Overview
Aumovio hat keine eigene Gründungsgeschichte im klassischen Sinn, sondern eine Ablösungsgeschichte. Das Unternehmen war über Jahrzehnte der Unternehmensbereich Automotive von Continental, einem der größten Zulieferer der Welt. Continental selbst begann 1871 als Kautschukfabrik in Hannover und wuchs über Reifen hinaus zu einem Technologiekonzern mit Elektronik, Bremsen und Fahrerassistenz.
Der Konzern entschied sich für die Aufspaltung. Bereits 2021 wurde die Antriebssparte als Vitesco abgespalten, im Dezember 2024 folgte der Beschluss, auch die Automotive-Sparte eigenständig zu machen. Der Aufsichtsrat stimmte im März 2025 zu, die Hauptversammlung im April 2025. Auf der Automesse in Shanghai im April 2025 wurde der Name Aumovio vorgestellt, der öffentliche Auftritt der Marke folgte auf der IAA Mobility 2025. Für Continental bedeutet der Schritt eine Rückkehr zu den Wurzeln als Reifenhersteller.
Die Abspaltung erfolgte als reiner Spin-off. Continental-Aktionäre erhielten Aumovio-Aktien direkt ins Depot, ohne dass frisches Kapital eingesammelt wurde. Aumovio firmiert als Europäische Aktiengesellschaft und entwickelt sowie fertigt Fahrzeugelektronik für softwaredefinierte und autonome Autos. Der Umsatz lag 2024 bei 19,6 Milliarden Euro. Seit dem 18. September 2025 notiert die Aktie an der Frankfurter Wertpapierbörse.
Management
Philipp von Hirschheydt führt Aumovio seit der Verselbständigung 2025 als Vorstandsvorsitzender. Er leitete zuvor den Unternehmensbereich Automotive bei Continental und gehörte dort dem Konzernvorstand an. Damit steht an der Spitze jemand, der das Geschäft seit Jahren kennt und den Ablöseprozess selbst gestaltet hat.
Die Besetzung des Finanzvorstands verlief holprig. Die zunächst vorgesehene Karin Dohm sagte im Mai 2025 aus persönlichen Gründen ab, woraufhin von Hirschheydt die Aufgabe zusätzlich übernahm. Im August 2025 berief der Aufsichtsrat Jutta Dönges zur Finanzvorständin, die das Amt spätestens zum 1. März 2026 antreten sollte. Der Vorstand umfasst sechs Mitglieder.
Finanzdaten
Branche
Aumovio operiert im Markt für Automobilzulieferung, konkret im Bereich Fahrzeugelektronik. Die Branche steht unter Druck. Autohersteller kämpfen mit schwacher Nachfrage in Europa, hohem Preisdruck aus China und dem stockenden Hochlauf der Elektromobilität. Zulieferer geben diese Belastungen selten weiter und arbeiten mit dünnen Margen.
Gleichzeitig verschiebt sich der Wert im Fahrzeug. Software, Sensorik und Rechenleistung machen einen wachsenden Anteil der Wertschöpfung aus, während klassische Mechanik an Bedeutung verliert. Aumovio setzt genau hier an, mit Technologien für das softwaredefinierte Fahrzeug, automatisiertes Fahren und Vernetzung. Der Wettbewerb ist hochkarätig besetzt, mit Bosch, ZF, Valeo, Aptiv, Magna und Denso sowie chinesischen Anbietern, die im Elektronikbereich schnell aufholen.
Anlegern fiel bei der Erstnotiz zudem die Indexlage auf. Aumovio wurde am ersten Handelstag vorübergehend in den DAX aufgenommen, der dadurch für einen Tag 41 Werte umfasste. Nach Handelsschluss verließ die Aktie den Index wieder. Wegen der überschaubaren Marktkapitalisierung und des Streubesitzes galt eine reguläre DAX-Zugehörigkeit als unwahrscheinlich.
Produkte und Services
Das Angebot gliedert sich in Erstausrüstung und Ersatzteilgeschäft. In der Erstausrüstung liefert Aumovio Sensorsysteme für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren, darunter Radar, Kameras und Lidar. Dazu kommen Displays und Bedienelemente für den Innenraum, Steuergeräte, Vernetzungslösungen sowie Brems- und Komfortsysteme.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Software und Elektronikarchitektur. Moderne Fahrzeuge bündeln Funktionen zunehmend in leistungsfähigen Zentralrechnern statt in vielen einzelnen Steuergeräten. Aumovio entwickelt für diese Architekturen Hardware und Software.
Im Ersatzteilgeschäft vertreibt das Unternehmen Bremsbeläge, Batterien und Sensoren. Dieses Geschäft ist weniger konjunkturabhängig als die Erstausrüstung und liefert stabilere Erträge. Auf dem Kapitalmarkttag im Juni 2025 kündigte Aumovio an, den Umsatz langfristig von 19,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf über 24 Milliarden Euro steigern zu wollen.
