Bei Klarna erwartet der Markt einen heftigen Ausschlag

Klarna (NYSE: KLAR) veröffentlicht am Dienstag vor US-Handelsbeginn die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026. Die Telefonkonferenz startet um 14.30 Uhr deutscher Zeit. Das Unternehmen selbst hatte einen Umsatz zwischen 960 Millionen und einer Milliarde Dollar in Aussicht gestellt. Im Vorjahresquartal waren es 823 Millionen Dollar.
Bemerkenswerter als die Prognose ist die Erwartungshaltung am Terminmarkt. Der Optionsmarkt preist für den Handelstag nach dem Bericht eine Kursbewegung von rund 20 Prozent ein, ohne Richtungsangabe. Für einen Konzern mit knapp acht Milliarden Dollar Börsenwert ist das eine sportliche Zahl. Sie zeigt, wie wenig sich der Markt bei diesem Titel auf ein Szenario festlegen mag.
Morgan Stanley hob das Kursziel am Freitag von 18 auf 21 Dollar an und rechnet mit einem Übertreffen der Erwartungen, bleibt beim Votum aber neutral. Die Aktie schloss zuletzt bei 20,79 Dollar.
Vom Ratenzahler zur Bank
Klarna kennt in Deutschland fast jeder aus dem Bezahlfenster beim Online-Shopping. Das schwedische Unternehmen wurde 2005 gegründet und ist heute nach eigenen Angaben in mehr als 26 Ländern aktiv. Rund 119 Millionen aktive Nutzer wickeln täglich etwa 3,4 Millionen Transaktionen ab, über eine Million Händler akzeptieren die Zahlart.
Das Produktangebot ruht auf drei Säulen. Sofortzahlung für den Alltag, Zahlung nach Lieferung ohne Zinsen für mittlere Beträge und klassische Ratenfinanzierung über Laufzeiten von drei bis 48 Monaten für teure Anschaffungen. Der Begriff Buy Now Pay Later beschreibt vor allem die mittlere Variante, in der Klarna groß geworden ist.
Seit dem Börsengang verschiebt sich das Selbstverständnis. Klarna positioniert sich als digitale Bank, nicht mehr als Bezahldienstleister. In den USA gibt es inzwischen einsatzbereite Sparkonten mit Einlagensicherung und einer Verzinsung ab 3,28 Prozent, abgewickelt über die Partnerbank WebBank. Anfang Juli reichte das Unternehmen zudem einen Antrag auf eine eigene US-Banklizenz ein. Gelingt der Schritt, kann Klarna Kredite künftig mit eigenen Einlagen finanzieren statt über den Kapitalmarkt. Das würde die Refinanzierungskosten deutlich senken. Parallel läuft in Utah ein Antrag auf eine sogenannte Industriebanklizenz, ein in den USA verbreiteter Weg für Technologieunternehmen ins regulierte Bankgeschäft.
Das erste Quartal war der Wendepunkt
Im Mai lieferte Klarna Zahlen, die den Kurs zweistellig nach oben trieben. Das abgewickelte Volumen stieg um 33 Prozent auf 33,7 Milliarden Dollar, in den USA sogar um 39 Prozent. Der Umsatz kletterte um 44 Prozent auf 1,01 Milliarden Dollar und lag damit erstmals über der Milliardengrenze.
Wichtiger als die Wachstumszahlen war die Ertragsseite. Der Transaktionsmargenbeitrag, also das was nach Zahlungs- und Kreditkosten übrig bleibt, legte um 44 Prozent auf 389 Millionen Dollar zu. Das entspricht einer Marge von 38 Prozent. Der bereinigte operative Gewinn sprang auf 68 Millionen Dollar nach 3 Millionen Dollar im Vorjahr. Unter dem Strich blieb ein Verlust von nur noch 5 Millionen Dollar stehen, ein Rückgang um 95 Prozent. Analysten hatten mit 19 Cent Verlust je Aktie gerechnet, geworden ist daraus knapp ein Cent.
Damit ist die entscheidende Frage bei Klarna nicht mehr das Wachstum, sondern ob die Skalierung hält. Das Management peilt langfristig eine Transaktionsmarge von 50 Prozent und eine bereinigte operative Marge von 25 Prozent an. Ein positives Ergebnis je Aktie erwartet der Konzern für das Geschäftsjahr 2027. Die Zahl der Handelspartner lag zum Quartalsende bei 1,07 Millionen, was den Netzwerkeffekt gut beschreibt. Je mehr Händler die Zahlart anbieten, desto häufiger landen Kunden in der App.
Ein Sommer voller Ankündigungen
Zwischen den Quartalen häuften sich die Meldungen. Ende Juli wurde bekannt, dass Klarna das Leasingprogramm Apple Upgrade in den USA abwickelt. Kunden können iPhones, Macs, iPads und Apple Watches monatlich mieten, der Einstiegspreis liegt bei 17,99 Dollar im Monat für ein iPhone. Die Aktie sprang auf die Nachricht hin um 8 Prozent.
Anfang August ging außerdem die erste Integration mit J.P. Morgan Payments live. Händler auf deren Plattform in den USA können Klarna nun ohne eigene technische Anbindung anbieten. Dazu kamen Partnerschaften mit Southwest Airlines und dem Fernbusanbieter Flix.
Auf der Finanzierungsseite baut Klarna konsequent um. Im Juli sicherte sich das Unternehmen in Deutschland eine Fazilität über 900 Millionen Euro, mit der Forderungen laufend verkauft werden können und die eine Kreditausweitung von 5 Milliarden Euro stützen soll. Eine Verbriefung über 518 Millionen Dollar soll Kredite von bis zu 12 Milliarden Dollar ermöglichen. Der Ansatz lautet, Volumen zu wachsen ohne die eigene Bilanz aufzublähen. Ein juristischer Erfolg kam ebenfalls hinzu, in einem langen Rechtsstreit mit PriceRunner wurden Klarna im Juli Schadenersatzansprüche von 1,97 Milliarden Dollar zugesprochen.
Warum die Aktie trotzdem tief steht
Der Blick auf den Chart erklärt die Nervosität. Klarna ging am 10. September 2025 an die New Yorker Börse und sammelte 1,37 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von über 17 Milliarden Dollar ein. Die Spanne der vergangenen zwölf Monate reicht von 12,06 bis 57,20 Dollar. Im Februar rutschte der Kurs auf ein Jahrestief von 12,30 Dollar, seither hat sich das Papier auf rund 20 Dollar erholt.
Der Börsenwert liegt damit bei etwa 7,9 Milliarden Dollar und deutlich unter dem Niveau des Börsengangs. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Umsatz von 3,82 Milliarden Dollar bei einem Nettoverlust von 198 Millionen Dollar. Aus dem Kreis der 22 erfassten Analysten lautet das Durchschnittsurteil Kaufen bei einem mittleren Kursziel von 24,40 Dollar. Goldman Sachs nennt 25 Dollar, Keefe Bruyette 26 Dollar, UBS 23 Dollar. Barclays und Bernstein bleiben zurückhaltend.
Aus unserer Sicht liegen die Risiken weniger im Wachstum als in der Kreditqualität. Klarna verdient Geld, indem es Verbrauchern kurzfristig Liquidität vorstreckt. Wenn der amerikanische Konsument schwächelt, und die Einzelhandelsdaten vom Juli deuten in diese Richtung, steigen die Ausfallquoten genau dann, wenn das Volumen sinkt. Dazu kommt Wettbewerb von Affirm, PayPal und den Kreditkartenanbietern. Wir halten die Aktie deshalb für einen Titel, bei dem einzelne Quartale enorm viel bewegen können.
Der nächste Katalysator ist die Banklizenz
Kurzfristig entscheidet am Dienstag die Transaktionsmarge über die Reaktion. Bleibt sie bei 38 Prozent oder darüber, während das Volumen weiter zweistellig wächst, wäre der Trend aus dem ersten Quartal bestätigt. Ein Rückgang der Marge bei gleichzeitig steigenden Kreditkosten wäre das Gegenteil.
Mittelfristig hängt viel an der US-Banklizenz. Eine Genehmigung würde Klarna Zugang zu günstigen Einlagen verschaffen und das Geschäftsmodell strukturell verbessern. Ein Fintech-Unternehmen bekäme damit die Kostenbasis einer Bank. Wann die Aufsicht entscheidet, ist offen. Beobachten sollten Anleger außerdem, wie schnell die neuen Partnerschaften mit Apple und J.P. Morgan tatsächlich Volumen liefern, denn diese Zahlen dürften erst im dritten und vierten Quartal sichtbar werden.
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