Blaue Wellenstruktur mit dunkler Spalte in der Bildmitte als Bezug zum Kurssturz der Quantencomputing-Aktie Pasqal
💾4 Min.03.09.2026

Vierter Verlusttag in Folge

Pasqal Holding (NASDAQ: PSQL) hat am Donnerstag 20,02% auf 9,75 Dollar verloren. Der französische Quantencomputer-Bauer setzt damit eine Serie fort, die kaum eine Woche alt ist. Am Vortag hatte die Aktie bereits über 21% eingebüßt, davor 10,06% und davor 9,47%.

Die Rechnung ist ernüchternd. Am 28. August schloss das Papier bei 19,11 Dollar, dem ersten Handelstag nach dem Börsengang. Vier Sitzungen später steht es bei 9,75 Dollar. Das entspricht einem Minus von rund 49%. Gemessen am Tageshoch von 24,69 Dollar, das die Aktie am 31. August erreichte, liegt der Verlust bei 60%.

Das Handelsvolumen lag bei rund 1,65 Millionen Aktien und damit beim Fünffachen des Durchschnitts von knapp 355.000 Stück. Der Börsenwert sank auf 2,04 Milliarden Dollar. Am Montag waren es noch über 3,6 Milliarden gewesen. Innerhalb von drei Handelstagen sind damit rund 1,6 Milliarden Dollar an Bewertung verschwunden, ohne dass eine schlechte Nachricht aus dem Unternehmen kam.

Wie eine SPAC-Fusion den Preis verzerrt

Die Ursache liegt im Weg an die Börse. Pasqal ging nicht klassisch aufs Parkett, sondern verschmolz mit einer bereits notierten Hülle namens Bleichroeder Acquisition Corp. II. Deren Aktionäre stimmten am 25. August zu, der Handel unter PSQL begann am 28. August.

Bei einem gewöhnlichen Börsengang platzieren Banken die Aktien vorab bei Investoren, die sich zu einem festgelegten Preis binden. Diese Käufer bilden einen Boden. Beim Weg über eine Hülle fehlt dieser Schritt. Wer Anteile der Hülle hielt, konnte sein Geld vor dem Zusammenschluss zurückfordern, und wer blieb, sitzt anschließend auf Papieren, die er nie bewusst ausgewählt hat.

Das Ergebnis sind Kursbewegungen ohne fundamentalen Anker. In der Woche vor dem Handelsstart legte die Hülle 96,81% zu, weil Spekulanten auf den Quantenboom setzten. Anschließend drehte die Bewegung. Genau dieses Muster kennt man von zahlreichen Firmen, die zwischen 2020 und 2022 diesen Weg gewählt haben. Damals folgte auf den Handelsstart fast immer eine Phase, in der sich der Kurs erst auf einem deutlich tieferen Niveau einpendelte. Erst danach begann eine Bewertung, die sich an Geschäftszahlen orientierte.

Hinzu kommt eine Enttäuschung beim Geld. Die Unterlagen hatten rund 500 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, geflossen sind etwa 360 Millionen. Die Differenz entstand durch Anteilseigner, die ihr Kapital zurückgefordert haben. Für ein Unternehmen mit hohem Forschungsbedarf sind 140 Millionen Dollar weniger keine Kleinigkeit.

Was hinter Pasqal wirklich steckt

Der operative Teil der Geschichte fällt deutlich besser aus als der Kursverlauf. Pasqal sitzt in Palaiseau südlich von Paris und wurde von führenden Quantenphysikern gegründet, darunter der Nobelpreisträger Alain Aspect. Die Firma baut Rechner auf Basis neutraler Atome, die mit Laserstrahlen eingefangen und in Gittern angeordnet werden.

Sieben dieser Systeme sind nach Firmenangaben ausgeliefert, drei weitere befinden sich in der Fertigung. Die erste kommerzielle Installation datiert auf 2022. Zu den Abnehmern zählen Unternehmen aus Energie, Finanzdienstleistungen, Materialforschung und Verteidigung sowie Forschungseinrichtungen. Damit gehört Pasqal zu den Anbietern mit der größten installierten Basis unter den reinen Quantenfirmen. Die Systeme laufen in gewöhnlichen Rechenzentren und lassen sich zusätzlich über die Cloud buchen. Neutrale Atome brauchen anders als supraleitende Chips keine extreme Kühlung, was Aufbau und Betrieb vereinfacht.

Auch der Nachrichtenfluss stimmt. Ende August vereinbarte Pasqal in Riad eine mehrjährige Forschungspartnerschaft mit dem saudischen Wissenschaftszentrum KACST. Am Dienstag folgte eine Kooperation mit dem Analyseunternehmen True Nexus. Beide Meldungen konnten den Kursverfall nicht bremsen. Das ist typisch für eine Phase, in der die Kursbildung von Angebot und Nachfrage nach Aktien bestimmt wird und nicht vom Geschäft.

Der ganze Quantensektor steht unter Druck

Pasqal fällt nicht allein. Die börsennotierten Quantenfirmen haben seit dem Sommer eine schwierige Phase. IonQ, Rigetti, D-Wave und Quantum Computing verloren in den vergangenen Wochen mehrfach im Gleichschritt, ohne dass Unternehmensnachrichten vorlagen. Analysten sprechen in solchen Fällen von einem Ausstieg auf Sektorebene, bei dem Anleger die gesamte Kategorie verkaufen statt einzelne Titel zu prüfen.

Der Grund liegt am Anleihemarkt. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen bewegen sich nahe mehrjähriger Höchststände. Firmen, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen, reagieren darauf besonders empfindlich. Quantencomputing steht dabei am äußersten Ende der Skala, weil hier kaum ein Anbieter Gewinne ausweist. Steigen die Renditen sicherer Anleihen, sinkt die Bereitschaft, für eine Technologie zu zahlen, deren Erträge in zehn Jahren beginnen könnten.

Die Schwankungsanfälligkeit lässt sich messen. IonQ etwa bewegt sich nach gängigen Kennzahlen mehr als dreimal so stark wie der Gesamtmarkt. Wir halten Pasqal für einen noch extremeren Fall, weil hier zusätzlich die Unsicherheit einer frischen Notierung dazukommt.

Zwei Milliarden für sieben Rechner

Trotz der Halbierung bleibt die Bewertung sportlich. Zwei Milliarden Dollar Börsenwert stehen einem Umsatz gegenüber, der sich im niedrigen einstelligen Millionenbereich bewegt. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht, weil Pasqal Verluste schreibt.

Der Vergleich mit dem Vortag zeigt, wie schnell sich solche Zahlen ändern. Am Montag hätte man für dasselbe Unternehmen noch über 3,6 Milliarden Dollar bezahlt. An der Technik, an den Verträgen und an der Kasse hat sich in diesen vier Tagen nichts geändert. Verändert hat sich nur die Bereitschaft des Marktes, dafür Geld auszugeben.

Aus unserer Sicht sollten Anleger daraus die richtige Lehre ziehen. Ein Kursrückgang von 49% macht eine Aktie nicht automatisch günstig, wenn der Ausgangspunkt willkürlich war. Solange kein Quartalsbericht und keine Analystenschätzungen vorliegen, fehlt schlicht die Grundlage für ein Urteil. Wer hier einsteigt, sollte einen Totalverlust verkraften können. Für ein Depot mit klarem Rahmen taugt ein solcher Wert allenfalls als kleine Beimischung.

Euronext-Listing und Kapitalverbrauch im Blick

Der erste Quartalsbericht als börsennotierte Gesellschaft steht noch aus und dürfte im Herbst folgen. Er wird zeigen, wie schnell die 360 Millionen Dollar abfließen. Bereits im März hatte Pasqal eine private Finanzierungsrunde über 170 Millionen Euro sowie eine zugesagte Wandelfinanzierung in ähnlicher Höhe eingesammelt.

Ein zweiter Termin steht im Raum. Das Unternehmen plant eine zusätzliche Notierung an der Euronext in Paris, angepeilt sind 2026 oder 2027. Für europäische Anleger wäre der Handel damit einfacher, und die Aktionärsbasis würde breiter. Anleger sollten außerdem die Sperrfristen für Altaktionäre beobachten. Laufen diese aus, kommt zusätzliches Material auf einen Markt, der derzeit ohnehin wenig Käufer findet. Wichtiger als jede Kursprognose bleibt am Ende die Frage, ob aus Forschungsverträgen zahlende Industriekunden werden.