Overview
Die Wurzeln von UL Solutions reichen ins Jahr 1893 zurück. Damals sollte der junge Elektroingenieur William Henry Merrill Jr. die elektrischen Installationen der Weltausstellung in Chicago auf Brandrisiken prüfen. Aus dieser Arbeit entstand 1894 ein kleines Prüflabor über einer Feuerwehrwache, ausgestattet mit 350 Dollar an Equipment. Im Jahr 1901 wurde die Organisation als gemeinnützige Underwriters Laboratories in Illinois eingetragen. Über mehr als ein Jahrhundert entwickelte sie sich zu einer prägenden Instanz für Produktsicherheit in den USA.
Im Jahr 2012 lagerte die Non-Profit-Organisation das kommerzielle Prüf- und Zertifizierungsgeschäft in eine gewinnorientierte Tochter aus. Eine grundlegende Neuordnung folgte 2022 mit der Aufspaltung in drei eigenständige Einheiten. UL Solutions führt seither das operative Geschäft. Die Organisationen UL Standards & Engagement und UL Research Institutes verantworten als Non-Profits weiterhin Normung und Sicherheitsforschung. Diese Trennung ebnete den Weg für den Börsengang im April 2024.
Der Hauptsitz liegt in Northbrook im US-Bundesstaat Illinois. UL Solutions beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen unterhält ein globales Netz aus Laboren und Niederlassungen in Nordamerika, Europa und Asien. Das UL-Prüfzeichen in seiner charakteristischen Kreisform findet sich auf Milliarden Produkten weltweit. Das Siegel ist eines der ältesten und bekanntesten im Konsum- und Industriebereich.
Management
Jennifer Scanlon leitet UL Solutions seit Oktober 2019 als CEO. Vor ihrem Wechsel führte sie den US-Baustoffhersteller USG Corporation als CEO. Im Jahr 2018 verkaufte sie USG für rund 7 Milliarden Dollar an den deutschen Konzern Knauf. Scanlon hält einen MBA der University of Chicago Booth School of Business und begann ihre Karriere bei IBM in Service-Delivery-Positionen.
Chief Financial Officer ist Ryan Robinson, der die Funktion seit Mai 2017 ausübt. Er war damit bereits in der Phase als Non-Profit-Tochter im Amt. Robinson war zuvor CFO bei Sears Hometown and Outlet Stores sowie davor in verschiedenen Finanzrollen bei Best Buy tätig. Den Bereich Testing, Inspection & Certification leitet Weifang Zhou, der das operative Kerngeschäft des Unternehmens verantwortet.
Finanzdaten
Branche
UL Solutions ist im Markt für Testing, Inspection and Certification aktiv, kurz TIC. Verschiedene Marktforschungsinstitute schätzen das globale Marktvolumen auf 250 bis 275 Milliarden Dollar pro Jahr. Die Branche umfasst alle Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsdienstleistungen. Unternehmen nehmen sie für Produkte, Anlagen und Lieferketten in Anspruch, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Der Markt ist stark fragmentiert. Die zehn größten Anbieter kommen zusammen auf weniger als 40 Prozent Marktanteil.
Wichtige globale Wettbewerber sind die Schweizer SGS, die französische Bureau Veritas und die britische Intertek. Aus Deutschland kommen TÜV SÜD, TÜV Rheinland und DEKRA. Hinzu kommen Eurofins aus Luxemburg, DNV aus Norwegen und Applus+ aus Spanien. Innerhalb dieser Gruppe ist UL Solutions deutlich kleiner als SGS oder Bureau Veritas. Die starke Verankerung im US-Markt und das bekannte UL-Prüfzeichen sichern dem Unternehmen aber eine differenzierte Position. Speziell bei Konsumelektronik, Haushaltsgeräten und Industrieprodukten für den amerikanischen Markt ist die UL-Zertifizierung in vielen Fällen faktisch unverzichtbar.
Die Branche profitiert strukturell von mehreren langfristigen Trends. Die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr und Industrie treibt die Nachfrage. Der Ausbau erneuerbarer Energien und die wachsende Bedeutung von Batterietechnologien erhöhen den Bedarf an Tests und Zertifizierungen zusätzlich. Regulatorische Anforderungen in den Bereichen Cybersicherheit, Nachhaltigkeit und Lieferkettentransparenz kommen hinzu. Der Wettbewerb intensiviert sich allerdings durch Konsolidierung. Große Anbieter wie SGS oder Bureau Veritas treiben aktiv Übernahmen voran, um Spezialisten in Nischenbereichen wie Cybersecurity oder ESG-Verifizierung zu integrieren.
Produkte und Services
UL Solutions gliedert sein Geschäft in drei Segmente. Das Industrial-Segment ist der größte Bereich und umfasst Tests und Zertifizierungen für elektrische Produkte, erneuerbare Energien, Industrieautomation, Bauwesen und Werkstoffe. Hierzu gehören etwa Prüfungen von Solarmodulen, Windenergieanlagen, Batterien für Elektrofahrzeuge oder Niederspannungsschaltgeräten. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete das Industrial-Segment rund 1,25 Milliarden Dollar Umsatz. Es trug damit den größten Anteil zum Konzernumsatz von 2,9 Milliarden Dollar bei. Die operative Marge liegt bei über 25 Prozent.
Das Consumer-Segment ist mit einem Umsatz im ähnlichen Größenbereich der zweitwichtigste Bereich. Es richtet sich an Hersteller von Konsumelektronik, Haushaltsgeräten, Medizingeräten, Beleuchtung, Klimatechnik und Informationstechnologie. Geprüft werden hier elektromagnetische Verträglichkeit, drahtlose Konnektivität, Funktionssicherheit und Konformität mit globalen Marktzugangsbestimmungen. Konsumelektronik-Tests reichen von Smartphones und Smart-Home-Geräten bis zu Wearables.
Das Segment Software and Advisory trägt mit Umsätzen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich am wenigsten zum Konzernergebnis bei. Es dient strategisch dazu, die Kundenbindung zu vertiefen. Über die Plattform ULTRUS bietet das Unternehmen Softwarelösungen für regulatorisches Management, Lieferkettentransparenz und Nachhaltigkeitsberichterstattung an. Hinzu kommen Beratungsdienste etwa für ESG-Themen oder Projekte im Bereich erneuerbare Energien. Die Erlöse stammen überwiegend aus laufenden Zertifizierungen und wiederkehrenden Prüfaufträgen, was UL Solutions eine vergleichsweise gut planbare Umsatzbasis verschafft.
