Ein Basquiat brachte Anlegern 6,3 Prozent im Jahr

Besucher vor gerahmten Ölgemälden alter Meister in einem abgedunkelten Museumssaal im Zusammenhang mit Renditen am Kunstmarkt

Ein Basquiat brachte Anlegern 6,3 Prozent im Jahr

Kunst4 Min.17.08.2026

Im Jahr 2024 verkaufte die Plattform Masterworks ein Gemälde von Jean-Michel Basquiat für 8 Millionen Dollar. Gehalten hatte sie es 1.398 Tage, also gut 3,8 Jahre. Für die Anleger blieb nach allen Gebühren eine annualisierte Rendite von 6,3 Prozent.

Auf 10.000 Dollar Einsatz entspricht das rund 2.600 Dollar Gewinn über fast vier Jahre. Zur Einordnung lohnt der Blick auf die Alternative im selben Zeitraum, denn amerikanische Geldmarktfonds warfen damals rund 5 Prozent ab, ohne jedes Marktrisiko.

Genau solche Einzelbeispiele sind aussagekräftiger als Durchschnittsangaben. Sie zeigen, was von einer Wertsteigerung nach Kosten tatsächlich beim Anleger ankommt. Genau diese Rechnung fehlt in den meisten Werbeauftritten dieser Branche.

Wie das Modell funktioniert

Das Prinzip ist bei allen Anbietern ähnlich. Die Plattform kauft ein Kunstwerk, gründet dafür eine eigene Gesellschaft und gibt Anteile daran aus. Anleger erwerben also kein Miteigentum am Bild, sondern ein Wertpapier auf diese Gesellschaft.

Masterworks aus New York ist der größte Anbieter dieser Art und arbeitet seit 2017. Nach Auswertungen von Branchendiensten hat das Unternehmen rund 1,12 Milliarden Dollar über 290 Einzelangebote eingesammelt. Die Mindestanlage beginnt bei 500 Dollar. Die Werke lagern klimatisiert und sind über Lloyd's of London versichert, was den Aufwand einer eigenen Verwahrung erspart.

Im deutschsprachigen Raum treten unter anderem arttrade, Finexity, Timeless und Artemundi mit vergleichbaren Modellen an. Einen anderen Weg geht ARTEX aus Liechtenstein. Dort wird für jedes Kunstwerk eine eigene Aktiengesellschaft gegründet, deren Aktien über einen Börsengang zu einem Ausgabepreis von 100 Euro notiert werden.

Der Unterschied ist für Anleger relevant. Bei einem Börsenmodell entsteht ein laufender Kurs, an dem sich der Wert eines Anteils ablesen lässt. Bei den übrigen Anbietern existiert dieser Kurs nicht.

Bemerkenswert an diesem Ansatz ist der Verzicht auf Blockchain. ARTEX nutzt die klassischen Mechanismen von Clearing und Abwicklung, wie sie auch bei Aktien zum Einsatz kommen.

Für Anleger ist die Rechtsform entscheidend. Wer Anteile hält, besitzt kein Bild, sondern einen Anspruch gegen eine Gesellschaft. Bei deren Insolvenz zählt die konkrete Konstruktion, und diese Frage gehört in die Emissionsunterlagen und nicht in den Werbetext.

Die Gebühren sind der eigentliche Gegner

Bei Masterworks fallen laut Anbieterangaben 1,5 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr an, die in Anteilen beglichen wird. Beim Verkauf kommen 20 Prozent des Gewinns hinzu. Seit 2026 sind zusätzlich Beratungsgebühren von bis zu 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens dokumentiert.

Die projizierte Haltedauer liegt bei drei bis zehn Jahren. Über acht Jahre summiert sich allein die Verwaltungsgebühr auf rund 12 Prozent des Einsatzes, bevor überhaupt eine Erfolgsbeteiligung greift.

Rechnen wir das am Basquiat nach. Damit nach Kosten 6,3 Prozent jährlich übrig bleiben, muss das Werk selbst deutlich stärker gestiegen sein. Die Differenz zwischen Bruttowertsteigerung und Nettorendite ist genau das, was die Gebührenstruktur kostet.

Für Anleger heißt das, jede beworbene Wertsteigerung zuerst um diese Positionen zu bereinigen. Erst danach lässt sich vergleichen, ob sich der Aufwand gegenüber einem breit gestreuten Aktien-ETF gelohnt hätte. Dieser kostet unter 0,2 Prozent im Jahr und kennt keine Erfolgsbeteiligung.

Die Renditezahlen haben ein bekanntes Problem

Masterworks weist inzwischen 29 abgeschlossene Verkäufe aus, davon 22 über Pflichtmeldungen bei der amerikanischen Börsenaufsicht belegt. Die durchschnittliche interne Rendite dieser Exits liegt bei 21,6 Prozent, der Median bei 17,0 Prozent. Die Spanne reicht von 4,1 bis 77,3 Prozent.

Diese Zahlen klingen stark und verdienen zwei Einschränkungen. Zum einen stehen 29 Verkäufe rund 290 Einzelangeboten gegenüber. Ein Exit findet statt, wenn sich ein Werk verkaufen lässt, während Objekte ohne Käufer im Bestand bleiben und in der Statistik fehlen.

Zum anderen liegt der Median deutlich unter dem Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass wenige starke Ausreißer den Mittelwert nach oben ziehen, während der typische Verkauf schwächer ausfällt. Ein einzelner Verkauf nach 259 Tagen mit 77,3 Prozent hebt jede Durchschnittsrechnung. Der Median ist deshalb die aussagekräftigere Zahl.

Dieselbe Überlebensverzerrung kennen wir bereits aus den Renditestudien zu LEGO und von Plattformen für Uhren und Autos. Wer solche Zahlen liest, sollte immer nach dem Verhältnis von abgeschlossenen zu laufenden Angeboten fragen.

Ein weiterer Punkt betrifft die Bewertung während der Haltedauer. Solange ein Werk nicht verkauft ist, existiert kein Marktpreis für die Anteile. Angezeigte Werte beruhen auf Schätzungen der Plattform selbst, die ein Interesse an guten Zahlen hat.

Der Ausstieg ist die offene Flanke

Hier liegt derzeit das konkreteste Risiko. Der interne Zweitmarkt von Masterworks läuft über einen externen Partner, und diese Vereinbarungen enden nach Branchenberichten um den 14. Dezember 2026. Ein Ersatzmechanismus ist bislang nicht bestätigt.

Ohne funktionierenden Zweitmarkt bleibt Anlegern nur, auf den Verkauf des Werks zu warten. Den Zeitpunkt bestimmt die Plattform, nicht der Anteilseigner. Wer das Geld früher braucht, hat keinen Hebel. Bei einer Haltedauer von bis zu zehn Jahren ist das eine erhebliche Bindung.

Für deutsche Anleger kommt eine praktische Hürde hinzu. Amerikanische Angebote dieser Art sind hierzulande häufig gar nicht zugänglich, und wo sie es sind, treten Quellensteuer und zusätzliche Meldepflichten auf den Plan. Bei europäischen Anbietern hängt die steuerliche Behandlung an der konkreten Konstruktion und gehört vorab geklärt.

Fair bleibt die andere Seite der Rechnung. Diese Plattformen lösen reale Probleme. Sie übernehmen Auswahl, Ankauf, Lagerung, Versicherung und Verkauf. Damit ermöglichen sie Einsätze, die für ein Millionenwerk niemals reichen würden, und ersparen jede eigene Marktkenntnis.

Aus unserer Sicht taugt das als kleine, bewusst experimentelle Position für Menschen, die den Kunstmarkt ohnehin verfolgen. Als Baustein für den Vermögensaufbau überzeugt es nicht, solange ein Basquiat nach vier Jahren knapp über dem Geldmarktzins landet.

Ohne Zweitmarkt wird es unbequem

Die kommenden Monate liefern einen echten Test. Ob und wie der Handel mit bestehenden Anteilen weitergeht, entscheidet darüber, ob dieses Modell für Privatanleger überhaupt praktikabel bleibt.

Für den Markt insgesamt gilt dasselbe. Nur wenige dieser Plattformen haben bislang einen vollständigen Zyklus aus Ankauf, Halten und Verkauf mehrfach durchlaufen.

Wer bereits investiert ist, sollte die Mitteilungen des Anbieters aufmerksam lesen. Wer noch überlegt, kann diese Klärung in Ruhe abwarten. Eine Anlage mit zehn Jahren Bindung läuft niemandem davon.

Beobachten lohnt außerdem eine einfache Kennzahl. Wie viele Werke werden pro Jahr tatsächlich verkauft, gemessen am Gesamtbestand. Solange 29 Exits über 290 Angeboten stehen, ist die Erfolgsbilanz eine Momentaufnahme und keine Statistik.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.