Overview
Die Wurzeln von TKMS reichen tief in die deutsche Schiffbaugeschichte. Die Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft und weitere Traditionsbetriebe wurden über Jahrzehnte zusammengeführt und gingen 2005 im Konzern Thyssenkrupp auf. Unter dem Namen Thyssenkrupp Marine Systems entstand daraus Deutschlands wichtigster Marineschiffbauer, spezialisiert auf konventionell angetriebene U-Boote und Überwasserschiffe.
Die strategische Bedeutung wuchs mit der geopolitischen Lage. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erhöhten europäische Staaten ihre Verteidigungsbudgets massiv, wovon der Marineschiffbau besonders profitiert. Der Auftragsbestand von TKMS verdreifachte sich binnen fünf Jahren und erreichte Ende Juni 2025 einen Rekordwert von 18,6 Milliarden Euro, mit Projektlaufzeiten bis in die 2040er Jahre.
Parallel baute das Unternehmen seine technologische Basis aus. Mit der Übernahme von Atlas Elektronik kam Kompetenz in Sonartechnik, Elektronik und Software hinzu, ein Bereich, den CEO Oliver Burkhard als besonders wertvoll bezeichnet. Für Thyssenkrupp war die Abspaltung Teil eines größeren Umbaus. Der Konzern will sich zu einer Finanzholding entwickeln, die eigenständige Unternehmen unter einem Dach hält. Am 8. August 2025 stimmte eine außerordentliche Hauptversammlung der Abspaltung zu, am 20. Oktober 2025 folgte die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse.
Management
Oliver Burkhard führt TKMS als Vorstandsvorsitzender. Er kam aus dem Thyssenkrupp-Konzern, wo er dem Vorstand angehörte, und leitete den Übergang in die Eigenständigkeit. Burkhard beschreibt die Elektronik- und Softwaretechnik als besonderen Wert des Unternehmens, weil Sonarsysteme und autonome Geräte für sogenannte Multi-Domain-Operationen an Bedeutung gewinnen, also für den vernetzten Einsatz über Land, See, Luft und Cyberraum hinweg.
Entscheidend für Anleger ist die Eigentümerstruktur. Thyssenkrupp bleibt mit 51 Prozent strategische Mehrheitsgesellschafterin und hält diesen Anteil über eine neue Holdinggesellschaft. TKMS ist damit kein vollständig unabhängiges Unternehmen, sondern bleibt in wesentlichen Fragen an die Entscheidungen des früheren Mutterkonzerns gebunden. Jede TKMS-Aktie trägt sowohl Stimm- als auch Dividendenrecht.
Finanzdaten
Branche
TKMS bewegt sich im Markt für maritime Verteidigung, einem Segment mit hohen Eintrittsbarrieren. Der Bau von U-Booten erfordert Erfahrung, spezialisierte Werften und staatliche Genehmigungen, weshalb weltweit nur wenige Anbieter existieren. In Europa konkurriert TKMS mit dem französischen Konzern Naval Group, dem italienischen Fincantieri, dem schwedischen Saab Kockums und spanischen Navantia.
Die Nachfrage ist strukturell getrieben. Der Vergleich der Flottengrößen macht das Nachholpotenzial deutlich. Die USA betreiben rund 71 U-Boote, Russland schätzungsweise 64, Deutschland dagegen nur sechs mit sechs weiteren in Auftrag. Ähnliche Lücken bestehen bei vielen europäischen Partnern, die ihre Seestreitkräfte über Jahrzehnte vernachlässigt haben.
Ein zweiter Treiber ist der Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur. Nach mutmaßlichen Sabotageakten an Pipelines und Datenkabeln in europäischen Gewässern rückte die Überwachung des Meeresbodens in den Fokus. Autonome Unterwasserfahrzeuge und Sensorik gewinnen dadurch an Bedeutung, ein Feld, in dem TKMS über Atlas Elektronik gut aufgestellt ist.
Produkte und Services
Das Geschäft ruht auf drei Säulen. Der U-Boot-Bau ist das Kerngeschäft, mit konventionell angetriebenen Booten für Marinen in Europa, Asien und dem Nahen Osten. Diese Boote gelten als besonders leise und sind für Küstengewässer ausgelegt, wo atomgetriebene Boote Nachteile haben.
Der zweite Bereich umfasst Überwasserschiffe, von Fregatten und Korvetten bis zu Spezialschiffen. Zu den Aufträgen zählt der Bau des Forschungsschiffs Polarstern II. Der dritte Bereich ist maritime Elektronik, also Sonare, Führungssysteme, Software und autonome Systeme, überwiegend aus dem Atlas-Elektronik-Geschäft.
Ergänzt wird das Angebot durch Wartung, Modernisierung und Lebenszyklus-Dienstleistungen. Weil ein U-Boot Jahrzehnte im Dienst bleibt, entstehen daraus über die gesamte Nutzungsdauer wiederkehrende Erlöse. Nach eigenen Angaben ist TKMS Europas einziger vollständig integrierter Systemanbieter für maritime Verteidigung, der U-Boot- und Überwasserkompetenz mit maritimer Elektronik verbindet. Gezielte Investitionen, Strukturoptimierung und die Integration von Atlas Elektronik verkürzten laut Thyssenkrupp die Projektlaufzeiten und verbesserten die Margen.
