Blau leuchtende Glasfaserenden vor dunklem Hintergrund als Bezug zum Kursverlust von Ciena nach den Rekordzahlen
💾4 Min.03.09.2026

Rekordquartal und trotzdem zweistellig im Minus

Ciena (NYSE: CIEN) hat am Donnerstag vor Handelsstart das beste Quartal der Firmengeschichte gemeldet und anschließend 10,36% verloren. Die Aktie schloss bei 317,46 Dollar, ein Minus von 36,70 Dollar gegenüber dem Vortagesschluss von 354,16 Dollar. Der Börsenwert des Netzwerkausrüsters fiel auf 44,94 Milliarden Dollar.

Die Zahlen selbst lassen wenig Raum für Kritik. Der Umsatz stieg im dritten Geschäftsquartal um 37% auf 1,67 Milliarden Dollar, nach 1,22 Milliarden ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 215% auf 2,11 Dollar. Analysten hatten 1,72 Dollar bei 1,63 Milliarden Dollar Umsatz erwartet.

Auch bei den Margen fiel das Quartal aus dem Rahmen. Die bereinigte Bruttomarge erreichte 46,4% und lag damit 90 Basispunkte über der eigenen Prognose. Die operative Marge sprang auf 22,5%, ein Firmenrekord und mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Rund 7,48 Millionen Aktien wechselten den Besitzer, fast das Dreifache des Dreimonatsschnitts.

Der Auftragsbestand klettert auf zehn Milliarden

Der Auftragsbestand liefert den eindrucksvollsten Teil der Meldung. Er wuchs im Quartal um 800 Millionen auf 8,5 Milliarden Dollar. Zum Ende des Geschäftsjahres erwartet das Management mehr als zehn Milliarden Dollar. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz lag deutlich über eins, was bedeutet, dass mehr bestellt als ausgeliefert wurde.

Firmenchef Gary Smith nannte auf der Konferenz eine Zahl, die hängen blieb. Einen Monat nach Quartalsbeginn habe Ciena bereits fast so viele Aufträge gebucht wie im gesamten dritten Quartal. Die Sichtbarkeit reicht nach Angaben des Managements bis 2028.

Getrieben wird das Ganze vom Ausbau der KI-Rechenzentren. Cloudanbieter steuerten 53% des Umsatzes bei, ein Plus von 82% gegenüber dem Vorjahr. Die Region Amerika legte um 42,6% zu und macht inzwischen 78,8% des Geschäfts aus. Asien wuchs um 58,4%, während Europa mit einem Minus von 2,9% abfiel.

Ciena baut optische Übertragungstechnik. Vereinfacht gesagt geht es darum, möglichst viele Daten über Glasfaser zu schicken, und zwar über große Entfernungen. Wenn Cloudkonzerne mehrere Rechenzentren zu einem Verbund zusammenschalten, brauchen sie genau diese Technik. Das Management bezeichnet sich als einzigen reinen Anbieter optischer Systeme, der in dieser Größenordnung arbeitet. Kupfer stößt bei diesen Entfernungen an physikalische Grenzen, Glasfaser bleibt die einzige Option.

Warum der Ausblick den Markt enttäuscht

Der Knackpunkt liegt in einer einzigen Zahl. Für das laufende vierte Quartal stellte Ciena 1,75 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, mit einer Spanne von 50 Millionen nach oben und unten. Das entspricht ungefähr dem, was Analysten ohnehin erwartet hatten. Nach einem Quartal, das die Schätzungen um 23% übertraf, hatte der Markt mehr eingepreist.

Die Jahresprognose wurde zwar auf 6,42 Milliarden Dollar angehoben, was in der Mitte der Spanne einem Wachstum von 35% entspricht. Für das kommende Geschäftsjahr nannte das Management eine vorläufige Untergrenze von 8,3 bis 8,4 Milliarden Dollar, also mindestens 30% Zuwachs. Beides klingt stark und reichte trotzdem nicht.

Der Grund liegt in der Ursache der Zurückhaltung. Ciena kann nicht mehr liefern, weil Bauteile fehlen. Nach Angaben des Managements dürften diese Engpässe bis 2027 anhalten und möglicherweise bis 2028 reichen. Auf Nachfrage hieß es, der Umsatz 2027 fiele höher aus, wenn sich mehr Komponenten beschaffen ließen. Das Unternehmen hat deshalb langfristige Lieferverträge bis 2029 abgeschlossen.

Aus unserer Sicht ist genau das die Botschaft des Tages. Der Auftragsbestand von zehn Milliarden Dollar zeigt Nachfrage, die Ciena kurzfristig nicht in Umsatz verwandeln kann. Wer eine Beschleunigung erwartet hatte, bekam eine Warteschlange. Auf der Konferenz stellte das Management klar, dass hinter dem Auftragsbestand keine vorgezogenen Bestellungen aus Angst vor Knappheit stehen. Die große Mehrheit der Aufträge trage Wunschtermine im Jahr 2027.

Zwei Kunden tragen einen großen Teil

Ein zweiter Punkt aus dem Bericht verdient Aufmerksamkeit. Zwei Kunden steuerten jeweils mehr als 10% des Quartalsumsatzes bei. Namen nennt Ciena nicht, es dürfte sich um große Cloudkonzerne handeln.

Diese Konzentration ist der Preis des aktuellen Booms. Solange die Hyperscaler ihre Budgets erhöhen, wächst Ciena überdurchschnittlich. Verschiebt einer dieser Kunden seine Ausbaupläne um zwei Quartale, schlägt das unmittelbar auf die Zahlen durch. Bei einem klassischen Telekomausrüster mit hundert mittelgroßen Netzbetreibern verteilt sich dieses Risiko wesentlich breiter. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu. Solche Großkunden verhandeln hart über Preise, was die Marge langfristig unter Druck setzen kann.

Der Vergleich mit den Wettbewerbern zeigt, dass der Rückschlag kein Branchenproblem war. Arista Networks legte am Donnerstag rund 3% zu, Cisco bewegte sich kaum, und der breite US-Markt notierte im Plus. Ciena fiel allein.

Die Bewertung nach der Verdreifachung

Die Kennzahlen erklären die Nervosität. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei knapp 126, bezogen auf die vergangenen zwölf Monate. Auf Jahressicht steht die Aktie 202,91% im Plus. Vor zwölf Monaten notierte sie bei rund 105 Dollar. Wer damals eingestiegen ist, dürfte den Tagesverlust verkraften.

Bemerkenswert ist die andere Richtung. Im Juni erreichte das Papier ein Hoch bei 637,51 Dollar. Davon ist der aktuelle Kurs rund die Hälfte entfernt. Ciena hat also innerhalb weniger Monate sowohl eine Verdreifachung als auch eine Halbierung hinter sich, ohne dass sich das operative Geschäft in eine der beiden Richtungen gedreht hätte.

Das Muster wiederholt sich zudem. Schon im Juni verlor die Aktie nach einem klaren Übertreffen der Erwartungen 13,66% an einem Tag. Wir halten das für die eigentliche Lehre. Bei einer solchen Bewertung genügt ein Quartal ohne positive Überraschung beim Ausblick, um einen zweistelligen Rückschlag auszulösen. Vor dem Bericht hatten bereits B. Riley und die Bank of America ihre Kursziele gesenkt.

Finanziell steht die Firma solide da. Im Quartal kaufte Ciena eigene Aktien für 172 Millionen Dollar zurück, unter dem laufenden Programm über eine Milliarde sind rund 665 Millionen abgerufen. Zusätzlich platzierte das Unternehmen eine Wandelanleihe über 2,9 Milliarden Dollar ohne Zinskupon.

Der Lieferengpass bestimmt 2027

Der nächste Bericht folgt im Dezember. Bis dahin richtet sich der Blick auf zwei Größen. Zum einen der Auftragsbestand, der die Marke von zehn Milliarden Dollar überschreiten soll. Zum anderen die Frage, ob sich die Beschaffung von Bauteilen entspannt.

Beim Produkt selbst gibt es Bewegung. Die steckbaren Module der Reihe WaveLogic 6 Nano haben ihre Auslieferung binnen eines Quartals mehr als verdoppelt. Dazu kam ein zweiter Auftrag im Bereich hochdichter photonischer Architekturen für KI-Anlagen. Anleger sollten außerdem verfolgen, ob Europa aus der Schwächephase herausfindet, denn dort schrumpfte das Geschäft zuletzt als einzige Region. Der Rückgang ging vor allem auf geringere Lieferungen an einen Cloudanbieter in den Niederlanden zurück.