Overview
Planoptik entstand 2005 als Aktiengesellschaft im rheinland-pfälzischen Elsoff im Westerwald. Das Unternehmen besetzt eine Nische der Mikrosystemtechnik, die von außen kaum sichtbar ist. Es fertigt strukturierte Wafer, also runde Scheiben aus Glas, Quarz oder Glas-Silizium-Verbunden, die anschließend zu Sensoren, Testchips oder Halbleitergehäusen weiterverarbeitet werden.
Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Glaslieferanten liegt in der Bearbeitung. Planoptik bringt Löcher, Kavitäten und Kanäle in die Scheiben ein, dünnt sie, beschichtet und metallisiert sie und verbindet sie mit Silizium. Aus dem Rohmaterial wird so ein aktives Bauelement. Die Durchmesser reichen bis 300 Millimeter, also bis zum Format der modernen Halbleiterfertigung.
Die Abnehmer verteilen sich über mehrere Branchen. Die Produkte stecken in mikroelektromechanischen Sensoren, kurz MEMS, wie sie in Autos und Smartphones verbaut sind, in mikrofluidischen Diagnostikgeräten für die Medizin und zunehmend in fortgeschrittenen Verpackungsstrukturen für Halbleiter. Beliefert werden Kunden in über 40 Ländern. Im Jahr 2025 ordnete das Unternehmen sich neu, verkaufte im Dezember die Tochter Airtune, bündelte alle Aktivitäten unter der Marke Planoptik und wechselte im September in den regulierten Markt.
Management
Michael Schilling führt Planoptik als Vorstand und verantwortet die Neuausrichtung. Er dämpfte im Jahresverlauf 2025 die Erwartungen und stellte statt eines steigenden Gewinns ein Ergebnis vor Steuern höchstens auf Vorjahresniveau in Aussicht. Auch die zuvor genannte Umsatzspanne von 12 bis 13 Millionen Euro bezeichnete er als eher am unteren Rand erreichbar.
Der Aufsichtsrat wurde 2025 erweitert, unter anderem zog Anne de Boer in das Gremium ein. Bei einer Organisation mit rund 97 Beschäftigten hängt viel an wenigen Personen, was für Anleger ein Klumpenrisiko darstellt.
Finanzdaten
Branche
Planoptik bewegt sich in der Zulieferkette der Mikrosystemtechnik und Halbleiterfertigung. Der Markt für MEMS-Sensoren durchlief schwierige Jahre. Nach dem Boom während der Pandemie bauten Kunden Lagerbestände ab, 2023 schrumpfte das Marktvolumen sogar. Erst danach setzte eine Erholung ein, die sich in den Auftragsbüchern der Zulieferer verzögert niederschlägt.
Deutlich dynamischer entwickelt sich das fortgeschrittene Halbleiter-Packaging. Weil sich die Strukturen auf Chips kaum noch verkleinern lassen, verlagert sich der Fortschritt in die Verbindung und Verpackung mehrerer Chips. Glas rückt dabei als Trägermaterial in den Fokus, weil es sich präziser bearbeiten lässt als organische Substrate und thermisch stabiler ist. Konzerne wie Intel, Samsung und TSMC arbeiten an Glassubstraten für KI-Chips.
Planoptik ist in dieser Entwicklung ein kleiner Zulieferer in einer angrenzenden Schicht. Das Unternehmen konkurriert nicht mit den Substratplänen der Großkonzerne, könnte aber vom wachsenden Interesse an Glas als Werkstoff profitieren. Wettbewerber sind spezialisierte Waferhersteller sowie Glaskonzerne wie Corning und Schott mit eigenen Aktivitäten.
Produkte und Services
Das Angebot umfasst Wafer und Bauteile in mehreren Ausführungen. Dazu gehören Borosilikat-, Quarz- und Kieselglaswafer, alkalifreie Varianten sowie Verbunde aus Glas und Silizium. Ergänzend liefert Planoptik Trägerwafer für die Fertigung, Verpackungswafer mit Durchgangslöchern und Kavitäten sowie Zwischenlagen und metallisierte Glassubstrate.
Ein zweiter Bereich sind mikrofluidische Komponenten. Dazu zählen Mikroreaktoren, Fluidikchips, Phasentrenner, Pumpen und Druckaufnehmer, wie sie in Chemie, Pharmaindustrie und Medizintechnik eingesetzt werden. Zusätzlich bietet das Unternehmen Fertigungsdienstleistungen an, von mechanischer Bearbeitung über Strukturierung, Dünnung und Beschichtung bis zu Bonden und dreidimensionaler Integration.
Die Größenordnung bleibt klein. Für 2024 wies das Unternehmen ein operatives Ergebnis von 1,02 Millionen Euro aus, nach 2,32 Millionen Euro im Vorjahr, das Ergebnis vor Steuern lag bei 1,09 Millionen Euro. Für 2025 rechnete der Vorstand bestenfalls mit einem Ergebnis auf Vorjahreshöhe.
