Jennifer Hyman hatte die Idee zu Rent the Runway über Thanksgiving 2008, als ihre Schwester für eine Hochzeit ein teures Designerkleid kaufte, das sie nur einmal tragen würde. Zurück an der Harvard Business School teilte sie die Idee mit ihrer Kommilitonin Jennifer Fleiss. Die beiden erkannten eine strukturelle Marktlücke: Frauen wollen modisch auftreten, aber selten das gleiche Outfit zweimal auf Social Media zeigen, und können oder wollen sich dafür keine ganzen Garderoben kaufen. 2009 gründeten sie Rent the Runway in New York und schufen damit eine neue Kategorie im amerikanischen Modemarkt.
Das Unternehmen startete mit dem Verleih von Abendrobe für besondere Anlässe und baute das Angebot ab 2016 mit einem Abo-Modell für Alltagskleidung deutlich aus. Seither können Kundinnen gegen eine monatliche Gebühr beliebig viele Teile aus einem Sortiment von Millionen von Artikeln ausleihen, tragen und zurückschicken. Das Unternehmen kooperiert mit mehr als 750 Designermarken und ergänzt sein Angebot mit einem Resale-Bereich, über den gebrauchte Stücke aus dem eigenen Bestand verkauft werden. 2019 erreichte Rent the Runway mit einer neuen Finanzierungsrunde den Unicorn-Status mit einer Bewertung von einer Milliarde Dollar.
Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Brooklyn, New York, und betreibt ein eigenes Logistik- und Reinigungsnetzwerk, das für den Betrieb eines Modeverleih im großen Maßstab notwendig ist. Seit der Gründung hat Rent the Runway mehr als 400 Millionen Dollar an Risikokapital eingesammelt, unter anderem von Fidelity, Bain Capital Ventures, TCV und American Express.
Jennifer Hyman führt Rent the Runway seit der Gründung 2009 als CEO. Hyman studierte Sozialwissenschaften an der Harvard University und schloss einen MBA an der Harvard Business School ab. Vor der Gründung arbeitete sie als Director of Business Development bei IMG und leitete ein Team im Bereich Online-Werbung bei WeddingChannel.com. Mit dem Börsengang 2021 war Rent the Runway eines der ersten US-Unternehmen, das mit einer Frau als Gründerin und CEO an die Börse ging. Co-Gründerin Jennifer Fleiss verließ das operative Geschäft 2017, um ein eigenes Startup zu gründen, blieb aber im Board of Directors.
Seit Mai 2023 verantwortet Siddharth Thacker als CFO die Finanzen des Unternehmens. Thacker wechselte nach einer mehr als zwanzigjährigen Karriere als Investor an der Wall Street zu Rent the Runway, unter anderem als Investment Partner bei Coalition Investment Partners und CEO zweier eigener Investmentfirmen. Seine Kapitalmarkterfahrung soll helfen, das Unternehmen auf einen nachhaltigeren Finanzpfad zu bringen. Das Führungsduo Hyman und Thacker ist seit dem Stand Oktober 2025 im Amt.
Rent the Runway operiert im noch jungen Markt für Online-Kleidungsverleih, der laut verschiedenen Marktforschungseinschätzungen auf mehrere Milliarden Dollar Volumen angewachsen ist und weiter wächst. Die Nachfrage wird von zwei Seiten befeuert: zum einen durch kostenbewusste Konsumentinnen, die Zugang zu Designermode wollen, ohne Hunderte oder Tausende Dollar pro Stück auszugeben; zum anderen durch ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, da das Ausleihen von Kleidung weniger Ressourcen verbraucht als ständig neue Stücke zu kaufen.
Der wichtigste direkte Wettbewerber in den USA ist Nuuly, der Abo-Dienst von Urban Outfitters, der auf Marken aus dem URBN-Portfolio setzt und ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet. Daneben operieren kleinere Anbieter wie Le Tote, Armoire und FashionPass. Indirekter Wettbewerb kommt aus dem Secondhand-Segment, wo Plattformen wie ThredUp, The RealReal und Poshmark ähnliche Konsumbedürfnisse ansprechen, aber mit Kauf statt Miete. Fast Fashion-Anbieter wie Shein oder Zara setzen auf den entgegengesetzten Ansatz: günstiger Neukauf statt Ausleihe.
Rent the Runway ist der mit Abstand bekannteste und umsatzstärkste Anbieter in der Nische und hat einen erheblichen Markennamen- und Bestandsvorteil gegenüber jüngeren Konkurrenten. Das Unternehmen kooperiert mit mehr Marken und hat ein größeres Inventar als jeder direkte Wettbewerber in den USA. Die Herausforderung liegt darin, ein kapitalintensives Modell profitabel zu machen, denn das Vorhalten, Reinigen und Verwalten großer Kleidungsbestände verursacht erhebliche Fixkosten.
Das Kernprodukt von Rent the Runway ist ein Abonnement-Modell: Kundinnen zahlen eine monatliche Gebühr und können dafür eine feste Anzahl an Kleidungsstücken und Accessoires aus dem Sortiment auswählen, tragen und zurückschicken. Der Dienst richtet sich vor allem an Frauen zwischen 25 und 45 Jahren mit Interesse an Markenmode. Das Sortiment umfasst Abendkleidung, Business-Outfits, Freizeitmode, Umstandskleidung, Taschen, Schmuck und Accessoires von mehr als 750 Designermarken. Über 80 Prozent des Umsatzes entfällt auf Abo-Erlöse.
Ergänzend bietet Rent the Runway einzelne Mietbuchungen ohne Abo an, sogenannte Reserve-Buchungen. Damit können Kundinnen gezielt für besondere Anlässe ein einzelnes Stück für eine begrenzte Zeit ausleihen, ohne ein laufendes Abo abzuschließen. Dieses Segment ist kleiner als das Abo-Geschäft, aber wichtig für die Kundengewinnung.
Ein wachsendes Segment ist der Resale-Bereich: Rent the Runway verkauft ausgemusterte Bestände aus dem eigenen Fundus an Kundinnen zu reduzierten Preisen. Das verbessert die Kapitaleffizienz des Unternehmens, weil Kleidungsbestände, die aus der Rotation fallen, nicht abgeschrieben werden müssen, sondern noch Erlöse generieren. Der Resale-Bereich hat sich zu einem relevanteren Umsatzbeitrag entwickelt und profitiert vom allgemeinen Trend zu gebrauchter Designermode.