MARA Holdings springt 15% hoch, Bitcoin erobert 72.000 Dollar zurück

Der Bitcoin-Miner führt die Krypto-Rally an
MARA Holdings (NASDAQ: MARA) gehört am Donnerstag zu den stärksten Werten an der Nasdaq. Die Aktie legt um 1,50 Dollar oder 15,54% auf 11,15 Dollar zu. Das Handelsvolumen liegt bei 76,5 Millionen Stück und damit beim 1,7-fachen des Durchschnitts von 44,3 Millionen. Die Marktkapitalisierung klettert zurück über die Marke von 4,3 Milliarden Dollar.
Der Auslöser liegt nicht im Unternehmen selbst, sondern am Kryptomarkt. Bitcoin hat am Mittwoch und Donnerstag rund 10% zugelegt und die Marke von 72.000 Dollar zurückerobert. Für MARA, den zweitgrößten börsennotierten Bitcoin-Halter der Welt, wirkt ein solcher Sprung wie ein Hebel. Bereits am Mittwoch hatte die Aktie 7,7% gewonnen, heute setzt sie den Lauf mit doppeltem Tempo fort.
Über die vergangenen zwölf Monate steht trotz des Sprungs noch ein Minus von knapp 38% auf dem Kurszettel. Wer den Ausverkauf der letzten Wochen miterlebt hat, bekommt heute einen Teil des Verlusts zurück. Der Abstand zum Jahreshoch bleibt trotzdem groß, und genau das lockt nun Schnäppchenjäger und Momentum-Trader gleichermaßen an.
Warum Bitcoin gerade anzieht
Hinter dem Kurssprung beim Bitcoin stecken zwei Faktoren. Zum einen hat der amerikanische Kongress mit dem CLARITY Act ein Regelwerk für digitale Vermögenswerte auf den Weg gebracht, das vielen institutionellen Anlegern endlich Rechtssicherheit verspricht. Zum anderen hat das US-Finanzministerium seine Anleiherückkäufe ausgeweitet, was zusätzliche Liquidität in die Märkte spült. Beides zusammen hat den Risikoappetit zurückgebracht.
Bitcoin war zuvor wochenlang unter Druck geraten. Noch Anfang August notierte die Kryptowährung zeitweise unter 60.000 Dollar. Entsprechend tief war MARA gefallen. Von rund 12,77 Dollar am 23. Juli ging es bis auf 8,90 Dollar hinunter. Der heutige Sprung holt einen großen Teil dieser Verluste auf einen Schlag zurück.
Neben MARA steigen auch andere Krypto-Werte kräftig. Strategy, der größte Bitcoin-Halter unter den Aktiengesellschaften, hat bereits am Mittwoch 12,7% zugelegt. Twenty One Capital, Riot Platforms und CleanSpark notieren ebenfalls deutlich im Plus. Der Sektor bewegt sich im Gleichschritt, und MARA läuft dabei vorneweg.
Ein Bitcoin-Schatz von 2,5 Milliarden Dollar
MARA Holdings hieß bis August 2024 Marathon Digital und war ursprünglich ein reiner Bitcoin-Miner. Das Unternehmen aus Hallandale Beach in Florida betreibt Rechenzentren, in denen spezialisierte Computer rund um die Uhr neue Bitcoin schürfen. Zum Ende des zweiten Quartals 2026 hielt MARA 35.577 Bitcoin auf der Bilanz. Beim damaligen Kurs von 58.524 Dollar entsprach das einem Wert von 2,1 Milliarden Dollar. Bei 72.000 Dollar je Coin sind es nun rund 2,6 Milliarden Dollar.
Diese Bitcoin-Position erklärt den Hebel. Steigt der Bitcoin-Kurs um 10%, wächst der Wert der Bestände um mehrere Hundert Millionen Dollar. Gleichzeitig werden die selbst geschürften Coins wertvoller, was die Marge im Mining-Geschäft direkt verbessert. Fällt Bitcoin, dreht sich der Effekt um, und zwar heftig.
Parallel dazu baut MARA das Geschäftsmodell um. Das Unternehmen verfügt über 19 Rechenzentren und einen Standort in Texas mit 2 Gigawatt Stromkapazität. Diese Infrastruktur soll künftig nicht mehr nur für Mining, sondern auch für KI-Rechenleistung vermietet werden. Dafür hat MARA ein Joint Venture mit dem Immobilieninvestor Starwood gegründet. Die Idee dahinter ist einfach. KI-Kunden zahlen stabilere und höhere Preise pro Megawatt als das schwankende Mining-Geschäft je liefern kann.
Hohe Schulden treffen auf hohe Verluste
So spektakulär der heutige Sprung aussieht, so wackelig bleibt das Fundament. Im zweiten Quartal 2026 erzielte MARA einen Umsatz von 174,9 Millionen Dollar und verbuchte gleichzeitig einen Nettoverlust von rund 609,7 Millionen Dollar. Ein großer Teil davon entfällt auf Abschreibungen auf die Bitcoin-Bestände, die beim damals niedrigeren Kurs bewertet wurden. Der heutige Anstieg dreht diesen Effekt zumindest teilweise wieder um.
Die Verschuldung liegt bei rund 2 Milliarden Dollar, das Eigenkapital bei etwa 1,7 Milliarden Dollar. Das Working Capital ist leicht negativ. Anders gesagt, MARA trägt eine schwere Last und finanziert sich zu einem guten Teil über seine Bitcoin-Reserven. Solange der Kurs steigt, fühlt sich das komfortabel an. Bei einem neuen Kursrutsch könnte das Unternehmen unter Druck geraten, Bestände zu verkaufen.
Wir halten die Bewertung für ambitioniert, selbst nach dem Kursrückgang der letzten Monate. Das Unternehmen wird mit etwa dem 4,4-fachen Umsatz und dem 2,1-fachen Buchwert gehandelt. Anleger zahlen für eine Option auf steigende Bitcoin-Preise und auf einen erfolgreichen Umbau Richtung KI-Rechenzentren. Beides ist möglich, aber keines davon ist ausgemacht.
Analysten sind sich uneinig
Die Wall Street hat MARA in den vergangenen Wochen eher abgestuft als hochgestuft. Cantor Fitzgerald senkte das Kursziel am 7. August von 14 auf 12 Dollar, hält aber an der Einstufung Overweight fest. Clear Street kürzte am 17. August von 12 auf 10 Dollar und bleibt bei Hold. Morgan Stanley hob sein Ziel von 5,50 auf 6 Dollar an, bleibt damit aber weit unter dem aktuellen Kurs. Rosenblatt sieht die Aktie bei 15 Dollar.
Über 13 Analysten hinweg liegt das durchschnittliche Kursziel laut Benzinga bei 16,44 Dollar. Die Spanne reicht von 5,50 bis 27 Dollar. Eine solche Bandbreite zeigt, wie unterschiedlich die Profis den Wert der Bitcoin-Bestände und den Erfolg des KI-Umbaus einschätzen. Morgan Stanley erwartet bis Jahresende mindestens einen Mietvertrag für KI-Rechenleistung und zwei Standortverträge über das Starwood Joint Venture. Sollte das gelingen, wäre das ein echtes Argument jenseits des Bitcoin-Kurses.
Aus unserer Sicht bleibt MARA vorerst ein Vehikel für Bitcoin-Wetten mit Hebel. Wer an weiter steigende Kurse glaubt, findet hier mehr Bewegung als beim direkten Kauf der Kryptowährung. Wer an der Rally zweifelt, bekommt dieselbe Bewegung in die andere Richtung. Ein Kurssprung von 15% an einem Tag ohne Unternehmensnachricht ist ein Warnsignal für die Volatilität, nicht ein Zeichen für neue Stabilität.
Leases und Bitcoin bleiben die Taktgeber
Die nächsten Quartalszahlen werden voraussichtlich Anfang November 2026 veröffentlicht. Bis dahin schaut der Markt vor allem auf zwei Dinge. Erstmal auf die Bitcoin-Kursentwicklung, denn sie bestimmt den Wert der Bilanz und die Mining-Margen. Dann auf konkrete Vertragsabschlüsse im KI-Geschäft. Sollte MARA den ersten großen Mietvertrag für Rechenleistung bekanntgeben, wäre das der Beweis, dass der Umbau funktioniert.
Zusätzlich bleibt die Regulierung ein Thema. Der CLARITY Act muss noch final verabschiedet werden. Ein Scheitern im Kongress könnte die aktuelle Krypto-Euphorie schnell wieder abkühlen. Anleger sollten den Wert darum weiter als das behandeln, was er ist, ein hochvolatiler Stellvertreter für den Bitcoin-Kurs mit einer spannenden, aber noch unbewiesenen KI-Geschichte obendrauf.
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