Ein loses Modul bringt ein Viertel des Komplettpreises

Ein loses Modul bringt ein Viertel des Komplettpreises
Im Handel mit Retro-Spielen hat sich eine erstaunlich stabile Preisstaffel etabliert. Sie funktioniert über Plattformen und Systeme hinweg ähnlich und lässt sich in fünf Stufen beschreiben, die jeder Sammler kennen sollte.
Ein loser Datenträger ohne Verpackung erzielt 25 bis 40 Prozent des Komplettpreises. Kommt die Originalhülle dazu, aber ohne Anleitung, sind es 55 bis 65 Prozent. Der vollständige Zustand mit Datenträger, Hülle und Anleitung bildet mit 100 Prozent den Referenzwert, auf den sich alle anderen Angaben beziehen.
Nach oben geht es weiter. Sind sämtliche Beilagen vorhanden, liegt der Wert bei 120 bis 140 Prozent. Bei ungeöffneter Originalverschweißung sind je nach Nachfrage 400 bis 800 Prozent und mehr möglich.

Komplett ist der Referenzwert, nicht lose
Ein verbreiteter Fehler entsteht beim Vergleich von Preisangaben. Datenbanken nennen als Standardwert fast immer den Preis für ein vollständiges Exemplar, im Handel als CIB für complete in box bezeichnet.
Wer den eigenen losen Datenträger mit dieser Zahl vergleicht, überschätzt seinen Bestand um den Faktor drei bis vier. Umgekehrt wirkt ein Angebot für ein vollständiges Spiel überteuert, wenn man es gedanklich gegen lose Ware hält. Beide Fehler passieren regelmäßig.
Zur Vollständigkeit gehört mehr als Modul und Karton. Erforderlich sind zusätzlich die Bedienungsanleitung, sämtliche Beipackzettel und bei Kartonverpackungen die passende Einlage, die den Inhalt an Ort und Stelle hält.
Genau diese Einlage fehlt am häufigsten. Sie wurde beim Auspacken fast immer entsorgt, weil sie wie Verpackungsmüll aussieht. Genau deshalb ist sie heute der teuerste Bestandteil vieler Sets.
Bei Systemen mit Kunststoffhüllen gilt eine eigene Besonderheit. Dort zählt der Zustand der Hülle selbst mit, denn gebrochene Scharniere oder Risse mindern den Wert spürbar, obwohl der Datenträger unbeschädigt ist.
Der Aufschlag für Beilagen wird unterschätzt
Die Stufe über CIB kennen viele Sammler gar nicht. Zahlreiche Spiele wurden mit zusätzlichen Materialien ausgeliefert, etwa Landkarten, Postern, Registrierungskarten, Aufklebern oder bei Sonderausgaben einem Soundtrack.
Diese Beilagen erhöhen den Wert auf 120 bis 140 Prozent des normalen Komplettpreises. Der Grund liegt auf der Hand, denn ausgerechnet solche Papiere wurden fast immer weggeworfen oder gingen im Kinderzimmer verloren.
Besonders knifflig wird es bei Systemen mit mehreren Datenträgern. Aufwendige Produktionen erschienen teilweise auf zwei oder drei Discs, und ein vollständiges Set verlangt alle davon in passendem Zustand.
Wer eine Sammlung aufbaut, sollte deshalb vor dem Kauf nachschlagen, was zum jeweiligen Titel überhaupt gehört. Diese Information findet sich in Sammlerdatenbanken und ist kostenlos. Ohne sie kauft man ein vermeintlich vollständiges Exemplar, dem zwei Beilagen fehlen.
Wichtig ist außerdem die Passgenauigkeit. Beilagen müssen zur konkreten Länderfassung gehören, denn eine deutsche Anleitung in einer britischen Hülle gilt als unvollständig und nicht als komplett.
Versiegelt ist eine eigene Kategorie
Der Sprung auf 400 bis 800 Prozent klingt zunächst nach einem Widerspruch. Marktauswertungen nennen für versiegelte Ware üblicherweise einen Aufschlag von 40 bis 50 Prozent gegenüber geöffneten Exemplaren.
Beide Angaben stimmen und beschreiben Unterschiedliches. Die 40 bis 50 Prozent sind ein Durchschnitt über den gesamten Markt, also über alle Titel hinweg. Die 400 bis 800 Prozent gelten für gesuchte Spiele mit echter Nachfrage.
Der Unterschied erklärt sich aus der Knappheit. Bei einem gefragten Klassiker existieren nur noch wenige ungeöffnete Exemplare, was den Preis in die Höhe treibt. Bei einem gewöhnlichen Titel interessiert die Folie schlicht niemanden, weil das Spiel jederzeit vollständig verfügbar ist.
Daraus folgt eine wichtige Regel für Einsteiger. Ein versiegeltes Spiel ohne Nachfrage ist kein Anlageobjekt, sondern ein normales Spiel mit Folie darum. Wer den Aufschlag zahlt, sollte vorher prüfen, ob der Titel überhaupt gesucht wird. Die Verkaufshistorie auf den Plattformen beantwortet das in wenigen Minuten.
Was Sammler daraus praktisch machen
Für die eigene Strategie ergibt sich aus der Staffel eine klare Aufteilung. Wer spielen möchte, kauft lose und zahlt ein Viertel bis ein Drittel. Der Spielspaß ist identisch, das Modul funktioniert gleich gut. Für den reinen Gebrauch ist alles darüber verschenktes Geld.
Wer sammelt, fährt mit vollständigen Exemplaren am besten und hat zugleich die größte Auswahl. Preis und Verfügbarkeit stehen dort im günstigsten Verhältnis, und dieser Zustand ist der eigentliche Standard des Marktes.
Wer versiegelte Ware kauft, betritt ein Anlagesegment mit allen bekannten Nachteilen. Das Objekt ist unbenutzbar, die Preisbildung hängt an wenigen Abschlüssen, und der Zustand lässt sich ohne Bewertungsdienst kaum belegen.
Bei den Details entscheiden Kleinigkeiten. Aufkleber ehemaliger Videotheken mindern den Wert erheblich und lassen sich meist nicht rückstandsfrei entfernen. Ein Entfernungsversuch macht es in der Regel schlimmer. Verblasste Farben durch Sonneneinstrahlung sind endgültig und betreffen besonders rote Verpackungsflächen. Bei Modulen zählt der Zustand des Etiketts. Bei Speichermodulen kommt die Frage hinzu, ob die eingebaute Batterie noch funktioniert oder Spielstände bereits verloren gehen.
Ein praktischer Hebel wird oft übersehen. Eine fehlende Anleitung lässt sich einzeln nachkaufen, häufig für einen kleinen zweistelligen Betrag. Der Sprung von 55 bis 65 Prozent auf den vollen Referenzwert ist damit für wenig Geld zu haben. Bei einem Spiel für 200 Euro rechnet sich das sofort.
Steuerlich gilt die bekannte Unterscheidung. Ein Spiel aus dem eigenen Regal ist ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs und beim Verkauf steuerfrei. Ein gezielt als Anlage gekauftes versiegeltes Exemplar fällt unter die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz.
Verglichen mit einem breit gestreuten Aktien-ETF bleibt der Aufwand hoch. Prüfen, lagern, fotografieren, versenden und im Zweifel jahrelang warten, bis sich ein Käufer findet. Ein Wertpapier erledigt das alles nicht.
Aus unserer Sicht liegt der beste Kompromiss bei vollständigen Exemplaren. Man kann sie spielen, sie sind deutlich häufiger verfügbar als versiegelte Ware, und der Markt dafür ist am tiefsten. Verkaufen lässt sich ein solches Exemplar praktisch immer.
Vollständigkeit lässt sich nachträglich herstellen
Für Anleitungen, Einlagen und Beipackzettel existiert ein eigener Markt. Wer geduldig sucht, kann ein unvollständiges Exemplar über Monate hinweg vervollständigen. Der dabei erzielte Wertsprung übersteigt die Kosten der Einzelteile deutlich.
Zwei Dinge gehören dazu. Die nachgekauften Teile müssen zur richtigen Länderfassung passen, denn eine deutsche Anleitung gehört nicht in eine französische Hülle. Und beim Weiterverkauf gehört offengelegt, dass es sich um ein zusammengesetztes Exemplar handelt. Sammler merken das ohnehin, und Ehrlichkeit erspart die Rückabwicklung. Ein zusammengesetztes Exemplar ist völlig legitim, solange es als solches verkauft wird.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
