Overview
Die Wurzeln reichen bis 1921 zurück, als das Unternehmen in Winterbach östlich von Stuttgart gegründet wurde. Über vier Generationen blieb es im Besitz der Familie Pfisterer und spezialisierte sich auf eine Nische, die kaum jemand wahrnimmt, ohne die aber kein Stromnetz funktioniert. Überall dort, wo elektrische Leiter enden, abzweigen oder auf andere Komponenten treffen, entstehen Schnittstellen, die zuverlässig verbunden und isoliert werden müssen.
Genau diese Schnittstellen sind das Geschäft. Pfisterer entwickelt und fertigt Kabelendverschlüsse, Verbindungsmuffen, Transformatoranschlüsse, Isolatoren und Sicherheitstechnik für Arbeiten an Leitungen. Die Produkte kommen entlang der gesamten Kette zum Einsatz, von der Stromerzeugung über die Übertragung bis zur Verteilung, an Land, auf See und in der Luft. Kunden sind Netzbetreiber, Energieversorger, Hersteller von Windkraftanlagen und Bahnbetriebe.
Das Wachstum ist eng mit der Energiewende verknüpft. Der Ausbau der Übertragungsnetze, die Anbindung von Offshore-Windparks und die zunehmende Bedeutung von Hochspannungs-Gleichstromübertragung erhöhen den Bedarf an spezialisierter Verbindungstechnik. Der Umsatz erreichte 2024 gut 383 Millionen Euro. Im Mai 2025 folgte die Erstnotiz im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse, der erste größere Börsengang des Jahres in Deutschland.
Management
Johannes Linden führte Pfisterer zum Börsengang als Vorstandssprecher und Co-Vorstandschef. Er begründete den Schritt damit, dass sich das Wachstum über klar identifizierte Investitionen beschleunigen lasse und die Unabhängigkeit als spezialisierter Anbieter gewahrt bleibe. Die Formulierung verweist auf ein Motiv, das bei Familienunternehmen häufig eine Rolle spielt, nämlich Kapital aufzunehmen, ohne die Kontrolle an einen Finanzinvestor abzugeben.
Die Gründerfamilie blieb nach dem Börsengang bestimmender Aktionär. Karl-Heinz Pfisterer und Anna Dorothee Stängel traten als Großaktionäre auf und gaben im Rahmen der Emission zu gleichen Teilen Aktien ab. Der angestrebte Streubesitz lag bei mindestens 25 Prozent, alle bestehenden Aktionäre verpflichteten sich zu üblichen Haltefristen.
Finanzdaten
Branche
Pfisterer bewegt sich im Markt für Komponenten der Energieinfrastruktur. Die Nachfrage wird von mehreren Entwicklungen gleichzeitig getragen. Der Umbau der Stromerzeugung hin zu erneuerbaren Quellen erfordert neue Leitungen, weil Wind- und Solarstrom dort entsteht, wo er nicht verbraucht wird. Elektromobilität, Wärmepumpen und Rechenzentren erhöhen den Verbrauch. Alternde Netze in Europa und Nordamerika müssen ohnehin erneuert werden.
Ein besonders dynamisches Feld ist die Hochspannungs-Gleichstromübertragung, im Fachjargon HVDC. Sie transportiert Strom über große Entfernungen mit geringeren Verlusten als Wechselstrom und ist deshalb für Offshore-Anbindungen und lange Trassen gesetzt. Pfisterer arbeitete an der Zulassung entsprechender Kabelsysteme und will in diesem Segment wachsen.
Der Wettbewerb umfasst große Konzerne wie Prysmian, Nexans, NKT und Hubbell sowie spezialisierte Mittelständler. Pfisterer positioniert sich als unabhängiger Spezialist, der nicht selbst Kabel herstellt und deshalb für Kabelhersteller kein direkter Konkurrent ist. Diese Neutralität ist ein Vertriebsargument gegenüber Kunden, die mehrere Lieferanten kombinieren.
Produkte und Services
Das Portfolio gliedert sich in mehrere Produktgruppen. Kabelgarnituren umfassen Endverschlüsse und Muffen, mit denen Hochspannungskabel abgeschlossen oder miteinander verbunden werden. Steckbare Systeme erlauben den Anschluss an Transformatoren und Schaltanlagen ohne aufwendige Montage vor Ort. Freileitungsarmaturen und Isolatoren decken den Bereich der Überlandleitungen ab.
Ein eigener Bereich ist die Sicherheitstechnik, etwa Erdungs- und Kurzschließvorrichtungen, mit denen Monteure Leitungen vor Arbeiten spannungsfrei sichern. Diese Produkte sind vergleichsweise unabhängig von Investitionszyklen, weil sie zur laufenden Wartung gehören.
Die Ertragslage ist für einen Industriezulieferer bemerkenswert. Die bereinigte Marge beim operativen Ergebnis vor Abschreibungen lag zuletzt bei annähernd 17 Prozent. Mittelfristig peilte das Management Umsätze zwischen 665 und 735 Millionen Euro an, bei weiter steigender Marge. Bis zu 30 Prozent des Jahresüberschusses sollen als Dividende ausgeschüttet werden.
