George Stephen Sr. erfand 1951 in Chicago den Kugelgrill aus einer halbierten Metallboje, die er in seiner Metallwerkstatt herstellte. Das Ergebnis war der Weber Kettle, der erste Holzkohlegrill mit Deckel und Lüftungsklappen. Stephen erkannte früh, dass der Deckel das Grillergebnis fundamental verbesserte, weil er Hitze und Rauch kontrolliert im Inneren hält. Aus dieser Erfindung heraus gründete er die Firma Weber-Stephen Products, die 1958 offiziell eingetragen wurde.
Jahrzehntelang blieb Weber ein reines Familienunternehmen. Jim Stephen, Sohn des Gründers, führte das Unternehmen von den frühen 1990er-Jahren bis 2013. Danach übernahm externe Führung das Ruder. 2010 erwarb die Investmentgesellschaft BDT Capital Partners aus Chicago die Mehrheit der Anteile von der Gründerfamilie. Unter BDT-Ägide modernisierte Weber das Produktportfolio, trieb die Internationalisierung voran und baute das Direktvertriebsgeschäft aus. Mit dem Börsengang 2021 ging BDT als Mehrheitsaktionär an die Öffentlichkeit, behielt aber die Kontrolle durch eine Dual-Class-Aktienstruktur.
Der Hauptsitz liegt in Palatine, Illinois, im Großraum Chicago. Weber verkaufte seine Produkte zuletzt in mehr als 70 Ländern, wobei die USA rund 58 Prozent des Umsatzes ausmachten. Das Unternehmen fertigte an mehreren Standorten in den USA sowie international und unterhielt weltweit rund 190 Weber-eigene Retail-Stores und Grill Academy-Standorte.
Zum Zeitpunkt des Börsengangs im August 2021 stand Chris Scherzinger als CEO an der Spitze von Weber. Scherzinger war seit April 2018 in dieser Funktion tätig und kam von Newell Brands, wo er zuvor als President und CEO der Sparte Appliances & Cookware gearbeitet hatte. Bereits im Juli 2022 gab Weber bekannt, dass Scherzinger das Unternehmen verlässt. Alan Matula, bis dahin Chief Technology Officer, übernahm ab Juli 2022 den Posten des Interim-CEO. Matula war seit 2015 bei Weber tätig, zunächst als Chief Information Officer. Vor seiner Zeit bei Weber war er CIO bei Royal Dutch Shell.
CFO zum Zeitpunkt des Börsengangs war Bill Horton. Im Board of Directors saß unter anderem Byron Trott, Gründer und Managing Partner von BDT Capital Partners. Trott ist in der US-Finanzbranche bekannt als langjähriger Berater von Warren Buffett.
Weber operiert im globalen Markt für Außengrills und Outdoor-Cooking-Zubehör. Der Gesamtmarkt umfasst Holzkohle-, Gas-, Elektro- und Pelletgrills sowie Zubehör, Saucen und Dienstleistungen rund ums Grillen. Laut Prognosen diverser Marktforschungsinstitute bewegt sich der globale Markt in einer Größenordnung von mehreren Milliarden Dollar, mit einem erwarteten jährlichen Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Weber schätzte seinen adressierbaren Gesamtmarkt zum Zeitpunkt des IPOs auf rund 49 Milliarden Dollar weltweit und 9 Milliarden Dollar allein in den USA.
Der Wettbewerb ist fragmentiert. Zu den wichtigsten direkten Konkurrenten zählte Weber im S-1-Filing selbst: Traeger, Big Green Egg, Char-Broil, Napoleon, Nexgrill, Pit Boss sowie europäische Anbieter wie Campingaz und Broil King. Traeger, ebenfalls 2021 an die NYSE gegangen, gilt als wichtigster Herausforderer insbesondere im wachstumsstarken Pelletgrill-Segment. Big Green Egg besetzt das Hochpreissegment mit Keramikgrills und verfügt über eine treue Fangemeinde. Char-Broil bedient das Marktsegment unterhalb von Weber mit günstigeren Gas- und Holzkohlemodellen.
Weber differenziert sich durch seine Markenbekanntheit, die globale Vertriebsreichweite und die Breite des Produktportfolios. Nach eigenen Angaben und Frost-&-Sullivan-Daten hielt Weber weltweit einen Marktanteil von rund 24 Prozent und in den USA von rund 23 Prozent. Das Unternehmen war damit klarer Marktführer, musste sich jedoch gegen zunehmend innovative Wettbewerber im Premiumsegment behaupten.
Weber gliederte seinen Umsatz in zwei Hauptkategorien. Den größten Teil machten die Grills selbst aus, also Gas-, Holzkohle-, Elektro-, Pellet- und Smoker-Modelle. Das Produktportfolio reichte von Einsteigermodellen für unter 100 Dollar bis zu Premiumgeräten im vierstelligen Preisbereich. Bekannte Produktlinien sind der klassische Weber Kettle, die Gasgrills der Spirit- und Genesis-Serie sowie der Summit, Webers Flaggschiff im Hochpreissegment. Mit dem SmokeFire und späteren Modellen stieg Weber auch in das Pelletgrill-Segment ein, das lange von Traeger dominiert wurde.
Die zweite Umsatzkategorie umfasste Zubehör, Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen. Darunter fallen Grillwerkzeug, Abdeckhauben, Gewürze und Saucen sowie Webers Grill Academy, ein weltweites Netz aus Grillkursen. Einen wachsenden Stellenwert hatte die Weber Connect-Technologie, eine smarte Grill-Plattform die Temperatursensoren, App-Steuerung und Rezeptführung verbindet. Weber Connect ermöglicht es Nutzern, den Garprozess per Smartphone zu überwachen. 2021 übernahm Weber das Startup June Life, um die Entwicklung dieser digitalen Produkte zu beschleunigen.
Der Vertrieb lief über drei Kanäle. Im Großhandel arbeitete Weber mit über 4.700 Einzelhändlern und rund 31.700 stationären Verkaufspunkten zusammen, darunter The Home Depot, Lowe's, Costco und Walmart in den USA sowie Bauhaus und OBI in Europa. Daneben betrieb Weber knapp 200 eigene Stores und Grill Academy-Standorte sowie einen wachsenden E-Commerce-Kanal über die eigene Website und Plattformen wie Amazon.