Die Batterie im Modul hält keine dreißig Jahre durch

Die Batterie im Modul hält keine dreißig Jahre durch
In vielen Modulen älterer Konsolen steckt eine Knopfzelle. Sie versorgt den Speicherbaustein, in dem der Spielstand liegt, und war typischerweise auf zehn bis zwanzig Jahre Lebensdauer ausgelegt.
Rechnerisch sind damit fast alle Batterien in Spielen aus den Achtzigern und Neunzigern längst erschöpft. Betroffen sind vor allem Rollenspiele und Aufbautitel mit langen Spielzeiten. Bei manchen Modulen funktioniert das Spiel weiterhin, nur lässt sich kein Fortschritt mehr sichern. Bei anderen meldet die Konsole beim Start einen leeren Speicher. Der Spielstand von damals ist dann endgültig verloren.
Für Sammler ist das der häufigste altersbedingte Defekt überhaupt. Wer ein Modul kauft, sollte deshalb vor dem Preis die Frage klären, ob es überhaupt speichern kann. Bei gefragten Titeln macht dieser Unterschied zweistellige Prozentsätze aus.

Die Batterie lässt sich tauschen, aber nicht folgenlos
Technisch ist der Austausch machbar. Spezialisierte Fachbetriebe verlangen dafür einen kleinen zweistelligen Betrag, und wer selbst löten kann, kommt mit wenigen Euro Materialkosten aus.
Zwei Haken hat die Sache. Beim Öffnen des Moduls gehen alle vorhandenen Spielstände verloren, sofern sie nicht vorher gesichert werden. Für Sammler alter Spielstände ist das ein echter Verlust, denn manche Module tragen jahrzehntealte Fortschritte.
Der zweite Haken betrifft den Sammlerwert. Bei einem versiegelten oder bereits bewerteten Exemplar scheidet jeder Eingriff aus, weil er die Verpackung zerstört. Und auch bei losen Modulen bewerten manche Sammler eine geöffnete Einheit schlechter als eine im Originalzustand, selbst wenn der Eingriff fachgerecht erfolgte.
Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt, der sich nicht auflösen lässt. Wer die Funktion erhalten will, muss eingreifen. Wer den Originalzustand bewahren will, muss den Funktionsverlust hinnehmen. Beides gleichzeitig geht nicht.
Für Käufer folgt daraus eine praktische Empfehlung. Wer ein Modul erwirbt, sollte die Speicherfunktion vor dem Kauf testen oder den Preis entsprechend verhandeln. Bei Onlineangeboten gehört diese Frage in die Nachricht an den Verkäufer.
Optische Medien haben ein eigenes Problem
Bei Systemen mit Datenträgern aus den Neunzigern und frühen Zweitausendern tritt ein anderer Effekt auf. Fachleute sprechen von Datenträgerzerfall, im Englischen bekannt als Disc Rot.
Dabei oxidiert die reflektierende Schicht im Inneren der Scheibe, oder die Klebeschicht zwischen den Lagen löst sich. Beides macht Teile der Daten unlesbar, und rückgängig machen lässt sich das nicht.
Erkennen kann man beginnenden Zerfall mit einem einfachen Test. Hält man die Scheibe gegen eine Lichtquelle und sieht kleine durchsichtige Punkte, ist die Schicht bereits beschädigt. Kratzer auf der Unterseite sind dagegen ein anderes Thema. Sie lassen sich in vielen Fällen auspolieren, was den Datenträger wieder lesbar macht.
Vorbeugen funktioniert nur über die Lagerung. Trocken, dunkel und bei möglichst gleichbleibender Temperatur, dazu aufrecht stehend statt gestapelt. Liegen mehrere Hüllen aufeinander, verzieht sich der Kunststoff über Jahre und drückt auf die Scheibe.
Betroffen sind vor allem Scheiben aus den ersten Produktionsjahren, als die Fertigungsverfahren noch weniger ausgereift waren. Spätere Auflagen desselben Titels können deutlich stabiler sein, was bei einem Kauf relevant ist.
Kunststoff und Papier altern unterschiedlich
Die Gehäuse alter Konsolen und Module vergilben durch eine Reaktion der eingesetzten Flammschutzmittel mit Sauerstoff und Licht. Parallel verlieren viele Kunststoffe über die Jahrzehnte Weichmacher und werden spröde, was bei Steckverbindungen und Klappmechanismen zu Brüchen führt.
Papier hat eigene Feinde. Anleitungen und Kartons vergilben, und säurehaltiges Papier zersetzt sich von innen heraus. Feuchtigkeit wellt Kartons dauerhaft, und Aufkleber lösen sich entweder ab oder hinterlassen Rückstände, die den Aufdruck angreifen.
Die Zielwerte entsprechen denen aus dem Kunst- und Modebereich. Etwa 18 bis 22 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent, wobei Konstanz wichtiger ist als der genaue Wert.
Damit scheiden dieselben Orte aus wie bei jeder anderen Sammlung. Dachboden, Keller, Garage, Fensterbank und Heizungsnähe sind ungeeignet. Ausgerechnet dort landen die meisten Sammlungen, weil sie im Wohnraum keinen Platz finden.
Ein Detail betrifft die Hüllen selbst. Die früher verbreiteten Kunststoffboxen werden mit den Jahren brüchig, und gebrochene Scharniere sind ein häufiger Mangel. Ersatzhüllen gibt es für wenige Euro. Beim Verkauf mindern sie allerdings die Vollständigkeit, weshalb die Originalhülle auch beschädigt aufbewahrt gehört.
Was Sammler praktisch tun können
Fünf Maßnahmen decken den größten Teil des Risikos ab. Erstens dunkel und trocken lagern, idealerweise in einem Schrank an einer Innenwand. Zweitens aufrecht stehend statt gestapelt, damit Kartons und Hüllen ihre Form behalten.
Drittens Batterien aus Handhelds und Zubehör entfernen, wenn diese länger nicht genutzt werden. Ausgelaufene Zellen zerstören Platinen, und dieser Schaden ist meist irreparabel. Er entsteht schleichend und wird oft erst nach Jahren entdeckt. Viertens alle paar Jahre einen Funktionstest durchführen, denn ein Defekt fällt sonst erst beim Verkauf auf.
Fünftens Spielstände sichern, wo es technisch möglich ist. Für viele Systeme existieren Geräte, mit denen sich Speicherinhalte auf einen Computer übertragen lassen. Die Anschaffung kostet einen niedrigen zweistelligen Betrag und lohnt sich bei größeren Sammlungen.
Wirtschaftlich betrachtet lohnt sich dieser Aufwand deutlich. Ein defektes Spiel verliert einen erheblichen Teil seines Werts, und eine Reparatur kostet häufig mehr als der Preisunterschied zwischen funktionierender und defekter Ware.
Ein Punkt bleibt heikel. Die Digitalisierung eigener Datenträger zur Erhaltung wird in Sammlerkreisen viel diskutiert, ist urheberrechtlich aber ein eigenes Thema und keineswegs pauschal erlaubt.
Steuerlich ändert der Zustand nichts an der Einordnung. Ein Spiel aus dem eigenen Regal bleibt ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs. Ein gezielt als Anlage gekauftes Exemplar fällt dagegen unter die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz.
Für eine größere Sammlung lohnt eine einfache Übersicht. Eine Liste mit Titel, Zustand, letztem Funktionstest und dem Datum eines Batteriewechsels kostet wenig Aufwand. Beim Verkauf ist sie später bares Geld wert, weil Käufer solche Angaben honorieren.
Die Zeit arbeitet gegen jeden Datenträger
Genau darin unterscheidet sich dieses Segment von den meisten anderen Sachwerten. Eine Goldmünze sieht in hundert Jahren aus wie heute, ein Hektar Boden ebenso. Beide verlangen keine Pflege und keine Funktionstests.
Ein Datenträger dagegen altert unaufhaltsam, und keine Lagerung stoppt diesen Prozess vollständig. Sie verlangsamt ihn nur. Wer Retro-Spiele über Jahrzehnte hält, sollte deshalb einkalkulieren, dass ein Teil des Bestandes irgendwann nicht mehr funktioniert. Ausgerechnet die versiegelten Exemplare trifft das besonders. Ihr Zustand lässt sich nie prüfen, ohne genau das zu zerstören, was den Wert ausmacht.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
