Walter L. Jacobs gründete 1918 in Chicago ein kleines Autovermietungsunternehmen namens Rent-a-Car Inc., das mit zwölf gebrauchten Ford Model T startete. Fünf Jahre später, als die Flotte auf 600 Fahrzeuge gewachsen war und der Jahresumsatz rund eine Million Dollar erreichte, verkaufte er das Geschäft an den Unternehmer John D. Hertz, der dem Unternehmen seinen Namen gab. In den folgenden Jahrzehnten wechselte Hertz mehrfach den Eigentümer, von General Motors über Ford bis zu wechselnden Finanzinvestoren, und baute dabei ein globales Netzwerk auf. 1932 öffnete der erste Flughafenstandort am Midway Airport in Chicago, 1961 folgte die Expansion nach Südamerika.
Den Weg zum drittgrößten Autovermieter der Welt ebnete unter anderem die 2.3-Milliarden-Dollar-Übernahme von Dollar Thrifty Automotive Group im Jahr 2012, die das Markenportfolio auf drei Kernmarken erweiterte. Dann traf die Covid-19-Pandemie die reiseabhängige Branche mit voller Wucht. Im Mai 2020 musste Hertz Insolvenz nach Chapter 11 beantragen, bereits vor der Pandemie durch eine Schuldenlast von über 18 Milliarden Dollar geschwächt. Was folgte, war einer der ungewöhnlichsten Insolvenzfälle der US-Unternehmensgeschichte.
Im Juni 2021 trat Hertz nach einem Bieterwettbewerb wieder aus dem Insolvenzverfahren heraus. Ein Investorenkonsortium bestehend aus Knighthead Capital Management, Certares Opportunities und Apollo Capital Management stellte über 5,9 Milliarden Dollar frisches Eigenkapital bereit. Die Unternehmensschulden wurden um rund 80 Prozent reduziert, alle Gläubiger vollständig bedient, und bestehende Aktionäre erhielten Zahlungen von über einer Milliarde Dollar. Das war damals eine Seltenheit in US-Insolvenzverfahren.
Seit April 2024 leitet Gil West Hertz Global Holdings als CEO und Mitglied des Board of Directors. West war zuvor Chief Operating Officer bei Cruise, dem autonomen Fahrzeugableger von General Motors, und davor von 2014 bis 2024 COO bei Delta Air Lines, wo er weltweite Operationen mit über 70.000 Mitarbeitern verantwortete. Er ist damit der fünfte CEO in weniger als sieben Jahren, was die operative Herausforderung der Sanierungsphase nach dem Insolvenzausstieg widerspiegelt.
Als CFO amtiert seit Mitte 2024 Scott Haralson, der auf Alexandra Brooks folgte. Greg O'Hara, Gründer von Certares und einer der wichtigsten Investoren im Insolvenzausstieg, ist Chairman des Board und prägt die strategische Ausrichtung des Unternehmens als Hauptanteilseigner maßgeblich mit.
Hertz operiert im globalen Mietwagenmarkt, der nach verschiedenen Schätzungen einen Jahresumsatz im mittleren dreistelligen Milliarden-Dollar-Bereich erreicht. Allein der US-Markt wird auf rund 35 bis 38 Milliarden Dollar Jahresvolumen beziffert. Die Branche ist stark konsolidiert: Enterprise Holdings mit den Marken Enterprise, National und Alamo, Hertz mit Dollar und Thrifty sowie die Avis Budget Group kontrollieren zusammen über 70 Prozent des US-Marktes. Enterprise ist der klare Marktführer mit Abstand, Hertz und Avis liefern sich dahinter ein enges Rennen.
Wachstumstreiber der Branche sind steigende Touristenzahlen, die Erholung des Geschäftsreisemarktes nach der Pandemie und die zunehmende Präferenz junger Städter, Fahrzeuge zu mieten statt zu besitzen. Gleichzeitig stellt die Elektrifizierung der Flotten die gesamte Branche vor neue Herausforderungen: höhere Anschaffungskosten, volatile Restwerte und aufwendigere Schadensabwicklung. Hertz hat das selbst schmerzhaft erfahren und eine ambitionierte EV-Strategie nach massiven Abschreibungen wieder zurückgefahren.
Neue Wettbewerber wie Peer-to-Peer-Plattformen (Turo, Getaround) und Rideshare-Dienste (Uber, Lyft) ergänzen das Wettbewerberfeld. Sie konkurrieren um dieselben Kunden, haben aber deutlich geringere Fixkosten und gewinnen besonders bei jüngeren Reisenden Marktanteile.
Das Kerngeschäft von Hertz ist die klassische Kurzzeitvermietung von Pkw an Privat- und Geschäftskunden. Die Mietdauer reicht von wenigen Stunden bis zu mehreren Monaten. Rund 68 Prozent der Kunden mieten für Freizeitreisen, der Rest entfällt auf Geschäftsreisende und Versicherungsersatzwagen. Die drei Marken des Konzerns richten sich an unterschiedliche Preissegmente: Hertz selbst positioniert sich im Premiumbereich, Dollar und Thrifty sprechen preisbewusste Kunden an.
Geografisch erzielt Hertz den Großteil seines Umsatzes in den USA und Kanada. In der amerikanischen Region lag der Jahresumsatz 2022 bei rund 7,3 Milliarden Dollar, mehr als 70 Prozent davon stammte aus Flughafenstandorten. Daneben betreibt Hertz ein kleineres internationales Segment in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und dem Asien-Pazifik-Raum. Das internationale Geschäft trägt weniger zum Gesamtumsatz bei und ist weniger profitabel als das US-Segment.
Ein wachsendes Standbein ist der Rideshare-Kanal: Hertz vermietet Fahrzeuge an Uber-Fahrer und andere Plattformnutzer und bedient damit die steigende Nachfrage nach flexibler Fahrzeugnutzung ohne Eigentum. Daneben betreibt Hertz ein Reselling-Geschäft, bei dem ältere Flottenfahrzeuge direkt an Privatkäufer verkauft werden.