Snowflake beschleunigt und hebt die Jahresprognose an

Ein Kurssprung auf ein neues Allzeithoch
Snowflake (NYSE: SNOW) hat am Donnerstag 16,55% auf 356,47 Dollar zugelegt. Der Anbieter einer Datenplattform für Unternehmen legte die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 nach Handelsschluss am Mittwoch vor. Vorbörslich schoss die Aktie zeitweise bis auf 380 Dollar. Es war einer der stärksten Handelstage seit dem Börsengang.
Der Umsatz stieg um 35% auf 1,55 Milliarden Dollar. Analysten hatten 1,48 Milliarden erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,62 Dollar gegenüber einer Schätzung von 0,45 Dollar. Das entspricht einer Abweichung von fast 38%.
Rund 20,8 Millionen Aktien wechselten den Besitzer, knapp das Vierfache des Dreimonatsschnitts von 5,47 Millionen. Der Börsenwert kletterte auf 123,58 Milliarden Dollar. Damit durchbrach das Papier sein bisheriges 52-Wochen-Hoch von 341,95 Dollar deutlich.
Der Produktumsatz beschleunigt erneut
Die wichtigste Kennzahl versteckt sich hinter dem Gesamtumsatz. Snowflake weist den sogenannten Produktumsatz separat aus, also die Erlöse aus der eigentlichen Plattformnutzung ohne Beratung und Support. Diese Zahl gilt als der ehrlichste Gradmesser für die Nachfrage, weil sie direkt am Verbrauch der Kunden hängt. Dieser Wert erreichte 1,49 Milliarden Dollar und wuchs um 37%.
Entscheidend ist die Richtung. Es handelt sich um das dritte Quartal in Folge mit steigender Wachstumsrate. Genau das widerlegt die Sorge, die den gesamten Softwaresektor 2026 belastet hat. Viele Anleger befürchteten, Unternehmen würden ihre Ausgaben für Cloud-Dienste zurückfahren oder KI-Systeme könnten klassische Softwareabos überflüssig machen.
Snowflake liefert dazu gleich mehrere weitere Belege aus dem Kundenstamm. Die Zahl der Kunden stieg um 32% auf 14.554. Bei den besonders wertvollen Kunden, die in zwölf Monaten mehr als eine Million Dollar ausgeben, lag das Plus bei 27% auf 828. Die Nettobindungsrate erreichte 126%, was bedeutet, dass Bestandskunden im Schnitt ein Viertel mehr ausgaben als im Vorjahr. Der Auftragsbestand wuchs um 30% auf neun Milliarden Dollar. Diese Größe gilt als Frühindikator, weil sie bereits vertraglich zugesagte, aber noch nicht abgerufene Umsätze abbildet.
Nach Angaben des Finanzchefs Brian Robins stammt rund die Hälfte des Zuwachses aus KI-Produkten. Damit beantwortet Snowflake die Frage, die seit Monaten über der Branche hängt. Künstliche Intelligenz frisst das Geschäft nicht auf, sie treibt es an.
Die Prognose steigt gleich zweimal
Beim Ausblick legte das Management doppelt nach. Für das laufende dritte Quartal stellt Snowflake einen Produktumsatz von 1,588 bis 1,593 Milliarden Dollar in Aussicht. Das entspricht einem Wachstum von rund 37,5% und damit einer weiteren Beschleunigung. Analysten hatten bei etwa 1,5 Milliarden Dollar gelegen.
Für das gesamte Geschäftsjahr hob Snowflake das Ziel auf 6,07 Milliarden Dollar an, nach zuvor 5,84 Milliarden. Aus 31% erwartetem Wachstum werden damit 36%. Der Konsens am Markt lag bei 5,85 Milliarden Dollar und damit sogar leicht unter der alten Firmenprognose. Zusätzlich erhöhte die Firma die Zielmarke für die bereinigte operative Marge auf 14,5%.
Aus unserer Sicht liegt genau hier der Unterschied zu anderen Berichten dieser Woche. Mehrere Technologiewerte haben Rekordzahlen gemeldet und trotzdem verloren, weil der Ausblick nur den Erwartungen entsprach. Snowflake hob die Latte selbst an. Wer eine Prognose zweimal nach oben schraubt, signalisiert Zuversicht statt Vorsicht. Der Kurssprung ist damit weniger eine Reaktion auf das abgelaufene Quartal als auf die kommenden vier.
Was die Analysten daraus machen
Die Reaktion der Wall Street fiel entsprechend aus. Morgan Stanley stufte die Aktie auf Übergewichten hoch und hob das Kursziel von 300 auf 470 Dollar an. Die Bank of America zog mit einer Kaufempfehlung nach und erhöhte ihr Ziel von 395 auf 470 Dollar. Weitere Häuser landeten bei 424 und 450 Dollar.
Solche Sprünge sind ungewöhnlich. Ein Kursziel um mehr als 50% anzuheben bedeutet, dass ein Analyst sein gesamtes Modell überarbeiten musste. In diesem Fall betrifft das vor allem die Annahme über die langfristige Wachstumsrate. Wer bislang von einer Verlangsamung ausging, muss nun mit dauerhaft höherem Tempo rechnen. Anleger sollten dabei im Blick behalten, dass solche Anpassungen der Kursentwicklung folgen und ihr selten vorauslaufen.
Die Bewertung bleibt trotzdem anspruchsvoll. Snowflake wird mit rund dem 137-fachen des für das kommende Jahr erwarteten Gewinns gehandelt. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate existiert nicht, weil das Unternehmen nach den strengen US-Bilanzregeln weiterhin Verluste ausweist. Verantwortlich dafür sind vor allem Aktienvergütungen an Mitarbeiter, die als Aufwand gebucht werden, aber kein Geld kosten. Die Bruttomarge liegt bei 67,1%.
Wo Snowflake im Markt steht
Zum Verständnis lohnt ein Blick auf das Produkt. Snowflake betreibt eine Plattform, auf der Unternehmen ihre Daten sammeln, speichern und auswerten. Der Unterschied zu klassischen Datenbanken liegt darin, dass Rechenleistung und Speicher getrennt abgerechnet werden. Kunden zahlen nach Verbrauch statt nach Lizenz. Wächst die Datenmenge eines Unternehmens, wächst automatisch die Rechnung.
Dieses Modell erklärt, warum die Zahlen so eng am KI-Boom hängen. Wer ein Sprachmodell mit Firmendaten füttern will, braucht diese Daten zuerst geordnet an einem Ort. Snowflake verkauft genau diese Vorstufe. Je mehr KI-Anwendungen entstehen, desto mehr Abfragen laufen über die Plattform. Auch die Reaktion des Sektors sprach dafür. Andere Softwarewerte zogen am Donnerstag mit, weil die Zahlen als Beleg für ungebrochene Unternehmensausgaben gelesen wurden.
Der Wettbewerb ist allerdings hochkarätig. Databricks drängt mit einem ähnlichen Ansatz in denselben Markt, dazu kommen die Datenprodukte von Microsoft, Amazon und Google. Alle drei können ihre Angebote in bestehende Cloud-Verträge bündeln. Wir halten das für das zentrale Risiko der Aktie auf Sicht mehrerer Jahre. Ein spezialisierter Anbieter muss deutlich besser sein als ein Beipack-Produkt, um seinen Preis zu rechtfertigen.
Die nächsten Zahlen kommen im Dezember
Der nächste Bericht folgt voraussichtlich Anfang Dezember, das Geschäftsjahr von Snowflake endet Ende Januar. Dann zeigt sich, ob die Beschleunigung ein viertes Quartal in Folge anhält. Genau darauf dürfte sich die Aufmerksamkeit richten, weil die neue Bewertung diese Fortsetzung bereits einpreist.
Zwei weitere Punkte gehören auf die Beobachtungsliste. Zum einen die operative Marge, denn Snowflake muss zeigen, dass Wachstum und Profitabilität zusammengehen. Zum anderen der Anteil der KI-Produkte am Umsatz, den das Management bislang nur grob beziffert. Eine klarere Aufschlüsselung würde Anlegern helfen, das Tempo dieses Geschäfts einzuschätzen. Bislang bleibt der Markt auf allgemeine Aussagen des Managements angewiesen. Der breite Markt half am Donnerstag zusätzlich, weil sinkende Zinserwartungen den gesamten Technologiesektor stützten.
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