Zwischen Rekord eins und zwei liegen 214 Millionen Dollar

Person von hinten vor drei gerahmten Gemälden an einer grauen Galeriewand im Zusammenhang mit Rekordpreisen am Kunstmarkt

Zwischen Rekord eins und zwei liegen 214 Millionen Dollar

Kunst4 Min.17.08.2026

Das teuerste je bei einer Auktion verkaufte Gemälde ist seit November 2017 der Salvator Mundi, der Leonardo da Vinci zugeschrieben wird. Christie's schlug ihn in New York für 450,3 Millionen Dollar zu.

Auf Platz zwei folgt seit dem 18. November 2025 ein Klimt. Das Bildnis Elisabeth Lederer erzielte bei Sotheby's in New York 236,4 Millionen Dollar. Zwischen beiden Werken liegen damit fast 214 Millionen.

Dieser Abstand ist die eigentliche Nachricht. Er zeigt, wie dünn die Spitze dieses Marktes besetzt ist. Ein einzelnes Werk kann die gesamte Rangliste verschieben, und zwischen Platz eins und Platz zehn liegt der Faktor drei.

Der Klimt-Rekord vom November 2025

Gustav Klimt malte das Porträt zwischen 1914 und 1916. Es zeigt die Tochter des Wiener Industriellenehepaars August und Serena Lederer, das den Maler über Jahre förderte.

Sotheby's hatte den Wert vorab auf rund 150 Millionen Dollar geschätzt. Die Gebotsabgabe startete bei 130 Millionen, danach lieferten sich sechs Bieter fast 20 Minuten lang ein Duell. Der Hammer fiel bei 205 Millionen Dollar, mit Aufgeld ergaben sich 236,4 Millionen. Ein Telefonbieter setzte sich durch, der Käufer blieb anonym. Anonymität ist in diesem Segment die Regel und nicht die Ausnahme.

Damit ist das Werk das teuerste je versteigerte moderne Kunstwerk, das teuerste Klimt-Gemälde und der höchste Zuschlag in der Unternehmensgeschichte von Sotheby's.

Das Bild stammte aus der Sammlung von Leonard A. Lauder, dem im Juni 2025 verstorbenen Erben des Kosmetikkonzerns Estée Lauder. Er hatte es jahrzehntelang gehalten und nur als Leihgabe gezeigt. Zuvor war das Bild bis 1983 im Besitz von Elisabeths Bruder Erich Lederer gewesen. Aus seinem Nachlass brachten die Herbstauktionen insgesamt 527,5 Millionen Dollar.

Die Rangliste liest sich wie ein Kanon

Hinter den beiden Spitzenreitern folgt Andy Warhols Shot Sage Blue Marilyn mit 195 Millionen Dollar aus dem Jahr 2022. Danach kommt Picassos Les femmes d'Alger mit 179,4 Millionen und Modiglianis Nu couché mit 170,4 Millionen, beide aus dem Jahr 2015.

Eine zweite Fassung desselben Modigliani-Motivs brachte 2018 rund 157 Millionen Dollar. Es folgen Seurats Les Poseuses mit 149,2 Millionen aus dem Jahr 2022. Francis Bacons Three Studies of Lucian Freud brachten 2013 rund 142,4 Millionen. Jackson Pollocks No. 5 wechselte bereits 2006 in einem Privatverkauf für rund 140 Millionen den Besitzer.

Auffällig ist die Zusammensetzung. Fast ausschließlich westliche Moderne und fast ausschließlich männliche Künstler. Die meisten Werke stammen zudem aus wenigen großen Privatsammlungen, die nach dem Tod des Eigentümers aufgelöst wurden.

Der historische Vergleich ordnet die Größenordnung ein. Im Jahr 1980 lag der höchste bekannte Auktionspreis bei 6,4 Millionen Dollar. Sechs Jahre später waren es 11 Millionen. Erst im Mai 2017 überschritt mit einem Basquiat erstmals ein nach 1980 entstandenes Gemälde die Marke von 100 Millionen Dollar.

Zeitgenössische Kunst spielt in dieser Liga bislang kaum eine Rolle. Die Spitzenpreise entstehen bei Werken, deren Künstler seit Jahrzehnten tot sind und deren Bestand sich nicht mehr vergrößern kann. Genau diese Endlichkeit ist Teil der Preisbildung.

Der Salvator Mundi bleibt der Sonderfall

Kein Werk der Liste hat eine so unwahrscheinliche Geschichte. Im Jahr 2005 erwarb ein New Yorker Kunsthändler die Tafel für 1.175 Dollar. Danach folgten Jahre der Restaurierung und der Zuschreibungsforschung.

Zwölf Jahre später fiel der Hammer bei 450,3 Millionen Dollar. Berichten zufolge erwarb der saudische Kronprinz das Bild über einen Mittelsmann. Die Zuschreibung an Leonardo selbst ist unter Fachleuten bis heute umstritten, und über den heutigen Standort gibt es widersprüchliche Angaben.

Genau das macht den Fall lehrreich. Bei diesen Summen zahlt niemand für messbare Eigenschaften eines Objekts. Bezahlt werden Zuschreibung, Seltenheit und eine Erzählung. Alle drei können sich ändern, und ein neues Gutachten kann einen dreistelligen Millionenbetrag bewegen.

Auch die Verteilung über die Jahre ist ungleich. Von den zehn höchsten Zuschlägen fallen allein drei in das Jahr 2015 und zwei in das Jahr 2022. Solche Häufungen entstehen, wenn mehrere große Sammlungen in kurzer Folge auf den Markt kommen.

Was diese Zahlen Anlegern sagen und was nicht

Die wichtigste Einordnung zuerst. Diese Preise sind keine Marktrendite. Der gesamte weltweite Kunstmarkt kam 2025 nach dem Art Basel und UBS Global Art Market Report auf rund 59,6 Milliarden Dollar. Ein einziges Bild machte davon knapp 0,4 Prozent aus.

Solche Zuschläge entstehen bei Werken, die vielleicht einmal in einer Generation auf den Markt kommen. Sie sagen wenig darüber aus, was jemand für ein Werk der zweiten oder dritten Reihe erlöst.

Für Privatanleger zählt die andere Seite der Rechnung. Auf den Hammerpreis kommt ein Aufgeld, beim Klimt lagen zwischen Zuschlag und Endpreis rund 15 Prozent. Beim späteren Verkauf fällt erneut eine Kommission an. Ein Werk muss also deutlich im Wert steigen, bevor überhaupt der Einstand erreicht ist.

Ein zweiter Punkt betrifft die Sichtbarkeit. Veröffentlicht werden fast nur erfolgreiche Zuschläge. Werke, die ihr Limit nicht erreichen und unverkauft bleiben, tauchen in keiner Bestenliste auf. Wer aus Rekordmeldungen auf die Marktlage schließt, sieht damit systematisch nur die Gewinner.

Dazu kommen Provenienz und Echtheit als eigenes Risiko, sowie die Frage, ob sich in fünf Jahren überhaupt ein Käufer findet. Der Salvator-Mundi-Fall zeigt, wie sehr eine einzelne Zuschreibung den Wert bestimmt.

Steuerlich ist Deutschland immerhin freundlich. Nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz sind Gewinne aus dem privaten Verkauf steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Ein breit gestreuter Aktien-ETF lässt sich dafür an jedem Handelstag verkaufen und zahlt Dividenden, während ein Gemälde an der Wand hängt und Versicherung kostet.

Die Herbstauktionen setzen die nächste Marke

Im November stehen die großen Abendauktionen in New York an, traditionell der wichtigste Termin des Jahres. Ob erneut ein Werk in dieser Größenordnung angeboten wird, hängt vor allem davon ab, welche Sammlungen auf den Markt kommen.

Genau darin liegt die Besonderheit dieses Segments. Angebot entsteht nicht durch Produktion, sondern durch Erbfälle, Scheidungen und Liquiditätsbedarf. Wer den Markt beobachten will, achtet deshalb weniger auf Preisindizes als darauf, welche Sammlung als Nächstes aufgelöst wird.

Für Einsteiger hat das eine beruhigende Kehrseite. Die Rekorde spielen sich in einem Markt ab, mit dem ein Privatanleger ohnehin nie in Berührung kommt. Wer sich für Kunst interessiert, findet den Einstieg mehrere Größenordnungen darunter.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.