Overview
Der Ingenieur Charles Taylor und der Gefäßchirurg Christopher Zarins arbeiteten an der Stanford University an einer Frage, die vor ihnen niemand gelöst hatte. Lässt sich aus einem medizinischen Bild berechnen, wie das Blut durch die Herzkranzgefäße strömt? Beide verfolgten damit dasselbe Ziel, nämlich die koronare Herzkrankheit ohne Eingriff präzise zu beurteilen. Rund 15 Jahre Forschung an patientenspezifischer Strömungsmodellierung lagen zwischen der Idee und einem einsatzfähigen Produkt.
Im Juli 2007 gründeten sie gemeinsam das Unternehmen, zunächst unter dem Namen Cardiovascular Simulation, seit 2009 als Heartflow. Der Ansatz kombiniert numerische Strömungsmechanik mit maschinellem Lernen. Aus den Daten einer Computertomographie der Herzkranzgefäße entsteht ein individuelles dreidimensionales Modell, an dem sich der Blutfluss simulieren lässt. Ärzte erkennen so, ob eine sichtbare Verengung tatsächlich die Durchblutung beeinträchtigt, ohne einen Katheter zu legen.
Die Entwicklung verschlang enorme Summen. Bis zum Börsengang sammelte Heartflow über verschiedene Runden einen dreistelligen Millionenbetrag ein, unter anderem von Bain Capital, Wellington, US Venture Partners und Capricorn Investment Group. Zum 30. September 2025 stand ein aufgelaufener Verlust von rund 1,1 Milliarden Dollar in den Büchern. Der Sitz liegt in Mountain View in Kalifornien, der Börsengang an der Nasdaq folgte im August 2025.
Management
John Farquhar führt Heartflow seit März 2022 als President und CEO. Er kam im August 2021 als Chief Operating Officer an Bord und rückte wenige Monate später an die Spitze. Zuvor arbeitete er über zwei Jahrzehnte bei Medtronic, zuletzt als Vice President und General Manager des Aortengeschäfts, davor in Führungsrollen im Herz-Kreislauf- und Diabetesgeschäft des Konzerns. Sein Profil ist das eines Vertriebs- und Betriebsmanagers aus der Medizintechnik, nicht das eines Forschers.
Die Gründer blieben dem Unternehmen verbunden. Charles Taylor gehört dem Verwaltungsrat an, Christopher Zarins verantwortete lange den Bereich medizinische Angelegenheiten. Den Vorsitz des Verwaltungsrats führte William Weldon, früherer Konzernchef von Johnson & Johnson.
Finanzdaten
Branche
Heartflow bewegt sich im Markt für kardiologische Diagnostik. Die koronare Herzkrankheit ist weltweit die häufigste Todesursache, entsprechend groß ist der Bedarf an zuverlässiger Abklärung. Der klassische Weg führte über eine invasive Herzkatheteruntersuchung, die Risiken birgt, Klinikkapazität bindet und teuer ist. Ein erheblicher Teil dieser Eingriffe endet ohne Befund, der eine Behandlung rechtfertigt.
Genau hier setzt der Wandel an. Die Computertomographie der Herzkranzgefäße rückte in den Leitlinien nach vorn, unter anderem in der Leitlinie zu Brustschmerz der amerikanischen Kardiologenverbände ACC und AHA. Heartflow profitiert davon unmittelbar, weil seine Analyse auf genau diesen Aufnahmen aufsetzt. Nach Unternehmensangaben stützen über 600 begutachtete Veröffentlichungen die Technologie.
Der Wettbewerb wächst. Cleerly analysiert ebenfalls Plaque in den Herzkranzgefäßen, dazu kommen breiter aufgestellte Anbieter medizinischer Bildanalyse wie Aidoc sowie die Bildgebungssparten großer Medizintechnikkonzerne. Der entscheidende Faktor bleibt die Erstattung durch Krankenversicherer, denn ohne Kostenübernahme setzt sich keine Diagnostik durch.
Produkte und Services
Verkauft wird kein Gerät, sondern eine Auswertung. Kliniken laden die Daten einer Computertomographie hoch und erhalten von Heartflow eine Analyse zurück. Abgerechnet wird pro Untersuchung, die Erstattung erfolgt über Medicare, private Versicherer und in Großbritannien über den staatlichen Gesundheitsdienst NHS. Dieses Modell bringt wiederkehrende Erlöse, sobald eine Klinik den Ablauf in ihren Alltag integriert hat.
Die Plattform Heartflow One bündelt drei Analysen. Die Roadmap-Analyse liefert eine anschauliche Darstellung der Herzkranzgefäße, die FFRCT-Analyse berechnet den Blutfluss und zeigt, welche Verengung klinisch bedeutsam ist. Die Plaque-Analyse bewertet Menge und Zusammensetzung der Ablagerungen in den Gefäßwänden, was Hinweise auf das künftige Risiko gibt.
Das Geschäft wuchs deutlich. Der Umsatz stieg von rund 126 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf etwa 161 Millionen Dollar im Jahr 2025. Profitabel ist Heartflow damit noch nicht, das Unternehmen schrieb seit der Gründung durchgehend Verluste.
