Bei Konsolen entscheidet der Karton über den Preis

Blauer Nintendo Game Boy auf gelbem Hintergrund als Bezug zum Einfluss der Originalverpackung auf den Preis von Retro-Konsolen

Bei Konsolen entscheidet der Karton über den Preis

Gaming4 Min.17.08.2026

Bei Hardware gilt eine andere Logik als bei Spielen. Konsolen wurden in Millionenauflagen produziert, und das reine Gerät ist deshalb fast nie knapp. Ein loses NES ohne Zubehör bewegt sich je nach Zustand im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich. Millionen davon stehen noch auf Dachböden.

Knapp ist etwas anderes. Der Originalkarton mit vollständigem Inhalt hat die vergangenen vierzig Jahre in den seltensten Fällen überlebt, weil ihn kaum jemand aufbewahrt hat.

Entsprechend groß ist der Abstand nach oben. Ein versiegeltes NES-Deluxe-Set wird derzeit mit rund 120.000 Dollar als Spitzenwert geführt. Zwischen dem losen Gerät und diesem Wert liegt praktisch ausschließlich die Verpackung. Der Karton ist damit teurer als alles, was drinsteckt.

Vollständigkeit ist der wichtigste Faktor

In der Szene kürzt man das mit CIB ab, was für complete in box steht. Gemeint ist ein Set, bei dem tatsächlich alles vorhanden ist.

Dazu gehört mehr, als die meisten erwarten. Neben Konsole und Controllern zählen das originale Netzteil, das passende Videokabel oder die Antennenweiche, die Bedienungsanleitung, sämtliche Beipackzettel und bei Bundles das mitgelieferte Spiel.

Der am häufigsten fehlende Bestandteil ist die Styroporeinlage. Sie wurde beim Auspacken fast immer weggeworfen, obwohl sie den Karton stabilisiert und ohne sie kein Set als vollständig gilt. Ihr Fehlen kostet einen erheblichen Teil des Aufschlags, obwohl sie technisch keinerlei Funktion hat.

Ähnlich verhält es sich mit Beipackzetteln und Garantiekarten. Diese Papiere wirken belanglos und sind genau deshalb selten. Sammler prüfen sie als Erstes, weil sie zeigen, wie sorgfältig ein Set behandelt wurde.

Für Käufer folgt daraus eine praktische Regel. Vor dem Kauf lohnt ein Abgleich mit einer Referenzliste, welche Bestandteile zum jeweiligen Set gehören. Verkäufer wissen das oft selbst nicht, weil sie den Karton nie vollständig gesehen haben.

Der Zustand hat mehrere Ebenen

Bei Kunststoffgehäusen aus den Achtzigern und Neunzigern tritt ein bekanntes Alterungsphänomen auf. Die zur Flammhemmung eingesetzten Verbindungen reagieren mit Sauerstoff und Licht, wodurch sich der ursprünglich hellgraue Kunststoff gelblich bis bräunlich verfärbt.

Rückgängig machen lässt sich das mit chemischer Behandlung, was unter Sammlern allerdings umstritten ist. Bewertungsdienste stufen solche Eingriffe in der Regel als Veränderung ein, was dem Wert schadet. Zudem kehrt die Verfärbung nach einigen Jahren häufig zurück. Vorbeugen ist deshalb sinnvoller als reparieren. Praktisch heißt das dunkle Lagerung und keine dauerhafte Aufstellung am Fenster.

Die zweite Ebene betrifft die Technik. Geprüft gehören Funktionsfähigkeit, Zustand des Batteriefachs bei Handhelds, Kratzer im Gehäuse und Rückstände von Aufklebern.

Hier gilt eine Regel, die viele unterschätzen. Ein optisch makelloses, aber defektes Gerät ist kein Sammlerstück, sondern Dekoration. Die meisten Käufer wollen die Konsole tatsächlich anschließen können. Genau darin unterscheidet sich Hardware von versiegelter Software.

Eine dritte Ebene betrifft die Originalität. Ausgetauschte Controller, fremde Netzteile oder nachträglich eingebaute Modifikationen mindern den Sammlerwert, auch wenn sie technisch sinnvoll sind. Wer umbaut, sollte Originalteile aufbewahren.

Nicht jede Konsole ist gleich gefragt

Die Auflagenhöhe entscheidet über die Knappheit. Weit verbreitete Systeme wie die PlayStation 2, die über 150 Millionen Mal verkauft wurde, sind praktisch nie selten, egal wie gut der Zustand ist.

Gefragt sind kurzlebige Systeme, die sich am Markt nicht durchsetzen konnten. Genau ihr kommerzieller Misserfolg macht sie heute selten. Dazu kommen regionale Sondervarianten sowie limitierte Editionen mit besonderer Gehäusefarbe oder Aufdruck. Solche Auflagen lagen oft nur im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Für deutsche Sammler ist die Regionalfrage besonders relevant. PAL-Versionen sind hierzulande gängig und entsprechend günstig, in den USA dagegen selten. Umgekehrt zahlen europäische Sammler Aufschläge für amerikanische oder japanische Varianten, die dort im Regal stehen.

Wer strategisch sammelt, kann diesen Unterschied nutzen. Der Verkauf ins Ausland bringt bei bestimmten Modellen deutlich mehr. Dem stehen Versand, Zoll und ein reales Transportrisiko gegenüber, und ein beschädigter Karton ist der Totalschaden.

Auch Handhelds bilden ein eigenes Segment. Sie wurden intensiv genutzt und unterwegs getragen, weshalb Geräte in gutem Zustand seltener sind als bei stationären Systemen. Vollständige Sets mit Karton sind dort besonders schwer zu finden und erzielen entsprechende Aufschläge.

Was Sammler praktisch beachten müssen

Der erste Punkt klingt banal und ist der wichtigste. Konsolensammlungen brauchen Platz. Anders als bei Karten oder Spielen füllt ein Dutzend Systeme samt Kartons bereits ein Regal. Und ausgerechnet die Kartons sind das Wertvolle, weshalb Platz sparen keine Option ist.

Bei der Lagerung gelten dieselben Regeln wie bei Papier. Dunkel, trocken, temperaturstabil und aufrecht stehend. Feuchtigkeit wellt die Pappe, Sonnenlicht bleicht Aufdrucke aus, und ein Knick im Karton kostet einen zweistelligen Prozentsatz.

Auf der technischen Seite altert mehr, als man sieht. Netzteile fallen aus, Kondensatoren verlieren ihre Funktion, und Speicherbatterien in Modulen und Handhelds können auslaufen und dabei Platinen zerstören. Wer Geräte über Jahre lagert, sollte sie gelegentlich prüfen und Batterien vorsorglich entfernen.

Beim Kauf aus dem Ausland kommen zwei Fallen dazu. Amerikanische Geräte laufen mit anderer Netzspannung und brauchen einen Transformator, und bei der Einfuhr fallen Zoll sowie Einfuhrumsatzsteuer an. Beides gehört in die Kalkulation, bevor jemand bei einem vermeintlichen Schnäppchen zuschlägt.

Steuerlich stellt sich die bekannte Frage. Eine Konsole aus der eigenen Jugend gilt als Gegenstand des täglichen Gebrauchs und ist beim Verkauf steuerfrei. Ein gezielt zur Wertsteigerung erworbenes versiegeltes Set fällt unter die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz.

Aus unserer Sicht ist Hardware das ehrlichere Segment dieser Kategorie. Wer eine Konsole kauft, kann sie anschließen und benutzen, ohne dabei Wert zu vernichten. Ein versiegeltes Spiel liefert dagegen ausschließlich die Hoffnung auf einen späteren Käufer.

Ein Vergleich mit dem Depot ordnet den Aufwand ein. Ein breit gestreuter Aktien-ETF braucht keinen Regalmeter, keine Spannungsprüfung und keine Kondensatoren. Dafür kann man ihn auch nicht anschließen und damit spielen.

Die Ersatzteillage wird zum Thema

Je älter die Geräte, desto schwieriger wird die Instandhaltung. Originalteile sind nur noch über Schlachtgeräte verfügbar, was den Bestand funktionsfähiger Konsolen langsam verkleinert.

Gegenläufig wirkt eine aktive Reparaturszene. Für viele Systeme existieren inzwischen Nachbauten von Netzteilen, Kondensatorsätzen und Bildschirmen. Manche Anbieter fertigen sogar komplette Gehäuse neu. Wer eine Sammlung aufbaut, sollte prüfen, ob es für die gewählten Systeme eine solche Versorgung gibt. Ohne sie wird aus einem Sammelstück irgendwann ein reines Ausstellungsobjekt. Genau das mindert langfristig den Kreis möglicher Käufer erheblich.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.