Zwei Studien zu LEGO kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen

LEGO-Minifiguren in dichter Aufstellung mit einem Feuerwehrmann im Vordergrund vor dem Hintergrund widersprüchlicher Studien

Zwei Studien zu LEGO kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen

Sammlerstücke4 Min.17.08.2026

Die bekannteste Zahl zum Thema stammt von Victoria Dobrynskaya und Julia Kishilova. Die beiden Forscherinnen der Higher School of Economics in Moskau untersuchten 2.322 LEGO-Sets über den Zeitraum von 1987 bis 2015. Im Schnitt kamen sie auf eine Jahresrendite von 11 Prozent.

Eine spätere Untersuchung um den Ökonomen Shimkus kam zu einem anderen Schluss. Sein Team wertete über 10.000 Sets aus und bezog auch solche ein, die auf großen Plattformen selten gehandelt werden. Im Durchschnitt lag die Rendite dort unter der von Aktien.

Die erste Studie fand zusätzlich ein auffälliges Muster. Besonders gut liefen Sets mit sehr wenigen oder sehr vielen Teilen sowie Modelle, die auf Filmen basieren. Transaktionskosten hatten die Autorinnen dabei allerdings nicht eingerechnet.

Beide Arbeiten sind sauber gerechnet. Der Unterschied liegt nicht in der Methode, sondern in der Auswahl. Wer verstehen will, ob LEGO als Anlage taugt, muss genau an dieser Stelle ansetzen.

Überlebensverzerrung erklärt die ganze Lücke

Der Fachbegriff dafür lautet Survivorship Bias. Gemeint ist, dass in einer Statistik nur die Fälle auftauchen, für die überhaupt Daten existieren. Bei LEGO sind das die Sets, die auf Marktplätzen regelmäßig gehandelt werden, weil jemand sie haben will.

Die Ladenhüter fehlen dagegen. Sie liegen in Kellern, werden nie inseriert und erscheinen in keiner Renditetabelle. Genau deshalb fällt der Durchschnitt in der breiteren Untersuchung so viel niedriger aus.

Zwei Beispiele zeigen die Spanne. Das Star-Wars-Set Millennium Falcon mit der Nummer 10179 kostete 2007 rund 500 Dollar. Versiegelt wird es heute im Bereich von 5.000 bis 7.000 Dollar gehandelt. Umgerechnet sind das etwa 4.300 bis 6.000 Euro.

Der VW-Bulli mit der Nummer 10220 erschien 2011 für 99,99 Euro. Über zehn Jahre später war er zum selben Preis erhältlich, danach folgte sogar eine Neuauflage. Beide Sets existieren, aber nur eines taucht in Erfolgsgeschichten auf.

EOL ist das Zauberwort der Szene

Die zentrale Mechanik heißt End of Life, in der Szene kurz EOL. Sobald der Hersteller ein Set aus dem Programm nimmt, versiegt der Nachschub. Die Nachfrage bleibt aber bestehen, solange das Thema populär ist.

Erfahrungsgemäß setzt der eigentliche Preisanstieg ein bis drei Jahre nach dem EOL-Datum ein. Vorher passiert wenig, weil noch Restbestände im Handel liegen. Genau deshalb rechnen erfahrene Sammler mit Haltedauern von mehreren Jahren.

Beobachten lässt sich das gut. Mehrere Portale führen Listen mit Sets, die kurz vor dem Auslaufen stehen. Wer sich rechtzeitig eindeckt, kauft noch zum Ladenpreis statt später zum Sammlerpreis. Genau darin liegt der ganze Reiz dieser Anlageform.

Nicht jedes Set profitiert. Besser laufen lizenzierte Reihen mit starker Fangemeinde, etwa Star Wars, Marvel oder die Automodelle. Die großen Sets der Ultimate Collector Series gelten als besonders gesucht, ebenso seltene Minifiguren. Kleinteilige Standardsets ohne Lizenz bewegen sich dagegen kaum.

Das strukturelle Risiko kennen wir schon von den Sammelkarten. Der Hersteller kann jederzeit eine Neuauflage bringen und damit das knappe Angebot wieder ausweiten. Wer im Vertrauen auf Seltenheit gekauft hat, sieht dann zu.

Der Marktplatz gehört dem Hersteller

Gehandelt wird überwiegend über BrickLink, die größte Plattform für LEGO-Teile und Sets. Bemerkenswert daran ist die Eigentümerstruktur, denn BrickLink gehört seit 2019 zur LEGO-Gruppe selbst.

Der Hersteller kontrolliert damit Produktion, Auflagen und einen zentralen Teil des Sekundärmarkts. Für Anleger ist das kein Skandal, aber ein Punkt, den man kennen sollte. Bei kaum einer anderen Sammelanlage sitzt eine einzige Firma an so vielen Hebeln.

Für die Praxis bedeutet das zweierlei. Der Hersteller kennt die Nachfrage im Sekundärmarkt besser als jeder Sammler und kann Neuauflagen entsprechend planen. Gleichzeitig hat er kein Interesse daran, dass ein zentraler Marktplatz an Vertrauen verliert.

Als Preisquellen dienen daneben BrickEconomy und eBay, dazu Auswertungstools wie Brickfact. Die dort gezeigten Preise sind allerdings Angebotspreise, nicht immer erzielte Verkaufspreise. Wer Renditen kalkuliert, sollte auf tatsächlich abgeschlossene Verkäufe schauen.

Seit 2023 gibt es zusätzlich das BrickLink Designer Program, in dem von Fans entworfene Sets in limitierter Stückzahl produziert werden. Solche Auflagen sind von Anfang an knapp, entsprechend aufmerksam beobachtet die Szene diese Serien.

Was der Keller und die Gebühren kosten

Die Transaktionskosten fallen höher aus als bei jedem Wertpapier. Zwischen Verkaufsgebühren, Zahlungsdienstleister und Versand summieren sich schnell 10 bis 20 Prozent des Verkaufserlöses. Bei einem Set für 300 Euro sind das bis zu 60 Euro, bevor die erste Rendite gerechnet wird.

Der Platzbedarf ist das unterschätzte Problem. Ein großes Sammlerset füllt einen halben Regalboden. Wer ein Portfolio im mittleren vierstelligen Bereich aufbaut, belegt schnell ein ganzes Zimmer. Miete oder Lagerkosten tauchen in keiner Renditestudie auf.

Dazu kommt die Empfindlichkeit. Der Wert hängt am unversehrten Karton, im Fachjargon Mint in Sealed Box. Sonnenlicht bleicht die Verpackung aus, Feuchtigkeit wellt den Pappdeckel, ein Knick am Rand kostet spürbar. Gelagert wird deshalb dunkel, trocken und flach.

Steuerlich gilt die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz. Nach Ablauf sind Gewinne aus dem Privatverkauf steuerfrei. Wer allerdings regelmäßig dutzendweise Sets verkauft, riskiert die Einstufung als gewerblicher Händler samt Umsatzsteuerpflicht.

Die Liquidität begrenzt das Ganze zusätzlich. Ein einzelnes Set findet meist einen Käufer, hundert Exemplare desselben Sets nicht gleichzeitig. Wer skalieren will, drückt seinen eigenen Preis.

Ein Vergleich ordnet das ein. Wer 5.000 Euro in Sets steckt, bindet Kapital über Jahre, zahlt beim Verkauf zweistellige Gebühren und braucht Platz. Dieselbe Summe in einem Weltindex-Fonds kostet unter 0,2 Prozent im Jahr und ist an jedem Handelstag verfügbar.

Der Zeitaufwand kommt obendrauf. Wer Auflagen, EOL-Termine und Themenwelten verfolgt, verbringt damit mehrere Stunden im Monat. Rechnet man diese Zeit mit einem Stundensatz, schrumpft die viel zitierte Rendite von 11 Prozent noch einmal spürbar.

Aus unserer Sicht ist LEGO deshalb ein Hobby mit Wertsteigerungschance, kein Depotbaustein. Ein breit gestreuter Aktien-ETF kostet keinen Stellplatz, keine Verkaufsgebühr von 15 Prozent und keine Recherche über Auflagenpolitik. Wer ohnehin sammelt, kann den Effekt dagegen gut mitnehmen.

Die nächste EOL-Welle liefert den Test

Zweimal im Jahr nimmt der Hersteller größere Mengen an Sets aus dem Programm. Die Szene verfolgt diese Wellen genau, weil sie den Startpunkt für die typische Preiskurve markieren.

Wer beobachten will, ohne Geld einzusetzen, hat es leicht. Die Verkaufspreise auf den Plattformen sind öffentlich, und ein paar Monate Mitlesen zeigen schnell, welche Themenwelten tatsächlich Nachfrage haben. Diese Übung kostet nichts und ersetzt jede Renditestudie.

Transparenzhinweis

Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.