Overview
Ulrich Gabler hatte sich als U-Boot-Konstrukteur bereits einen Namen gemacht, bevor er zum Unternehmer wurde. Seit 1947 führte der Professor das Ingenieurkontor Lübeck, 1962 gründete er die Gabler Maschinenbau GmbH. Der Betrieb entwickelte hochtechnologische Mastsysteme für U-Boote, also jene ausfahrbaren Geräte, mit denen ein getauchtes Boot beobachten, funken und Luft ansaugen kann. Den Anfang machte die Ausstattung sämtlicher konventionell angetriebener deutscher U-Boot-Klassen.
Über die Jahrzehnte wuchs die Firma zum weltweit gefragten Spezialisten. Die Mastsysteme aus Lübeck sind auf mehr als 165 U-Booten verbaut, Kunden sind Marinen, Arsenale und Werften in über 30 Ländern. Seit 2013 gehört das Unternehmen zur Lübecker Possehl-Gruppe, einer Industrieholding im Besitz der gemeinnützigen Possehl-Stiftung. Mit dem Amtsantritt von David Schirm im Jahr 2019 begann der Umbau. Schirm restrukturierte den Betrieb, erweiterte die Kundenbasis und kaufte Technologiefirmen zu, darunter den Spezialisten für Unterwasserkommunikation develogic. Aus dem Maschinenbauer wurde so die Gabler Group.
Der Sitz liegt in Lübeck, wo mehr als 140 Beschäftigte arbeiten. Für den Börsengang wandelte sich die GmbH in eine Aktiengesellschaft um. Seit März 2026 notiert die Gabler Group AG im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse.
Management
Seit 2019 führt David Schirm das Unternehmen, seit der Umwandlung in eine AG als Vorstandsvorsitzender. Er verantwortet den Umbau vom klassischen Maschinenbauer zur breiter aufgestellten Technologiegruppe und trieb die Zukäufe im Bereich Unterwassertechnologie voran. Sein erklärtes Ziel war es, Gabler zu einem international aufgestellten Anbieter der Meerestechnik auszubauen.
Zum Vorstand gehört zudem Ole Johannsen als Chief Sales Officer, der gemeinsam mit Schirm den Börsengang begleitete. Die Possehl-Gruppe bleibt nach dem IPO Minderheitsaktionärin und hat sich zu einer üblichen Haltefrist verpflichtet.
Finanzdaten
Branche
Gabler operiert in der Marine- und Meerestechnik, einem Nischenmarkt mit hohen technischen Hürden. Die Nachfrage wird von zwei Entwicklungen getrieben. Erstens rüsten immer mehr Staaten ihre Seestreitkräfte auf, weltweit betreiben über 40 Marinen U-Boote mit steigender Tendenz. Zweitens rückt der Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur in den Fokus, also von Pipelines, Strom- und Datenkabeln, nachdem es in europäischen Gewässern zu Sabotageverdachtsfällen kam.
Der Markt für U-Boot-Mastsysteme ist stark konzentriert, Gabler sieht sich nach eigenen Angaben als europäischer Marktführer bei Ausfahrgeräten für konventionelle U-Boote. Zu den Kunden zählen der ebenfalls börsennotierte U-Boot-Bauer TKMS und der Sensorspezialist Hensoldt. An der Börse ordnet sich Gabler als Small Cap unter den deutschen Verteidigungswerten ein, deutlich kleiner als Rheinmetall, Hensoldt oder Renk. Die Größenordnung ähnelt der von Steyr Motors, das 2024 in Frankfurt an den Start ging.
Produkte und Services
Das Kerngeschäft sind Ausfahrgeräte und Mastsysteme für U-Boote, also hydraulisch und elektrisch betriebene Systeme für Periskope, Antennen, Sensoren und Schnorchel. Dazu liefert Gabler Antriebs- und Steuerungssysteme, Kommunikationsbojen sowie Technik für die Kommunikation aus großer Tiefe. Ein wichtiges Zusatzgeschäft sind Wartung und Lebenszyklus-Dienstleistungen über die lange Laufzeit der Boote hinweg.
Durch Zukäufe kamen weitere Felder hinzu. Die Gruppe entwickelt drahtlose Unterwasserkommunikation, autonome Überwachungssysteme, Unterwasser-Stromversorgung für Sensoren und unbemannte Fahrzeuge sowie vollautonome Überwasserdrohnen, die im Schwarm operieren können. Ergänzt wird das Portfolio um Ausrüstung für Spezialkräfte wie die Kampfschwimmer der Bundeswehr. Der Umsatz lag 2025 bei 61,7 Millionen Euro, das operative Ergebnis EBIT bei 16,5 Millionen Euro. Diese Marge von über 25 Prozent zeigt, wie profitabel das Nischengeschäft ist.
