Strategy springt mit Bitcoin über 17 Prozent nach oben

Der Hebel arbeitet wieder nach oben
Strategy (NASDAQ: MSTR) hat am Donnerstag 17,58% auf 144,85 Dollar zugelegt. Der größte Bitcoin-Besitzer unter den börsennotierten Unternehmen gewann damit 21,66 Dollar je Aktie. Der Börsenwert kletterte auf 57,55 Milliarden Dollar.
Der Auslöser lag außerhalb der Firma. Bitcoin stieg um rund 5% auf etwa 81.000 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Monaten. Strategy legte also mehr als dreimal so stark zu wie die Kryptowährung selbst. Genau dieser Verstärkungseffekt ist die Geschäftsidee. Wer eine Wette auf Bitcoin mit eingebautem Hebel sucht, findet sie in dieser Aktie.
Rund 38,3 Millionen Aktien wechselten den Besitzer, deutlich mehr als der Dreimonatsschnitt von 23,3 Millionen. Trotz des Sprungs bleibt die Jahresbilanz schwierig. Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie 62,40% im Minus.
Waller dreht die Zinserwartung
Den Anstoß gab ein Notenbanker. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte in einem Interview, er sei geneigt, eine unveränderte Zinshöhe zu unterstützen, sofern sich die Inflationsdaten weiter verbessern. Diese Aussage veränderte die Erwartungen am Terminmarkt binnen Stunden. Der Leitzins liegt derzeit in einer Spanne von 3,5% bis 3,75%.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Sitzung am 15. und 16. September fiel nach den Daten des CME FedWatch von 63,2% auf 50,4%. Zuvor hatte Notenbankchef Kevin Warsh in Jackson Hole eine deutlich strengere Linie angedeutet und damit Bitcoin bis auf 76.877 Dollar gedrückt.
Für Kryptowährungen ist der Zusammenhang mechanisch. Höhere Zinsen machen Anleihen und Tagesgeld attraktiver und stärken den Dollar. Beides zieht Kapital aus Anlagen ab, die selbst keine Zinsen abwerfen. Fällt diese Sorge weg, dreht die Bewegung. Am Donnerstag lösten die Kursgewinne zudem Zwangsschließungen von Wetten auf fallende Kurse im Umfang von rund 415 Millionen Dollar aus, was den Anstieg zusätzlich beschleunigte.
Auch die Aktienmärkte profitierten. Dow Jones und S&P 500 verzeichneten ihren besten Tag seit einem Monat, der Nasdaq zog ebenfalls an. Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben nach, der Dollar wurde schwächer. Für Krypto-Werte ist das die günstigste Kombination, die es gibt.
Was Strategy tatsächlich besitzt
Das Unternehmen hieß bis 2025 MicroStrategy und verkauft weiterhin Analysesoftware für Firmen. Dieses Geschäft ist allerdings zur Nebensache geworden. Im zweiten Quartal setzte die Softwaresparte 122,4 Millionen Dollar um, ein Plus von 6,9%. Die Abo-Erlöse wuchsen mit 54% auf 62,9 Millionen Dollar deutlich schneller. Gemessen an einem Börsenwert von 57,5 Milliarden Dollar spielt dieser Bereich für die Bewertung kaum eine Rolle. Indexanbieter und Analysten behandeln Strategy längst als Bitcoin-Vehikel mit angeschlossenem Softwaregeschäft.
Der eigentliche Wert liegt in der Bilanz. Strategy hält 845.050 Bitcoin, das entspricht rund 4% aller Münzen, die jemals existieren werden. Der durchschnittliche Einstandspreis liegt bei etwa 75.800 Dollar. Bei einem Kurs von 81.000 Dollar sind diese Bestände rund 68 Milliarden Dollar wert.
Ende August beendete das Unternehmen eine zehnwöchige Kaufpause und erwarb 4.603 Bitcoin für 370 Millionen Dollar. Zuvor hatte Firmenchef Phong Le eingeräumt, dass Strategy Teile des Bestands verkauft habe, um Vorzugsdividenden zu bedienen und Schulden zu senken. Die erste Bitcoin-Position kaufte das Unternehmen im August 2020, damals 21.454 Münzen. Gründer und Verwaltungsratschef Michael Saylor begründete den Schritt seinerzeit damit, dass Bargeld an Wert verliere und Bitcoin der bessere Speicher sei. Seither hat Strategy zweistellige Milliardenbeträge über Wandelanleihen, Aktienverkäufe und Vorzugspapiere aufgenommen.
Ein Aufschlag, der zum Abschlag wurde
Für Anleger lohnt ein Blick auf die Kapitalstruktur, weil sie den Hebel erklärt. Neben den Aktien stehen rund 6,75 Milliarden Dollar Schulden und etwa 15 Milliarden Dollar an Vorzugsaktien in den Büchern. Beide haben Vorrang vor den Stammaktionären. Zins- und Dividendenzahlungen darauf summieren sich auf rund 1,7 Milliarden Dollar pro Jahr.
Rechnet man diese vorrangigen Ansprüche heraus, entfallen nach Berechnungen spezialisierter Anbieter etwa 591.600 der 845.050 Bitcoin auf die Stammaktien. Der Rest dient als Deckung für Anleihen und Vorzugspapiere. Genau deshalb bewegt sich die Aktie stärker als der Rohstoff selbst, in beide Richtungen. Der rechnerische Punkt, an dem die Deckung für die Stammaktien aufgebraucht wäre, liegt nach diesen Modellen bei einem Bitcoin-Kurs von rund 24.400 Dollar.
Jahrelang zahlten Anleger für Strategy mehr, als die gehaltenen Bitcoin wert waren. Dieser Aufschlag war das Geschäftsmodell, weil das Unternehmen damit günstig neue Aktien ausgeben und weiter kaufen konnte. Im Sommer 2026 kippte das Verhältnis. Zeitweise lag der Unternehmenswert unter dem Wert der Bestände. Wir halten diese Verschiebung für die wichtigste Entwicklung des Jahres bei dieser Aktie, denn sie schneidet die Finanzierungsquelle ab. Neue Aktien unterhalb des Bestandswerts auszugeben verwässert die bestehenden Eigentümer, statt ihnen zu nutzen.
Was Anleger hier wirklich kaufen
Wer MSTR erwirbt, kauft keine Softwarefirma und auch keinen Bitcoin-Fonds. Er kauft einen Restanspruch auf einen Bitcoin-Bestand, nachdem Gläubiger und Vorzugsaktionäre bedient wurden. Steigt der Kurs der Kryptowährung, wächst dieser Rest überproportional. Fällt er, schrumpft er ebenso schnell.
Ein Vergleich verdeutlicht das. Der börsengehandelte Bitcoin-Fonds von BlackRock legte am Donnerstag 5% zu, Strategy 17,58%. In schwachen Phasen kehrt sich das Verhältnis um. Der Kursverlust von 62,40% auf Jahressicht zeigt, wie das aussieht. Wer den direkten Weg über einen Fonds oder die Kryptowährung selbst wählt, verzichtet auf diesen Hebel und spart sich zugleich das Bilanzrisiko.
Anleger sollten außerdem die laufenden Verpflichtungen im Blick behalten. Die jährlichen Zins- und Dividendenzahlungen müssen aus der Kasse oder aus Verkäufen bedient werden, weil die Softwaresparte dafür zu klein ist. Solange der Aufschlag zum Bestandswert fehlt, bleibt der Handlungsspielraum eng. Ein länger anhaltender Bitcoin-Anstieg würde diese Lage schnell entspannen, ein neuer Rückschlag sie verschärfen.
Die Zinssitzung Mitte September entscheidet
Der nächste Termin steht fest. Am 15. und 16. September tagt die US-Notenbank. Bleibt es bei unveränderten Zinsen, dürfte die aktuelle Bewegung Bestand haben. Kommt die Erhöhung doch, dürfte der Rückschlag entsprechend heftig ausfallen.
Daneben lohnt der Blick auf die wöchentlichen Pflichtmeldungen von Strategy. Das Unternehmen legt regelmäßig offen, ob es Bitcoin gekauft oder verkauft hat und wie viel Kapital es über den Aktienmarkt eingesammelt hat. Diese Meldungen zeigen früher als jede Quartalsbilanz, ob das Geschäftsmodell wieder funktioniert. Kauft Strategy wieder in großem Stil zu, deutet das auf einen zurückgekehrten Bewertungsaufschlag hin. Bitcoin hatte im August 25% zugelegt und damit den ersten positiven August seit dem Jahr 2021 verbucht.
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