Die Galerie behält fast die Hälfte und das hat Gründe

Die Galerie behält fast die Hälfte und das hat Gründe
Wer ein Bild für 5.000 Euro in einer Galerie kauft, überweist dem Künstler damit meist zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Der Rest bleibt beim Haus. Diese Aufteilung wirkt auf Außenstehende hoch und ist im Kunsthandel seit Jahrzehnten Standard.
Bezahlt wird damit mehr als ein Verkaufsraum. Galerien finanzieren Ausstellungen, Kataloge, Messeteilnahmen und über Jahre den Aufbau eines Künstlers am Markt. Ohne diese Vorleistung existiert kein Preisniveau, das später jemand aufrufen könnte. Wer beim Wiederverkauf von einem etablierten Namen profitiert, profitiert von genau dieser Arbeit.
Für Käufer ist das trotzdem eine Zahl, die man kennen sollte. Sie erklärt, warum sich zwischen den vier Kanälen des Kunstmarkts erhebliche Preisunterschiede ergeben.

Die Galerie ist der Primärmarkt
Hier kommt ein Werk zum ersten Mal in den Handel, direkt aus dem Atelier. Rechtlich läuft das meist als Kommissionsgeschäft nach den Paragrafen 383 folgende Handelsgesetzbuch, das Werk bleibt also bis zum Verkauf Eigentum des Künstlers.
Preise stehen selten am Bild. Wer fragt, bekommt eine Preisliste, und bei etablierten Sammlern sind Nachlässe von 10 bis 20 Prozent durchaus üblich. Ein Basar ist es trotzdem nicht.
Eine Besonderheit überrascht Neulinge regelmäßig. Bei gefragten Positionen entscheidet die Galerie, wer ein Werk bekommt. Sammler mit langer Beziehung und Museen werden bevorzugt, weil ein Verkauf an ein Museum den Marktwert stützt und ein schneller Weiterverkauf ihn beschädigt.
Für Anleger folgt daraus ein unbequemer Punkt. Wer im Primärmarkt kauft und kurz darauf über eine Auktion verkauft, gilt in der Szene als Flipper und bekommt danach oft nichts mehr angeboten.
Wer eine Beziehung aufbaut, bekommt dafür etwas zurück. Galerien informieren Stammkunden vorab über neue Arbeiten, laden zu Vorbesichtigungen und beraten zur Einordnung eines Künstlers. Diese Informationen sind in einem Markt ohne Kurszettel viel wert.
Die Auktion ist der Sekundärmarkt
Der große Vorteil liegt in der Transparenz. Zuschläge werden veröffentlicht und in Datenbanken archiviert, sodass sich die Preisentwicklung eines Künstlers nachvollziehen lässt. Im Primärmarkt fehlt diese Information vollständig.
Neben den internationalen Häusern arbeiten in Deutschland etablierte Adressen wie Grisebach in Berlin, Ketterer, Lempertz und Van Ham. Deren reine Onlineauktionen bieten regelmäßig Lose im drei- und vierstelligen Bereich an und sind damit ein realistischer Einstieg.
Die Kostenseite kennen wir bereits. Auf den Zuschlag kommt das Aufgeld, beim Verkauf fallen Einlieferungskommission und gegebenenfalls eine Erfolgsprovision an. Zwischen Kauf und Wiederverkauf liegen dadurch schnell 30 bis 40 Prozent.
Ein Risiko gehört dazu. Erreicht ein Werk das vereinbarte Limit nicht, bleibt es unverkauft und gilt am Markt als angebrannt. Vor einem erneuten Anlauf lassen Einlieferer deshalb meist Jahre verstreichen.
Für Einsteiger sind diese Häuser oft der bessere Startpunkt als eine Galerie. Die Preisspanne wird vorab veröffentlicht, jeder kann bieten, und niemand muss sich vorher als Sammler beweisen.
Onlineplattformen bündeln beides
Der dritte Kanal ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und sehr heterogen. Aggregatoren wie Artsy bündeln Angebote von Galerien, Museen und Auktionshäusern. Dazu kommen Preisindizes und Hintergrundtexte. Das Preisniveau beginnt im mittleren dreistelligen Bereich, die Plattform läuft auf Englisch.
Redaktionell ausgewählte Onlinegalerien wie Saatchi Art verkaufen zeitgenössische Originale international. Die Provision liegt dort je nach Modell bei 35 bis 45 Prozent, dafür gibt es Beratung und in der Regel ein vierzehntägiges Rückgaberecht. Bei Lieferungen aus Drittstaaten sollte man Zoll und Einfuhrumsatzsteuer einkalkulieren.
Allgemeine Marktplätze wie eBay berechnen deutlich weniger, üblich sind rund 13 bis 15 Prozent Verkaufsgebühr. Dafür fehlt jede fachliche Vorauswahl, und das Fälschungsrisiko liegt spürbar höher. Für signierte Editionen bekannter Namen kann das trotzdem ein Weg sein, wenn man den Markt kennt.
Am unteren Ende stehen spezialisierte Anbieter für Originale von Kunsthochschulabsolventen, häufig ab 300 Euro und mit Echtheitszertifikat. Print-on-Demand-Portale mit Motiven ab 10 Euro gehören dagegen in die Kategorie Wandschmuck und nicht in einen Text über Geldanlage.
Ein Hinweis zur Vorsicht gehört dazu. Bei allen Onlinekanälen gilt das Fernabsatzrecht, sofern der Verkäufer Unternehmer ist. Bei Auktionen und beim Kauf von Privatpersonen greift es dagegen nicht, dort ist der Zuschlag verbindlich.
Was zu welchem Budget passt
Unter 1.000 Euro bewegt man sich bei junger Kunst, Editionen und Hochschulabsolventen. Diese Werke können großartig sein, haben aber in aller Regel keinen funktionierenden Wiederverkaufsmarkt. Von tausenden Absolventen jedes Jahrgangs schaffen es nur wenige in den Sekundärmarkt. Wer hier kauft, kauft für die Wand. Das ist völlig in Ordnung, sollte aber bewusst geschehen.
Zwischen 1.000 und 10.000 Euro öffnen sich regionale Auktionshäuser, etablierte Galerien und Druckgrafik bekannter Namen. In diesem Segment existiert erstmals eine belastbare Preishistorie, an der sich ein Wiederverkauf orientieren lässt. Druckgrafik ist dabei oft der günstigste Weg zu einem bekannten Namen, weil Auflagen die Preise drücken.
Ab etwa 10.000 Euro wird die Provenienzprüfung zur Pflicht, und internationale Auktionen kommen in Betracht. Gleichzeitig steigen die Nebenkosten absolut spürbar an. Ein Zustandsbericht, ein Gutachten und ein versicherter Transport summieren sich schnell auf einen vierstelligen Betrag.
Als vierter Kanal bleiben die Kunstmessen. Auf der Art Cologne oder der art Karlsruhe stehen dutzende Galerien nebeneinander, was Preisvergleiche erlaubt, die im Ladengeschäft unmöglich sind. Für Einsteiger ist ein Messebesuch die effizienteste Form der Marktbeobachtung. An einem Nachmittag sieht man mehr Positionen als in einem Monat Galeriebesuchen, und die Gespräche sind unverbindlicher.
Die entscheidende Frage stellt man sich am besten vorher. Kauft man für die Wand oder für das Depot. Für die Wand zählt allein, ob einem das Werk gefällt. Für das Depot zählt ausschließlich, ob es einen Sekundärmarkt gibt, und den hat der überwiegende Teil des Angebots nicht.
Steuerlich ändert sich zwischen den Kanälen wenig. Der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent gilt für Galerien, Händler und Auktionshäuser gleichermaßen. Beim Kauf von einer Privatperson fällt gar keine Umsatzsteuer an.
Der Sekundärmarkt entscheidet über alles
Ein Werk ohne Auktionshistorie ist nicht wertlos, aber es ist schwer bewertbar. Wer prüfen will, ob ein Künstler überhaupt am Sekundärmarkt gehandelt wird, findet die Antwort in den Preisdatenbanken der Auktionshäuser.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
