Motorenbauer Steyr Motors kommt über Mutares an die Frankfurter Börse
19.08.2026
Steyr Motors entwickelt und baut Spezialmotoren mit hoher Leistungsdichte, die vor allem in Militärfahrzeugen, militärischen und zivilen Booten sowie als Hilfsaggregate in Kampfpanzern und Lokomotiven eingesetzt werden. Rund 60 Prozent des Umsatzes stammten in den ersten neun Monaten 2024 aus militärischen Anwendungen. Das österreichische Unternehmen erreichte im selben Zeitraum eine bereinigte EBIT-Marge von 24 Prozent bei einem Auftragsbestand von 150 Millionen Euro.
Overview
Manchmal ist der beste Einstiegspreis ein Euro. Genau so viel zahlte die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares im November 2022 an Thales Austria für Steyr Motors, ein Unternehmen, das damals als Sanierungsfall galt. Zwei Jahre später steht der Motorenbauer aus dem oberösterreichischen Steyr an der Frankfurter Börse, mit 24 Prozent bereinigter EBIT-Marge und einem Auftragsbestand von 150 Millionen Euro. Für Mutares war es der sechste Exit des Jahres 2024.
Steyr Motors baut keine Massenware, sondern Spezialmotoren mit außergewöhnlich hoher Leistungsdichte, die vor allem dort gebraucht werden, wo wenig Platz und viel Leistung zusammenkommen. Als eigenständiges Unternehmen existiert die Firma seit 2001 nach einem Management-Buyout, die Wurzeln des Industriestandorts Steyr reichen bis zur Waffenfabrik von Josef Werndl aus dem Jahr 1864 zurück.
Management zum Zeitpunkt des Börsengangs
Auch nach dem Börsengang bleibt Mutares mit 70,9 Prozent klarer Mehrheitsaktionär und hat angekündigt, langfristig an Bord zu bleiben. Verkauft wurden lediglich rund 21 Prozent der Gesellschaft.
Neu dazu kam ein prominenter Ankeraktionär, denn die B&C Holding Österreich erwarb im Rahmen der Platzierung 9,9 Prozent zum Ausgabepreis. Die B&C-Gruppe ist eine österreichische Industrieholding, die als langfristig orientierter Eigentümer gilt, was für einen Nebenwert dieser Größe ein wichtiges Signal ist. Ein Detail zur Struktur am Rande, denn die börsennotierte Steyr Motors AG entstand kurz vor dem Listing durch Verschmelzung der operativen Steyr Motors Betriebs GmbH auf eine Mutares-Holding.
Branche
Der Rückenwind kommt aus derselben Richtung wie bei RENK, nämlich aus den steigenden Verteidigungsbudgets. Rund 60 Prozent des Umsatzes erzielte Steyr Motors in den ersten neun Monaten 2024 mit militärischen Anwendungen, und das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in den wachsenden Verteidigungsmärkten der USA, Asiens und Europas gut positioniert.
Die Nische ist dabei enger, als es zunächst klingt. Es geht um Motoren, die in Militärfahrzeugen unter extremen Bedingungen laufen müssen, um Antriebe für Boote und um Hilfsaggregate, die in Kampfpanzern und Lokomotiven Strom erzeugen, wenn der Hauptmotor aus ist. Solche Produkte werden über Jahre qualifiziert und dann über die gesamte Lebensdauer der Plattform geliefert. Das schafft Bindung, macht aber auch abhängig von wenigen großen Programmen.
Produkte
Das Portfolio baut auf einer Motorenfamilie mit unterschiedlichen Anwendungen auf.
- •Militärfahrzeuge Kompakte Hochleistungsmotoren für Spezialfahrzeuge, das umsatzstärkste Segment.
- •Marine Antriebe für militärische und zivile Boote, ein Bereich, in dem Steyr früh auch Hybridantriebe für Dieselmotoren in Serie brachte.
- •Hilfsaggregate Stromerzeuger für Kampfpanzer und Lokomotiven, die den Betrieb ohne laufenden Hauptmotor ermöglichen.
Outlook
Die Ziele sind ambitioniert. Für 2024 stellte der Vorstand 41 bis 45 Millionen Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 9 bis 11 Millionen Euro in Aussicht, für 2025 dann über 40 Prozent Umsatzwachstum, eine bereinigte EBIT-Marge über 20 Prozent und mehr als 1.250 produzierte Einheiten. Bis 2027 soll sich das bereinigte EBIT vervierfachen.
Die Bilanz gibt dafür Rückhalt, denn zum 30. September 2024 verfügte Steyr Motors über eine Nettoliquidität von 8,6 Millionen Euro ohne zinstragende Bankschulden. Anleger sollten allerdings die Größenordnung im Blick behalten. Mit einer Marktkapitalisierung von 82,7 Millionen Euro zum Handelsstart und einer Notierung im Freiverkehr statt im regulierten Markt ist das ein Nebenwert mit entsprechend dünnem Handel und geringeren Transparenzpflichten. Und Mutares ist eine Beteiligungsgesellschaft, deren Geschäftsmodell im Verkaufen besteht, weitere Anteilsabgaben sind über die Zeit wahrscheinlich.
Details zum IPO
Platziert wurden 1.110.000 Aktien zu je 14,00 Euro bei institutionellen Investoren, insgesamt 15,54 Millionen Euro. Nur 200.000 davon waren neue Aktien aus einer am 23. Oktober beschlossenen Kapitalerhöhung, die übrigen 910.000 stammten aus dem Bestand von Mutares, die daraus rund 12,7 Millionen Euro erlöste. Ein öffentliches Angebot für Privatanleger gab es nicht.
Sole Global Coordinator war Hauck Aufhäuser Investment Banking. Die Einbeziehung in den Handel im Scale-Segment des Freiverkehrs der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgte am 30. Oktober 2024, der erste Kurs lag bei 15,90 Euro und damit 13,6 Prozent über dem Platzierungspreis.
Bewertungskriterien
Bereinigte EBIT-Marge von 24 Prozent in den ersten neun Monaten 2024
Auftragsbestand von 150 Mio. Euro bis Ende 2027 bei 41 bis 45 Mio. Euro Jahresumsatz
Nettoliquidität von 8,6 Mio. Euro ohne zinstragende Bankschulden
B&C Holding steigt als langfristig orientierter Ankeraktionär mit 9,9 Prozent ein
Nur 200.000 neue Aktien, der Großteil des Erlöses ging an Mutares
Notierung im Freiverkehr statt im regulierten Markt, geringere Transparenzpflichten
Kleiner Nebenwert mit 82,7 Mio. Euro Marktkapitalisierung und dünnem Handel
Mutares hält 70,9 Prozent und dürfte als Beteiligungsgesellschaft weiter verkaufen
Transparenzhinweis
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