Kunst korreliert zu 0,88 mit dem amerikanischen Aktienmarkt

Kunst korreliert zu 0,88 mit dem amerikanischen Aktienmarkt
Das häufigste Argument für Kunst im Depot lautet Diversifikation. Kunst laufe anders als Aktien und stabilisiere deshalb ein Portfolio. Die Zahlen des größten Kunstindexanbieters stützen das nur eingeschränkt.
Artprice beziffert die Korrelation zwischen dem eigenen Blue-Chip-Index und dem S&P 500 für den Zeitraum ab dem Jahr 2000 auf 0,88. Seit 2010 liegt der Wert sogar bei 0,91. Beide Märkte bewegen sich also weitgehend im Gleichschritt.
Vollständig ist dieses Bild trotzdem nicht. Im Jahr 2024 verlor der Artprice100 8,3 Prozent, während der S&P 500 um 24 Prozent zulegte. Kurzfristig laufen die Märkte durchaus auseinander. Langfristig folgen beide derselben Liquidität, denn Kunst wird von Menschen gekauft, deren Vermögen an den Börsen entsteht.

Die Renditeerwartung liegt bei 4 bis 5 Prozent
Wissenschaftliche Untersuchungen auf Basis wiederholter Verkäufe kommen über sehr lange Zeiträume auf reale Renditen von etwa 4 bis 5 Prozent im Jahr. Hedonische Verfahren, die einzelne Werkmerkmale bewerten, ermitteln für den Zeitraum 1951 bis 2007 rund 4 Prozent.
Diese Werte liegen in der Größenordnung von Anleihen und deutlich unter dem, was ein breit gestreuter Aktienindex historisch geliefert hat. Sie stammen zudem aus Daten, die durch Überlebens- und Auswahlverzerrung eher zu gut ausfallen.
Ein Befund lohnt besondere Beachtung. Der sogenannte Masterpiece-Effekt ist negativ, teure Spitzenwerke schneiden also schlechter ab als der breite Markt. Wer nach Rekordschlagzeilen kauft, kauft nach dieser Forschung die schwächere Kategorie.
Das laufende Jahrzehnt bestätigt das Bild. Der Artprice100 legte 2025 um 11,2 Prozent zu und blieb damit hinter dem S&P 500 mit 17 Prozent zurück.
Ein Vergleich hilft bei der Einordnung. Wer über zehn Jahre eine reale Rendite von 4 Prozent erzielt, verdoppelt sein Kapital nicht. Er hält lediglich Schritt mit einem soliden Anleihenportfolio, allerdings ohne dessen Handelbarkeit.
Die Kosten sind der eigentliche Gegner
Hier entscheidet sich die Sache. Beim Kauf über den Handel fallen 7 Prozent Umsatzsteuer an, bei Auktionen kommt das Aufgeld hinzu. Beim Verkauf zahlt man Kommission und gegebenenfalls die Folgerechtsabgabe. Über einen vollständigen Zyklus summiert sich das auf 30 bis 40 Prozent.
Dazu laufen Haltekosten von grob 0,5 bis 1,5 Prozent im Jahr für Versicherung, Rahmung und konservatorische Maßnahmen.
Rechnen wir ein Beispiel durch. Jemand kauft ein Werk für 50.000 Euro und hält es zehn Jahre. Die Haltekosten belaufen sich in dieser Zeit auf rund 5.000 Euro. Beim Verkauf gehen etwa 20 Prozent des Erlöses an Kommission und Folgerecht.
Damit dieser Sammler bei null herauskommt, muss das Werk beim Zuschlag rund 69.000 Euro erzielen. Das entspricht einer Wertsteigerung von etwa 37 Prozent oder gut 3 Prozent im Jahr. Erst darüber beginnt der Gewinn.
Genau diese Rechnung fehlt in nahezu jeder Renditemeldung zum Kunstmarkt. Sie erklärt auch, warum ein Basquiat auf einer Anteilsplattform nach knapp vier Jahren nur 6,3 Prozent jährlich für die Anleger abwarf.
Die vier Zugangswege im Vergleich
Der Direktkauf über Galerie oder Auktion ist der klassische Weg. Er verlangt Marktkenntnis, bindet vier- bis sechsstellige Beträge in einzelnen Objekten und bringt alle beschriebenen Kosten mit. Dafür besitzt man ein Werk und kann es aufhängen.
Editionen und Druckgrafik senken die Einstiegshürde erheblich. Zwischen 300 und 2.000 Euro findet sich viel, und weil mehrere Exemplare existieren, gibt es eine Preishistorie. Der Nachteil ist dieselbe Auflage, die bei gleichzeitigen Verkäufen den Preis drückt.
Anteile über Plattformen lösen das Zugangsproblem und schaffen dafür neue. Gebühren im hohen einstelligen Bereich über die Laufzeit, ein Ausstieg zum Zeitpunkt der Plattform und Renditestatistiken, die nur abgeschlossene Verkäufe zeigen.
Als vierter Weg bleiben Aktien von Unternehmen aus der Branche, etwa börsennotierte Auktionshäuser oder Anbieter von Marktdaten. Diese Papiere sind täglich handelbar und folgen dem Kunstmarkt nur mittelbar. Sie tragen dafür das übliche Unternehmensrisiko und schwanken mit dem Gesamtmarkt.
Wer eine Quote festlegen möchte, findet dafür wenig belastbare Forschung. Anders als bei Rohstoffen oder Immobilien existieren kaum Modelle, die einen optimalen Kunstanteil berechnen. In der Praxis nennen Vermögensverwalter für Sammelanlagen insgesamt selten mehr als 5 bis 10 Prozent.
Was für ein junges Depot zählt
Der wichtigste Punkt ist die Illiquidität. Ein Werk zu verkaufen dauert Monate, weil Einlieferung, Katalogisierung und Auktionstermin Zeit brauchen. Wer schnell Geld benötigt, verkauft an einen Händler und akzeptiert dessen Abschlag. Ein Aktien-ETF ist dagegen binnen Sekunden zum Marktpreis verkauft.
Der zweite Punkt betrifft die Streuung. Ein einzelnes Werk ist eine Wette auf einen Künstler, dessen Marktwert von Ausstellungen, Sammlerinteresse und Moden abhängt. Bei fünf Werken bleibt das Klumpenrisiko bestehen, es verteilt sich nur. Eine echte Streuung wie in einem Fonds mit hunderten Positionen erreicht ein Privatsammler praktisch nie.
Ein echter Vorteil gegenüber Wertpapieren existiert allerdings. Nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz sind Gewinne aus dem privaten Verkauf steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Auf Kursgewinne aus Aktien fallen dagegen unabhängig von der Haltedauer rund 26,4 Prozent an.
Für die Reihenfolge halten wir es wie bei allen Sachwerten. Zuerst ein Notgroschen, dann ein breit gestreuter Aktien-ETF als Basis, und erst danach die Frage nach Kunst.
Aus unserer Sicht ist Kunst in erster Linie eine Konsumentscheidung mit möglichem Vermögenseffekt. Wer ein Werk kauft, weil er es jeden Tag ansehen möchte, trifft eine gute Entscheidung. Wer eine Anlage sucht, die planbar Erträge liefert, findet einfachere Wege mit deutlich niedrigeren Kosten. Beide Motive schließen sich nicht aus, sie sollten nur nicht verwechselt werden.
Der Markt wächst wieder, aber ungleich
Nach zwei schwachen Jahren legte der weltweite Kunstmarkt 2025 um 4 Prozent auf rund 59,6 Milliarden Dollar zu. Die Erholung verteilt sich allerdings sehr ungleich.
Die Auktionen wuchsen um 9 Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar, der Handel nur um 2 Prozent auf 34,8 Milliarden. Getragen wurde der Zuwachs vor allem von Werken über 10 Millionen Dollar.
Für Privatanleger heißt das, dass die Erholung überwiegend in einem Segment stattfindet, das sie nie betreten. Wer den Markt beobachten will, achtet deshalb besser auf die Verkaufsquoten mittlerer Preisklassen als auf die nächste Rekordmeldung.
Ein positives Signal gibt es dennoch. Nach dem Art Basel und UBS Report erwarten 43 Prozent der befragten Händler für das laufende Jahr steigende Umsätze. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Ob sich das auch unterhalb der Millionengrenze niederschlägt, zeigt erst die Herbstsaison.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
