Overview
Hinter NeOnc Technologies steht der Neurochirurg Dr. Thomas Chen, der seit den 1990er Jahren an der University of Southern California Patienten mit Hirntumoren operiert und parallel im Labor an neuen Therapieansätzen forscht. Aus dieser doppelten Rolle als Operateur und Forscher entstand 2008 die Vorgängergesellschaft NAS-ONC, Inc., die ein Jahr später in NeOnc Technologies umbenannt wurde. Die Idee war, einen Weg zu finden, Wirkstoffe an der Blut-Hirn-Schranke vorbei direkt ins Gehirn zu transportieren, weil klassische Chemotherapie bei Glioblastomen und ähnlichen Tumoren oft kaum Wirkung zeigt.
Über mehr als ein Jahrzehnt baute Chen mit seinem Team an der USC ein umfangreiches Patentportfolio rund um die intranasale Verabreichung modifizierter Monoterpene auf. 2023 schloss NeOnc eine exklusive globale Lizenzvereinbarung mit der Hochschule, die mehr als 130 US-Patente umfasst und Schutzrechte bis 2038 sichert. Im selben Jahr stieg Amir Heshmatpour, Gründer der Investmentgesellschaft AFH Holding & Advisory, als Executive Chairman ein und übernahm die Vorbereitung des Börsengangs.
Sitz der Holding ist Calabasas in Kalifornien, im Großraum Los Angeles. Das Unternehmen ist ein klinisches Biotech-Unternehmen ohne marktreifes Produkt und beschäftigt nur einige wenige festangestellte Mitarbeiter. Der größte Teil der Forschung läuft über Kooperationen mit USC, externen klinischen Forschungsorganisationen und einem wissenschaftlichen Beirat mit Vertretern der Duke University und der NYU Langone Health.
Management
Gründer Thomas Chen führte NeOnc von der Gründung 2008 bis November 2025 als CEO. Im Zuge einer Neuordnung gab er den Vorstandsposten ab, um sich als Chief Medical Officer und Chief Scientific Officer wieder stärker auf die klinische Entwicklung zu konzentrieren. Chen ist board-zertifizierter Neurochirurg, leitet die Surgical Neuro-Oncology an der USC und ist tenured Professor an der Keck School of Medicine. Sein medizinischer Hintergrund prägt die wissenschaftliche Ausrichtung des Unternehmens.
Seit November 2025 leitet Amir Heshmatpour das Unternehmen als CEO und ist gleichzeitig President sowie Executive Chairman des Boards. Er hatte zuvor seit April 2025 die Rolle des President inne. Heshmatpour gründete 2005 die Investmentgesellschaft AFH Holding & Advisory und hat nach eigenen Angaben Transaktionen im Volumen von mehreren Milliarden Dollar begleitet. CFO ist seit April 2023 Keithly Garnett, der zuvor mehr als 17 Jahre bei Ernst & Young in der Transaction Advisory Services Praxis tätig war und Bewertungsmodelle für Unternehmen wie Amgen, Edwards Lifesciences oder Medtronic verantwortete.
Finanzdaten
Branche
NeOnc operiert im Markt für Hirntumortherapien, einem Spezialsegment der Onkologie. Marktforscher von Mordor Intelligence beziffern das globale Volumen für 2025 auf rund 3,2 Milliarden Dollar und erwarten einen Anstieg auf etwa 4,9 Milliarden Dollar bis 2031. Das stärkste Segment ist Glioblastom, das laut den gleichen Daten etwa die Hälfte des Marktwerts ausmacht. Andere Schätzungen wie die von Future Market Insights kommen auf ähnliche Größenordnungen mit jährlichen Wachstumsraten zwischen acht und zehn Prozent.
Der Wettbewerb wird von einer überschaubaren Zahl großer Pharmaunternehmen geprägt. Roche dominiert mit dem Angiogenesehemmer Avastin, Merck verkauft seit den frühen 2000er Jahren die Standardchemotherapie Temodar mit dem Wirkstoff Temozolomid, dazu kommen Bristol-Myers Squibb mit Opdivo und Novartis mit zielgerichteten Inhibitoren. 2024 hat die FDA mit Vorasidenib von Servier zudem einen oralen IDH-Inhibitor für niedriggradige Gliome zugelassen. Auch Gerätehersteller wie Novocure mit Tumor Treating Fields spielen eine Rolle.
Innerhalb dieses Umfelds ist NeOnc ein kleiner Spezialist, der nicht über neue Wirkstoffklassen, sondern über einen alternativen Verabreichungsweg punkten will. Glioblastome haben weiterhin eine mediane Überlebenszeit von 15 bis 20 Monaten, der medizinische Bedarf nach besseren Therapien ist also hoch. Gleichzeitig sind die regulatorischen Hürden enorm, viele Wirkstoffkandidaten scheitern in Phase 2 oder Phase 3, was den Sektor für Anleger sehr risikoreich macht.
Produkte und Services
Die Pipeline stützt sich auf zwei Hauptkandidaten und eine zugrundeliegende Technologie zur Umgehung der Blut-Hirn-Schranke. NEO100 ist eine hochreine Form von Perillyl-Alkohol, die intranasal verabreicht wird. Über den Riechnerv gelangt der Wirkstoff direkt zum Tumor, ohne den Umweg über den Blutkreislauf zu nehmen. NeOnc untersucht NEO100 in einer Phase-2a-Studie bei Patienten mit rezidivierendem malignem Gliom mit IDH1-Mutation. Eine zweite Phase-2-Studie läuft bei malignem oder atypischem Meningeom des Schädelbasisbereichs, eine dritte Phase-1-Studie ist bei pädiatrischen Hochgrad-Gliomen vorgesehen.
NEO212 ist ein konjugiertes Molekül, das die Standardchemotherapie Temozolomid mit Perillyl-Alkohol verbindet und oral verabreicht wird. Die Kombination soll die Wirksamkeit von Temozolomid bei primären und sekundären Hirntumoren erhöhen. Die Phase-1-Studie zur Dosisfindung wurde Anfang 2026 abgeschlossen, die Phase-2-Komponente läuft. Beide Wirkstoffe sind durch verschiedene FDA-Designationen geschützt, darunter Fast-Track-Status für NEO100 bei erwachsenen Gliompatienten und Rare Pediatric Disease Designation für die pädiatrische Indikation.
Umsätze erzielt NeOnc bisher nur in sehr geringem Umfang aus Forschungskooperationen, im Geschäftsjahr 2025 lagen sie laut Stockanalysis bei rund 40.000 Dollar. Das Geschäftsmodell ist auf den Erfolg der klinischen Studien und eine spätere Zulassung ausgerichtet. Geld verdient das Unternehmen aktuell nicht, sondern verbrennt es in Form von Forschungs- und Studienkosten. Die Finanzierung erfolgt über Aktienkapital und private Platzierungen, etwa eine PIPE-Investition unter Beteiligung von Cinctive Capital Management Anfang 2026.
