Ein Karat Naturdiamant kostet ein Viertel weniger als 2022

Ein Karat Naturdiamant kostet ein Viertel weniger als 2022
Der Marktforscher Tenoris wertet die Preise in über 2.000 US-Geschäften aus. Nach seinen Zahlen fiel der Durchschnittspreis für einen einkarätigen Naturdiamanten von rund 6.250 Euro im Mai 2022 auf etwa 4.580 Euro im Dezember 2024. Der Rückgang hat sich seither fortgesetzt.
Auch im Großhandel geht es abwärts. Der Preisindex von De Beers verlor allein im ersten Halbjahr 2026 rund 16 Prozent. Der Konzern selbst meldete für 2025 einen Betriebsverlust von rund 450 Millionen Euro. Er schloss seine Labordiamant-Marke Lightbox und legte die südafrikanische Venetia-Mine für zwei Jahre still.
Noch härter traf es die Laborsteine. Ein Einkaräter aus der Fabrik kostete 2022 rund 3.120 Euro und fiel bis Ende 2024 auf etwa 820 Euro. In deutschen Shops sind vergleichbare Steine heute häufig für unter 700 Euro zu haben.

Das Labor hat den Knappheitsvorteil aufgelöst
Labordiamanten sind chemisch, physikalisch und optisch identisch mit natürlichen Steinen. Beide bestehen aus reinem kristallisiertem Kohlenstoff und erreichen dieselbe Härte. Der Unterschied liegt allein in der Entstehung, im Labor in wenigen Wochen statt über Jahrmillionen im Erdmantel. Erkennen lässt sich das nur mit Spezialgeräten.
Für den Handel hat das die Nachfrage verschoben. Käufer geben oft nicht weniger Geld aus, sondern kaufen für dasselbe Budget deutlich größere Steine. Wo früher ein Naturdiamant mit 1,0 bis 1,2 Karat drin war, landen heute Labordiamanten mit 2,0 bis 2,5 Karat am Finger.
Ein historischer Blick ordnet das ein. Der Werbeslogan A Diamond Is Forever entstand 1947 und machte den Diamantring erst zur Selbstverständlichkeit bei einer Verlobung. Die Knappheit war dabei immer auch eine Erzählung, gestützt durch die Angebotssteuerung eines einzigen Konzerns. Genau diese Steuerung funktioniert nicht mehr.
Interessant ist die Reaktion der Juweliere. Viele setzen inzwischen bewusst auf Herkunftsgeschichten und Emotion statt auf das Argument der Seltenheit. Kunden zahlen weiterhin vierstellige Beträge für einen Naturstein, aber sie tun es aus anderen Gründen als vor zehn Jahren.
Immerhin verlangsamt sich der Verfall bei den Laborsteinen. Ihre Preise nähern sich inzwischen den tatsächlichen Produktions- und Schleifkosten an, weshalb Fachleute von einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau ausgehen.
Die vier C bestimmen den Listenpreis
Bewertet wird ein Diamant nach vier Kriterien, im Handel die vier C genannt. Carat steht für das Gewicht, Color für die Farbe, Clarity für die Reinheit und Cut für den Schliff. Der Schliff entscheidet am stärksten über die Brillanz.
Als Referenz dienen die Rapaport-Preislisten. Sie führen allein für runde Brillanten 18 verschiedene Listen, aufgeteilt nach Gewichtsklassen. Innerhalb einer Liste ergibt sich der Karatpreis aus der Kombination von Farbe und Reinheit. An den Gewichtsgrenzen springen die Preise, weshalb ein Stein mit 0,99 Karat spürbar günstiger sein kann als einer mit 1,01 Karat.
Beim Zertifikat gilt das Gemological Institute of America als strengster Maßstab. Andere große Labore wie HRD aus Antwerpen oder IGI urteilen in Grenzbereichen häufig milder. Für Käufer ist das relevant, denn Profis preisen diese Unterschiede beim Ankauf bereits ein. Ein Stein mit weicherer Graduierung bringt beim Wiederverkauf entsprechend weniger.
Wichtig ist außerdem, dass die Rapaport-Liste keine Endkundenpreise nennt. Sie beschreibt Großhandelsniveaus, von denen Händler je nach Stein Ab- oder Aufschläge nehmen. Wer im Juweliergeschäft steht, zahlt in aller Regel deutlich mehr als den Listenwert.
Praktischer Hinweis für den Vergleich. Bei zertifizierten Steinen ist die Reportnummer per Laser auf die Rundiste graviert. Wer sie prüft, weiß, ob Zertifikat und Stein zusammengehören.
Der Rückkaufpreis liegt weit unter der Liste
Hier wird es für Anleger unbequem. Händler kaufen Diamanten typischerweise zu Preisen an, die 40 bis 70 Prozent unter den Rapaport-Notierungen liegen. Bei einem Juwelier fällt das Angebot oft noch niedriger aus.
Über den gesamten Weg gerechnet erlösen Privatkäufer beim Wiederverkauf häufig nur 30 bis 50 Prozent ihres ursprünglichen Kaufpreises. Der Grund ist strukturell und nicht böser Wille. Jeder Stein ist ein Unikat, ein transparenter Börsenpreis existiert nicht, und der Händler trägt das Risiko, ihn monatelang im Tresor liegen zu haben.
Dazu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer beim Kauf in Deutschland. Anders als bei Anlagegold gibt es keine Befreiung. Diese Hürde muss der Wert erst aufholen, bevor überhaupt von Rendite die Rede sein kann.
Was von den Anlageargumenten übrig bleibt
Die Befürworter führen die Angebotsseite ins Feld, und das nicht ohne Grund. Große Vorkommen laufen aus, die australische Argyle-Mine ist bereits geschlossen, und in Indien und China wächst eine kaufkräftige Schicht. Für die Handelbarkeit gelten runde Brillanten zwischen 0,50 und 2,00 Karat mit GIA-Zertifikat als beste Wahl.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Hürde. Wer einen Stein für 10.000 Euro kauft und beim Rückkauf 40 Prozent erlöst, bekommt 4.000 Euro zurück. Damit der Verkauf überhaupt den Einstand erreicht, müsste sich der Marktwert des Steins mehr als verdoppeln. Über eine typische Haltedauer von zehn Jahren ist das eine sehr sportliche Annahme.
Die Gegenseite hält dagegen, und ihre Argumente wiegen schwer. Ohne einheitlichen Marktpreis lässt sich der Wert eines einzelnen Steins kaum objektiv bestimmen. Die Spanne zwischen Kauf und Rückkauf frisst jede realistische Wertsteigerung über Jahre auf. Und Labordiamanten haben die Wahrnehmung von Seltenheit dauerhaft beschädigt.
Steuerlich gilt immerhin die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz. Danach sind Gewinne aus dem Privatverkauf steuerfrei. Laufende Erträge liefert ein Diamant nicht, weder Zinsen noch Dividenden.
Aus unserer Sicht spricht die Kostenstruktur klar gegen den Diamanten als Depotbaustein. Wer einen Ring kauft, weil er ihn schön findet, trifft eine gute Entscheidung. Wer Vermögen aufbauen will, findet in einem breit gestreuten Aktien-ETF oder in Anlagegold die deutlich einfachere Variante.
Der De-Beers-Verkauf setzt die nächste Marke
Anglo American trennt sich von De Beers. Der Verkauf an ein Konsortium soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden, die behördlichen Freigaben dürften danach etwa ein Jahr in Anspruch nehmen.
Ob ein neuer Eigentümer die alte Preisdisziplin zurückbringt, ist offen. Der Branchendienst Rapaport berichtete zuletzt, dass die Preise für Rohdiamanten ab fünf Karat angehoben wurden, während kleinere Standardware weiter unter Druck stand. Seltenheit wird also weiterhin bezahlt, Massenware nicht.
Für Käufer bleibt daraus eine einfache Ableitung. Der Markt für sehr große, sehr seltene Steine funktioniert weiter nach eigenen Regeln. Der Markt für den klassischen Einkaräter am Finger folgt dagegen inzwischen der Logik eines Konsumguts.
Transparenzhinweis
Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
