Anteile an Sammlerstücken kosten mehr Gebühren als gedacht

Handschlag zweier Personen vor grünem Hintergrund im Zusammenhang mit den Gebühren beim Kauf von Anteilen an Sammlerstücken

Anteile an Sammlerstücken kosten mehr Gebühren als gedacht

Sammlerstücke4 Min.17.08.2026

Eine Luxusuhr für 40.000 Euro wird digital in Anteile zerlegt, und wer will, kauft davon ein Stück für 50 Euro. Genau dieses Versprechen machen inzwischen mehrere Plattformen im deutschsprachigen Raum. Timeless aus Berlin startete 2018, Splint Invest aus Zug folgte 2021, Konvi aus Dublin arbeitet seit 2020.

Der Zugang ist damit gelöst. Die Kosten sind es nicht. Timeless nennt Gebühren zwischen 3 und 8 Prozent, Splint Invest verlangt 2 Prozent beim Kauf plus eine jährliche Verwaltungskommission von 1 bis 6 Prozent. Bei Konvi fallen laut einer Marktübersicht 18,5 Prozent beim Einstieg an, dazu 5 bis 14 Prozent Kommission auf spätere Gewinne.

Diese Zahlen entscheiden über das Ergebnis stärker als die Frage, welche Uhr im Tresor liegt. Wer 18,5 Prozent Einstiegsgebühr zahlt, braucht erst einmal 18,5 Prozent Wertsteigerung, um wieder bei null zu stehen.

Was man rechtlich eigentlich kauft

Der wichtigste Punkt steht selten auf der Startseite. In aller Regel erwirbt niemand direktes Eigentum an der Uhr oder dem Auto. Gekauft wird ein Anspruch gegenüber der Gesellschaft, die das Objekt hält, meist in Form eines digitalen Zertifikats oder einer Beteiligung.

Für den Fall einer Insolvenz macht das einen erheblichen Unterschied. Ob das Objekt dann in eine Insolvenzmasse fällt oder aussortiert werden kann, hängt an der konkreten Konstruktion. Diese Frage gehört in die Vertragsunterlagen und nicht in den Werbetext.

Auch die Aufsicht unterscheidet sich. Timeless wird von der Berliner New Horizon GmbH betrieben. Sie arbeitet als vertraglich gebundener Vermittler nach Paragraf 3 Absatz 2 Wertpapierinstitutsgesetz, also unter der Haftung eines lizenzierten Wertpapierinstituts. Der Eintrag ist im BaFin-Register öffentlich einsehbar. Splint Invest untersteht als Schweizer Anbieter nach derselben Marktübersicht nicht der BaFin.

Die häufig genannte Anlegerentschädigung von bis zu 90 Prozent und maximal 20.000 Euro sorgt regelmäßig für Missverständnisse. Sie greift bei bestimmten Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften. Gegen Wertverluste des Sammlerstücks schützt sie nicht.

Bewertet wird ebenfalls von innen. Wie hoch ein Objekt beim Einstellen angesetzt wird, bestimmt in der Regel die Plattform selbst oder ein von ihr beauftragter Partner. Bei Sammlerstücken ohne Kurszettel ist diese Bewertung eine Schätzung, keine Marktnotierung.

Die Renditezahlen haben ein bekanntes Problem

Timeless weist nach eigenen Angaben 47 abgeschlossene Exits aus, mit einer durchschnittlichen Nettorendite von 28 Prozent bei einer mittleren Haltedauer von 19 Monaten. Die Einzelwerte reichen von knapp 10 bis über 200 Prozent. Das klingt beeindruckend.

Der Haken liegt in der Auswahl. Ein Exit findet statt, wenn sich ein Objekt verkaufen lässt. Stücke ohne Käufer bleiben im Bestand und tauchen in dieser Statistik nicht auf. Dieselbe Überlebensverzerrung kennen wir aus den Renditestudien zu LEGO.

Die Größenordnung macht das deutlich. Der Plattform werden über 600 tokenisierte Objekte mit einem Gesamtwert von rund 27 Millionen Euro zugerechnet. Dem stehen 47 abgeschlossene Verkäufe gegenüber. Bei Konvi weist dieselbe Übersicht bislang keinen abgeschlossenen Exit aus.

Hinzu kommt, dass diese Zahlen von den Anbietern selbst stammen. Eine unabhängige Prüfung durch Dritte, wie sie bei Investmentfonds selbstverständlich ist, fehlt in diesem Segment weitgehend.

Der Ausstieg ist der eigentliche Knackpunkt

Zwei Wege führen aus einem Investment heraus. Entweder verkauft die Plattform das Objekt und schüttet den Erlös aus, oder man verkauft seine Anteile auf einem Zweitmarkt an andere Nutzer.

Beim ersten Weg bestimmt der Anleger den Zeitpunkt nicht. Die Anlagehorizonte reichen je nach Anbieter von einem bis zu acht Jahren, bei Konvi werden zwei bis fünf Jahre genannt. Wer sein Geld vorher braucht, hat schlechte Karten.

Beim zweiten Weg entscheidet die Nachfrage anderer Nutzer. Timeless und Splint Invest bieten einen solchen Zweitmarkt an, bei Konvi existiert er laut Übersicht nicht. Ein Zweitmarkt ist allerdings kein Börsenhandel. Wer schnell verkaufen muss, findet nur zu einem Abschlag einen Käufer, oder gar keinen.

Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Wer 1.000 Euro in Anteile steckt und nach zwei Jahren aussteigen will, findet vielleicht einen Käufer bei 900 Euro. Der Wert des Objekts kann in dieser Zeit unverändert sein. Der Abschlag entsteht allein aus der Eile.

Ein Detail sollte man ebenfalls kennen. Wo die Objekte tatsächlich lagern, halten manche Anbieter aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. Das ist nachvollziehbar, macht eine eigene Prüfung aber unmöglich.

Was das für ein Depot bedeutet

Die Gebührenrechnung lohnt sich vorab. Bei 2 Prozent Kaufgebühr und 4 Prozent Verwaltung pro Jahr zahlt man über drei Jahre rund 14 Prozent, bevor überhaupt eine Wertsteigerung anfällt. Bei einem Einstiegsentgelt von 18,5 Prozent liegt die Hürde von Anfang an hoch.

Steuerlich hängt die Behandlung an der Konstruktion. Handelt es sich um ein Wertpapier oder eine Kapitalforderung, fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an. Bei einer echten Miteigentumsbeteiligung kann die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz greifen. Diese Frage gehört vor dem Kauf geklärt, nicht danach.

Ein Vergleich mit dem Direktkauf lohnt ebenfalls. Wer eine Uhr selbst kauft, zahlt beim Händler 10 bis 20 Prozent Spanne, hat sie aber im Schrank und kann jederzeit verkaufen. Über eine Plattform entfallen Lagerung und Versicherung, dafür kommen laufende Gebühren und der Ausstiegsvorbehalt hinzu.

Fair ist auch die andere Seite. Diese Plattformen lösen reale Probleme. Sie übernehmen Lagerung, Versicherung, Echtheitsprüfung und Auswahl, und sie ermöglichen Beträge, die für den Direktkauf niemals reichen würden. Wer sich eine Rolex nicht leisten kann, bekommt hier überhaupt erst Zugang.

Was sie nicht lösen, ist das Marktrisiko. Ein Anteil an einer einzelnen Uhr bleibt eine Wette auf ein einzelnes Objekt. Diversifikation entsteht erst über viele Anteile, und jeder davon kostet erneut Gebühren.

Aus unserer Sicht taugt das als kleine Spielposition für Menschen, die den Markt ohnehin spannend finden. Ein breit gestreuter Aktien-ETF kostet unter 0,2 Prozent im Jahr, ist täglich handelbar und enthält Tausende Unternehmen. Diesen Vergleich sollte man vor jeder Einzahlung im Kopf haben.

Der Sektor steht vor seinem ersten großen Test

Die meisten dieser Plattformen sind jung und haben noch keinen vollständigen Marktzyklus durchlaufen. Interessant wird es, wenn viele Objekte gleichzeitig zum Verkauf anstehen und die Nachfrage schwächelt.

Beobachten lohnt sich vor allem eine Kennzahl. Wie viele Objekte werden tatsächlich verkauft, und wie verhält sich diese Zahl zum Gesamtbestand. Solange 47 Exits über 600 Objekten stehen, ist die Erfolgsbilanz vor allem eine Momentaufnahme.

Wer einsteigen möchte, fängt am besten klein an. Ein einzelner Anteil für 50 Euro kostet wenig und zeigt nach ein paar Monaten sehr genau, wie der Zweitmarkt in der Praxis funktioniert.

Transparenzhinweis

Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.