Overview
Michael Hohenester gründete Innoscripta mit dem Ziel, ein sperriges Stück deutscher Steuerbürokratie handhabbar zu machen. Seit 2020 können Unternehmen in Deutschland über das Forschungszulagengesetz einen Teil ihrer Aufwendungen für Forschung und Entwicklung steuerlich geltend machen. Der Anspruch besteht, doch der Nachweis ist aufwendig. Projekte müssen fachlich beschrieben, Arbeitszeiten zugeordnet und Belege in einer Form aufbereitet werden, die einer Prüfung standhält. Viele Firmen verzichten deshalb auf Geld, das ihnen zusteht.
Innoscripta baute dafür eine Softwarelösung, die als Dienst über das Internet bereitgestellt wird. Sie digitalisiert die Arbeitsabläufe rund um Forschungsprojekte, dokumentiert sie fortlaufend und erzeugt die Unterlagen für die Bescheinigungsstelle und das Finanzamt. Aus der Antragshilfe wurde über die Jahre eine breitere Plattform für das Management von Forschungs- und Entwicklungsprojekten.
Das Wachstum verlief steil. Von gut neun Millionen Euro Umsatz im Jahr 2022 kletterte das Unternehmen auf gut 37 Millionen Euro im Jahr 2024, der Gewinn nach Steuern stieg im selben Zeitraum von sechs auf 25 Millionen Euro. Mehr als 1.700 Firmen aus über zwanzig Branchen nutzen die Software, die Abwanderungsrate lag nach Unternehmensangaben drei Jahre in Folge unter zwei Prozent. Der Sitz liegt in München, die Erstnotiz erfolgte im Mai 2025.
Management
Gründer Michael Hohenester führte Innoscripta zum Börsengang als CEO. Er begründete den Schritt an die Börse vor allem mit Markenbekanntheit und dem Gesamtprofil des Unternehmens, weniger mit Kapitalbedarf. Bis zum Börsengang war Innoscripta ohne Finanzinvestoren gewachsen, was für ein Softwareunternehmen dieser Größe ungewöhnlich ist.
Alexander Meyer gehört ebenfalls zum Vorstand und verantwortet als Finanzvorstand und Co-Vorstandschef die Zahlen und den Kapitalmarktauftritt. Hohenester und Meyer waren zugleich die verkaufenden Aktionäre beim Börsengang. Im Jahr 2025 rückte Sebastian Schwertlein als Chief Operating Officer in den Vorstand auf, er arbeitete seit 2019 im Unternehmen.
Finanzdaten
Branche
Innoscripta bewegt sich an der Schnittstelle von Steuerberatung, Fördermittelberatung und Unternehmenssoftware. Der Markt entstand mit dem Forschungszulagengesetz von 2020 praktisch neu und wuchs durch spätere Ausweitungen der Förderhöhe. Anspruchsberechtigt ist im Prinzip jedes forschende Unternehmen in Deutschland, vom Mittelständler bis zum Konzern, was den adressierbaren Kundenkreis groß macht.
Der Wettbewerb kommt aus zwei Richtungen. Klassische Steuer- und Förderberatungen betreuen Anträge als Dienstleistung, oft gegen Erfolgshonorar. Daneben stehen Softwareanbieter für Projekt- und Zeiterfassung, die den Nachweis als Zusatzfunktion abbilden. Innoscripta kombiniert beides und verkauft die Lösung als Software statt als Beratungsprojekt, was höhere Margen und bessere Skalierbarkeit ermöglicht.
Das Geschäftsmodell hängt allerdings eng an einer politischen Entscheidung. Würde die Forschungszulage eingeschränkt, verändert oder durch ein anderes Instrument ersetzt, träfe das den Kern des Angebots. Eine Ausweitung der Förderung wirkt umgekehrt als Wachstumstreiber.
Produkte und Services
Kern des Angebots ist eine Software, die den gesamten Weg von der Projekterfassung bis zum Antrag abbildet. Mitarbeiter dokumentieren ihre Forschungstätigkeit, das System ordnet Zeiten und Kosten den Projekten zu und erzeugt daraus die rechtskonformen Unterlagen für die steuerliche Förderung. Kunden zahlen dafür laufende Gebühren, was wiederkehrende Erlöse erzeugt.
Über den reinen Förderantrag hinaus positioniert sich Innoscripta als Plattform für das Management von Forschung und Entwicklung. Dazu gehören Projektsteuerung, Auswertungen und die Vorbereitung weiterer Förderprogramme. Die Profitabilität ist für ein Softwareunternehmen dieser Größe bemerkenswert, die Nettoumsatzrendite lag 2024 bei 38,8 Prozent.
Das Tempo hielt auch nach der Erstnotiz an. In den ersten neun Monaten 2025 stieg der Umsatz um gut 80 Prozent auf 70,7 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um 96 Prozent zu, der Überschuss erreichte 27,9 Millionen Euro.
