Overview
Hemab entstand nicht in einer Garage, sondern am Reißbrett eines Investors. Ende 2020 gründete Novo Seeds, das Einheiten für Firmengründungen bei Novo Holdings, gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern das Unternehmen. Die Mitgründer Johan Henrik Faber und Søren Bjørn hatten bis 2018 leitende Positionen in der Hämophilie-Forschung von Novo Nordisk inne, ergänzt wurde das Team von Hans Wandall, Thomas Batchelor und Mads Behrndt. Novo Holdings ist zugleich der beherrschende Anteilseigner von Novo Nordisk.
Der Ansatz beruht auf zwei einlizenzierten Technologien. Von Novo Nordisk erhielt Hemab Rechte an geistigem Eigentum für Blutungsleiden, von Genmab die Lizenz für die Plattform DuoBody zur Herstellung bispezifischer Antikörper. Solche Moleküle binden gleichzeitig an zwei verschiedene Zielstrukturen und können so eine fehlende Funktion im Gerinnungssystem überbrücken. Das Vorbild ist das Hämophilie-Präparat Hemlibra von Roche, das nach demselben Grundgedanken arbeitet.
Finanziert wurde die Entwicklung über mehrere private Runden, darunter eine Serie A über 55 Millionen Dollar im Jahr 2021 und eine Serie B über 135 Millionen Dollar im Februar 2023. Zu den Geldgebern zählen Novo Holdings, HealthCap und RA Capital Management. Das Unternehmen arbeitet von zwei Standorten aus, Kopenhagen und Cambridge in Massachusetts. Im Mai 2026 folgte der Börsengang an der Nasdaq.
Management
Benny Sørensen führt Hemab seit Juli 2021 als CEO und ist in den USA stationiert. Der promovierte Mediziner bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung in Thrombose und Blutstillung mit und saß zuvor im Verwaltungsrat des Unternehmens. Davor verantwortete er als Senior Vice President die klinische Entwicklung bei Codiak BioSciences.
Als Finanzchef fungiert Mads Behrndt, zugleich einer der Mitgründer. Er kam 2021 an Bord und war zuvor Partner im Corporate-Finance-Team von PwC, wo er Finanzierungen und Übernahmen begleitete. Das operative Geschäft leitet seit September 2025 Anant Murthy als COO. Den Verwaltungsratsvorsitz übernahm mit der Gründung Jørgen Søberg Petersen, Partner bei Novo Holdings.
Finanzdaten
Branche
Hemab bewegt sich im Markt für seltene Blutgerinnungsstörungen, einem Teilbereich der Hämatologie. Die bekannteste dieser Krankheiten ist die Hämophilie, für die es inzwischen mehrere gute Therapien gibt. Genau darum konzentriert sich Hemab auf Erkrankungen, die bisher leer ausgehen. Bei der Glanzmann-Thrombasthenie fehlt den Blutplättchen ein Rezeptor, sodass sie nicht verklumpen können. Beim Faktor-VII-Mangel und beim Von-Willebrand-Syndrom fehlen andere Bausteine der Gerinnungskaskade.
Für diese Krankheiten gibt es meist nur Behandlungen im akuten Blutungsfall, oft als Infusion in der Klinik. Eine vorbeugende Therapie zur Selbstinjektion würde den Alltag der Betroffenen erheblich verändern. Der Markt ist entsprechend klein, aber die Zahlungsbereitschaft hoch, wie bei Medikamenten gegen seltene Krankheiten üblich. Wettbewerber sind die großen Hämophilie-Anbieter Roche, Novo Nordisk, Takeda, Pfizer und Sanofi, die ihre Portfolios ebenfalls in Richtung seltenerer Indikationen ausweiten. Dazu kommen Gentherapie-Ansätze, die langfristig einen anderen Weg zur Behandlung eröffnen könnten.
Produkte und Services
Das Portfolio besteht aus zwei klinischen Kandidaten. Sutacimig, intern HMB-001, ist ein bispezifischer Antikörper zur vorbeugenden Behandlung der Glanzmann-Thrombasthenie und des Faktor-VII-Mangels. Der Kandidat durchlief die Phase 2 und war zum Börsengang bereit für die entscheidende Phase 3 bei Glanzmann-Thrombasthenie sowie für Phase 2 beim Faktor-VII-Mangel.
Der zweite Kandidat HMB-002 ist ein monovalenter Antikörper und richtet sich gegen das Von-Willebrand-Syndrom, die häufigste angeborene Blutungsstörung. Er befand sich zum Börsengang in der kombinierten Phase 1/2. Beide Präparate sind zur Injektion unter die Haut ausgelegt, was die Anwendung zu Hause ermöglichen soll.
Umsätze erzielt Hemab nicht, das Geschäftsmodell entspricht dem eines klinischen Biotechs. Für das Geschäftsjahr 2025 wies das Unternehmen laut Prospekt einen Nettoverlust von 63,9 Millionen Dollar bei keinerlei Erlösen aus. Der Wert hängt vollständig an Studiendaten, Zulassungen und einer späteren Vermarktung oder Partnerschaft.
