Das fehlende Käferholz treibt die Fichte auf 133 Euro

Das fehlende Käferholz treibt die Fichte auf 133 Euro
Für das Leitsortiment Fichte in der Stärkeklasse 2b+ zahlen Sägewerke Anfang 2026 zwischen 129 und 133 Euro je Festmeter. In Einzelfällen werden bereits 135 Euro erreicht. Das ist nach Angaben von Waldbesitzern der höchste Stand seit 35 Jahren.
Gegenüber dem Vorjahr bekommen Eigentümer damit rund 25 bis 30 Euro mehr je Festmeter. Kiefer erzielt in vergleichbarer Qualität 95 bis 98 Euro. Für Käferholz werden inzwischen bis zu 112 Euro gezahlt.
Der Grund für diese Rallye klingt widersprüchlich. Der Markt ist knapp, weil zu wenig geschädigtes Holz anfällt. Genau dieses Schadholz hat in den vergangenen Jahren die Preise gedrückt und fehlt jetzt.
Für Waldbesitzer ist das eine Umkehrung der vergangenen Jahre. Zwischen 2018 und 2022 mussten viele ihr Käferholz zu Preisen abgeben, die kaum die Erntekosten deckten. Heute bieten Sägewerke aktiv, um überhaupt beliefert zu werden.

Das fehlende Schadholz ist der Auslöser
Nach Angaben der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft macht Schadholz normalerweise gut die Hälfte des gesamten Holzeinschlags aus. Diese Menge fällt derzeit weitgehend weg.
Die Zahlen zeigen den Umschwung deutlich. In den Jahren 2020 und 2021 wurden jeweils mehr als 80 Millionen Kubikmeter Rundholz eingeschlagen. Im Jahr 2024 waren es nur noch etwas mehr als 61 Millionen Kubikmeter. Das Schadholzaufkommen sank im selben Jahr um knapp 30 Prozent gegenüber 2023.
Die großen Käferholzmengen der Dürrejahre sind inzwischen aufgearbeitet, und neue kommen kaum nach. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie spricht von einer Rohstoffunterversorgung und warnte in einem offenen Brief vor einer existenziellen Krise der Sägeindustrie.
Für die Waldbesitzer kehrt sich damit ein jahrelanges Machtverhältnis um. Sägewerke bieten aktiv höhere Preise, um überhaupt Lieferungen zu bekommen. Der Markt unterscheidet inzwischen kaum noch zwischen Käferholz und unbeschädigtem Holz. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie knapp das Angebot tatsächlich ist.
Der Preiszyklus ist kürzer als die Wachstumszeit
Wer Holzpreise verstehen will, muss diesen Rhythmus kennen. Ein Sturm oder eine Käferwelle wirft binnen Wochen riesige Mengen auf den Markt. Die Preise brechen ein, weil das Holz schnell verarbeitet werden muss, bevor es an Qualität verliert.
Genau das war die Lage der Jahre nach 2018. Trockenheit und Borkenkäfer erzeugten ein Überangebot, das den Markt jahrelang belastete.
Danach folgt die Gegenbewegung. Die Bestände sind abgeräumt, frisches Holz fehlt, und die Preise steigen. Genau in dieser Phase befindet sich der deutsche Markt derzeit.
Ein Baum braucht dagegen 60 bis 120 Jahre bis zur Hiebreife. Der Preiszyklus ist also um ein Vielfaches kürzer als die Produktionszeit, was diesen Markt grundlegend von anderen unterscheidet.
Daraus ergibt sich für Waldbesitzer ein seltener Vorteil. Anders als Weizen oder Milch verdirbt Holz nicht, wenn man es stehen lässt. Es wächst weiter und legt sogar an Wert zu. Wer die Preise für zu niedrig hält, wartet einfach. Diese Option hat kein Landwirt und kein Rohstoffhändler.
Für Anleger ist das ein struktureller Unterschied zu praktisch jeder anderen Anlageklasse. Der Bestand ist gleichzeitig Lager und Produktion, und das Lager kostet nichts. Ein Rohstoff-ETC muss dagegen jedes Quartal rollen und verliert dabei Substanz.
Was von 133 Euro tatsächlich ankommt
Die genannten Preise verstehen sich frei Waldstraße. Das bedeutet, das Holz liegt bereits gefällt, entastet und abtransportbereit am Weg. Fällen und Rücken kosten Geld, und diese Erntekosten gehen vom Erlös ab.
Ein zweiter Punkt betrifft die Mengenschätzung. Bei der Bewertung eines Bestandes sind rund 20 Prozent Ernteverluste einzurechnen, etwa durch Kronen, Krümmungen und Faulstellen. Wer aus dem stehenden Vorrat einen Erlös hochrechnet, liegt regelmäßig zu hoch. Genau dieser Fehler führt bei Waldkäufen zu überhöhten Kaufpreisen.
Auch die Sortimente unterscheiden sich erheblich. Neben dem gut bezahlten Sägerundholz fällt bei jeder Ernte Industrie- und Palettenholz an, das kaum die Erntekosten deckt. Für Käferholz rechnen Sägewerke einen Abschlag von etwa 20 Euro je Festmeter, was angesichts der Knappheit historisch niedrig ist.
Regional schwanken die Werte ebenfalls. In Süddeutschland zahlen Sägewerke wegen der hohen Verarbeitungsdichte in der Regel mehr als im Norden. Transportentfernungen schlagen bei einem so schweren Rohstoff spürbar durch.
Wer den erzielbaren Erlös schätzen will, sollte deshalb regionale Holzmarktberichte heranziehen. Forstbetriebsgemeinschaften veröffentlichen diese regelmäßig, und ihre Zahlen liegen näher an der Realität als bundesweite Durchschnitte.
Was Waldbesitzer daraus machen können
Die aktuelle Lage eröffnet eine Gelegenheit, die über den reinen Erlös hinausgeht. Hohe Fichtenpreise machen es attraktiv, gefährdete Nadelholzbestände zu ernten und den Erlös in klimastabilen Mischwald zu investieren.
Damit löst man zwei Probleme gleichzeitig. Der Bestand wird verkauft, solange er noch gesund ist, und die Wiederaufforstung finanziert sich aus dem Ertrag statt aus der eigenen Tasche.
Steuerlich lohnt ein Blick auf Paragraf 34b Einkommensteuergesetz. Für außerordentliche Holznutzungen, etwa nach Sturm oder Käferbefall, sieht das Gesetz ermäßigte Steuersätze vor. Bei einer regulären Durchforstung greift diese Begünstigung nicht. Wer nach einem Sturmereignis erntet, sollte die Voraussetzungen prüfen lassen, weil der Unterschied im Steuersatz erheblich ausfällt.
Eine Warnung gehört dazu. Preise auf Rekordniveau sind keine neue Normalität. Der Markt hat in den vergangenen zehn Jahren mehrfach gezeigt, wie schnell ein einziges Sturmereignis die Lage dreht. Wer den kompletten Bestand aufgrund heutiger Preise einschlägt, wettet auf einen Zeitpunkt.
Für Anleger bleibt die Einordnung nüchtern. Ein breit gestreuter Aktien-ETF liefert laufende Erträge und ist täglich handelbar. Er verlangt außerdem keine Entscheidung darüber, welche Baumart in fünfzig Jahren noch gedeiht. Ein Wald liefert alle paar Jahre einen Erlös und verlangt Entscheidungen, die über Jahrzehnte wirken.
Praktisch heißt das, den Einschlag über mehrere Jahre zu verteilen. Wer jedes Jahr einen Teil erntet, trifft im Schnitt einen mittleren Preis und muss nicht auf den perfekten Zeitpunkt hoffen.
Die Regulierung ist der neue Unsicherheitsfaktor
Neben Wetter und Konjunktur rückt ein dritter Faktor in den Vordergrund. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie warnt vor den Folgen der europäischen Wiederherstellungsverordnung, konkret vor dem sogenannten Verschlechterungsverbot.
Wie streng diese Vorgaben in der Bewirtschaftung ausgelegt werden, ist derzeit offen. Für Waldbesitzer ist das eine relevante Unbekannte. Einschränkungen bei der Nutzung würden sich direkt im Wert eines Bestandes niederschlagen.
Beobachten lohnt daneben die Bauwirtschaft. Sie ist der wichtigste Abnehmer für Schnittholz. Eine anziehende Baukonjunktur würde die ohnehin knappe Versorgungslage weiter verschärfen und die Preise zusätzlich stützen.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
