpreis steigt in zwölf Monaten um 20 Prozent, und im Depot stehen am Ende nur 10 Prozent. Kein Rechenfehler, kein schlechter Anbieter. Der Unterschied heißt Rollkosten und ist bei fast allen Rohstoffprodukten eingebaut.
Wie groß der Effekt ausfällt, hängt vom Rohstoff ab. Bei breiten Rohstoffindizes schätzen Analysten die Einbuße gegenüber dem reinen Preisanstieg auf ein bis zwei Prozentpunkte im Jahr. Bei Energieprodukten kann sie nach Auswertungen von Vergleichsportalen bis zu 3 Prozent jährlich betragen.
Der Bloomberg Commodity Index stieg 2025 auf den höchsten Stand seit 2022. Wer denselben Zeitraum mit dem reinen Preisverlauf der enthaltenen Rohstoffe vergleicht, findet eine Lücke. Genau um diese Lücke geht es hier.
Wer das nicht kennt, wundert sich später über die eigene Wertentwicklung. Wer es kennt, wählt anders aus.

ETF und ETC sind rechtlich zwei Paar Schuhe
Zuerst eine Unterscheidung, die im Sprachgebrauch oft verschwimmt. Ein ETF ist ein Fonds und damit Sondervermögen. Geht der Anbieter pleite, bleibt das Vermögen der Anleger unangetastet.
Europäische Fondsregeln nach dem UCITS-Standard schreiben allerdings Streuung vor. Ein Fonds darf deshalb nicht ausschließlich in einen einzigen Rohstoff investieren. Genau deshalb sind Produkte auf Gold, Silber, Öl oder Kupfer keine ETFs, sondern ETCs.
Ein ETC ist eine besicherte Schuldverschreibung. Rechtlich leiht der Anleger dem Emittenten Geld und bekommt dafür einen Anspruch auf die Wertentwicklung eines Rohstoffs. Bei physisch hinterlegten Produkten liegt echtes Metall in einem Tresor und dient als Sicherheit. Bei futuresbasierten Produkten liegen dort Kontrakte und Sicherheiten, kein Rohstoff.
Ein Detail unterscheidet die Produkte zusätzlich. Manche ETCs räumen einen Lieferanspruch ein, man kann sich das Metall also physisch aushändigen lassen. Andere zahlen ausschließlich Geld aus. In der Praxis nutzt kaum jemand die Auslieferung, weil Transport und Versicherung teuer sind. Steuerlich macht dieser Anspruch bei Gold trotzdem einen erheblichen Unterschied.
Praktisch ist das Ausfallrisiko bei etablierten Anbietern gering. Bewusst sein sollte es einem trotzdem, denn es unterscheidet ETCs von echten Fonds.
Wie das Rollen konkret Geld kostet
Ein Terminkontrakt hat ein Verfallsdatum. Wer ihn bis dahin hält, muss die Ware physisch abnehmen. Kein Fonds und kein Privatanleger will 1.000 Barrel Öl im Hof stehen haben. Also wird vorher gewechselt.
Ein Beispiel macht es greifbar. Der auslaufende Kontrakt notiert bei 100 Dollar, der nächste kostet 103 Dollar. Für 10.000 Dollar bekommt der Fonds also 100 Einheiten des alten Kontrakts, aber nur rund 97 des neuen. Der Rohstoff selbst ist keinen Cent teurer geworden, das Depot hat trotzdem verloren.
Diesen Zustand nennt der Handel Contango. Er entsteht meistens dann, wenn Lagerung Geld kostet. Tanks, Versicherung und gebundenes Kapital schlagen sich im Preis für spätere Lieferung nieder, weshalb Energie besonders betroffen ist.
Der umgekehrte Fall heißt Backwardation. Dort ist der spätere Kontrakt günstiger als der aktuelle, weil Käufer für sofort verfügbare Ware einen Aufschlag zahlen. Beim Rollen entsteht dann sogar ein Gewinn. Kupfer befand sich 2026 zeitweise in dieser Lage, weil das physische Angebot knapp war.
Wie stark der Effekt wirkt, hängt vom Rhythmus ab. Ein Produkt auf den nächstfälligen Ölkontrakt rollt zwölfmal im Jahr. Schon bei einem Prozent Aufschlag je Wechsel summiert sich das auf über zehn Prozent, selbst wenn der Ölpreis stillsteht.
Bei Gold entfällt das Problem vollständig. Physisch hinterlegte Produkte halten gar keine Kontrakte, sondern Barren. Deshalb funktionieren Gold-ETCs völlig anders als Öl-ETCs, obwohl beide dieselbe Rechtsform tragen.
Merken lässt sich das mit einem Satz. Contango kostet, Backwardation bringt, und beides steht in der Terminkurve, bevor man kauft.
Swaps, Sicherheiten und der Aufbau der Indizes
Fast alle breiten Rohstofffonds bilden ihren Index nicht mit echten Futures nach, sondern über Tauschgeschäfte mit einer Bank. Diese sogenannten Swaps liefern die Indexrendite, während der Fonds ein Wertpapierdepot als Sicherheit hält.
Das erzeugt ein Kontrahentenrisiko, also die Gefahr, dass die Gegenpartei ausfällt. Die UCITS-Regeln begrenzen dieses Risiko auf höchstens 10 Prozent des Fondsvermögens. Vorhanden ist es damit trotzdem.
Beim Index selbst lohnt der genaue Blick. Der Bloomberg Commodity Index verteilt sein Gewicht über sechs Sektoren und lässt keinem einzelnen Rohstoff mehr als 15 Prozent. Nach Stand von Mai 2026 gehören Rohöl, Gold und Kupfer zu den schwersten Komponenten. Einmal im Jahr wird regelbasiert neu gewichtet.
Daneben existieren Varianten, die genau am Rollproblem ansetzen. Roll-optimierte Indizes wählen nicht automatisch den nächstfälligen Kontrakt, sondern denjenigen mit der günstigsten Kurve. Andere Produkte setzen von vornherein auf längere Laufzeiten, weil die Kurve dort flacher verläuft. Beide Ansätze beseitigen das Problem nicht, dämpfen es aber.
Zu prüfen ist außerdem, welchen Index ein Produkt überhaupt abbildet. Varianten ohne Agrarrohstoffe schließen Weizen, Mais und Kakao aus, was für manche Anleger aus ethischen Gründen zählt. Gleichgewichtete Versionen verhindern, dass Energie das Ergebnis dominiert. Der Produktname verrät davon wenig, das Factsheet verrät alles.
Bei den laufenden Kosten liegen breite Rohstofffonds marktüblich zwischen 0,15 und 0,55 Prozent im Jahr. Diese Zahl steht im Factsheet. Die Rollkosten stehen dort nicht.
Ein Blick auf die Historie hilft beim Einordnen. Zwischen 2010 und 2020 lagen breite Rohstoffindizes über weite Strecken in Contango. Wer damals durchgehend investiert war, verlor Jahr für Jahr Substanz, obwohl viele Rohstoffpreise nur seitwärts liefen. Genau aus dieser Phase stammt der schlechte Ruf der Anlageklasse bei vielen deutschen Anlegern.
Was das für ein Depot bedeutet
Steuerlich trennt sich Gold vom Rest. Bei physisch hinterlegten Gold-ETCs mit Lieferanspruch, etwa Xetra-Gold, hat der Bundesfinanzhof Gewinne nach einem Jahr Haltedauer als steuerfrei eingeordnet. Für alle anderen Rohstoffprodukte fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an. Eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds greift dort nicht, weil keine Aktienquote vorhanden ist.
Bei der Depotquote gehen die Meinungen auseinander, und das sollte man wissen. Viele Finanzplaner nennen für Rohstoffe insgesamt 5 bis 15 Prozent und begründen das mit der geringen Korrelation zu Aktien. Andere raten von futuresbasierten Produkten grundsätzlich ab, weil die Rollkosten den Diversifikationsvorteil über Jahre auffressen können. Beide Lager haben Argumente.
Unbestritten bleibt, was Rohstoffe nicht liefern. Weder Zinsen noch Dividenden noch Gewinnwachstum. Der Ertrag entsteht ausschließlich über den Preis, während ein breiter Aktien-ETF laufend Erträge erwirtschaftet. Wer Rohstoffe beimischt, kauft ein Gegengewicht und keine Renditemaschine.
Aus unserer Sicht lohnt vor jedem Kauf ein kurzer Produktcheck. Wie sieht die Terminkurve gerade aus. Nutzt das Produkt den nächstfälligen oder einen späteren Kontrakt. Wie hoch sind laufende Kosten und Handelsspanne. Handelt es sich um einen Fonds oder um eine Schuldverschreibung. Vier Fragen, die in wenigen Minuten beantwortet sind.
Der Blick auf die Kurve lohnt jedes Mal
Die Rahmenbedingungen ändern sich laufend. Kupfer notierte 2026 zeitweise in Backwardation, während Energie über weite Strecken in Contango lag. Wer beides über denselben Kamm schert, trifft schlechte Entscheidungen.
Ein letzter Punkt betrifft die Erwartung. Rohstoffprodukte werden gern als Inflationsschutz beworben. Historisch haben Rohstoffe in Inflationsphasen oft besser abgeschnitten als Anleihen, verlässlich ist dieser Zusammenhang aber nicht. Wer mit einer Garantie rechnet, wird enttäuscht.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
