Bei Aehr Test Systems verkaufen auch die eigenen Manager

Grün beleuchtete Platine mit Kondensatoren und Chips in Nahaufnahme als Bezug zu den Insiderverkäufen bei Aehr Test Systems

Aehr verliert den zweiten Tag in Folge

Nordamerika💾4 Min.19.08.2026

Aehr Test Systems (NASDAQ: AEHR) hat am Mittwoch 12,41 Prozent auf 107,96 Dollar verloren. Der Vortagesschluss lag bei 123,25 Dollar. Im Tagesverlauf reichte die Spanne von 107,41 bis 124,74 Dollar, und die Marktkapitalisierung sank auf rund 3,52 Milliarden Dollar.

Der Mittwoch war dabei nur die zweite Hälfte der Bewegung. Schon am Dienstag hatte die Aktie rund 15 Prozent abgegeben. Von etwa 145 Dollar am Montagabend ging es damit binnen zwei Handelstagen auf unter 108 Dollar, ein Minus von gut einem Viertel.

Eine schlechte Unternehmensmeldung gab es nicht. Weder eine Pflichtveröffentlichung noch eine Pressemitteilung stand dem Kursrutsch gegenüber. Die jüngste eigene Nachricht vom 12. August war sogar positiv, nämlich ein Folgeauftrag über 22 Millionen Dollar vom wichtigsten Kunden aus dem Bereich KI-Prozessoren. Die Lieferungen gehen über die kommenden sechs Monate an einen Fertigungspartner in Taiwan.

Die ganze Testgerätebranche gibt gleichzeitig nach

Aehr stand am Mittwoch nicht allein da. Teradyne verlor rund 5 Prozent auf 383,80 Dollar, FormFactor gab 6 Prozent auf 117,27 Dollar ab, Cohu ebenfalls 6 Prozent auf 55,73 Dollar. Alle vier Unternehmen bauen Geräte, mit denen Chips nach der Fertigung geprüft werden.

Der Vergleich mit dem breiteren Sektor ist aufschlussreich. Der SPDR S&P Semiconductor ETF fiel nur um 2 Prozent auf 508,08 Dollar. Der Verkaufsdruck konzentrierte sich also auf eine Nische und traf die breite Halbleiterbranche kaum.

Genau diese Nische gehörte 2026 zu den größten Gewinnern. Teradyne lag bis Dienstag 109 Prozent im Jahresplus. Aehr legte im selben Zeitraum mehr als 400 Prozent zu. Wo so viel Gewinn aufgelaufen ist, reicht ein Stimmungsumschwung, um breite Verkäufe auszulösen. Am Mittwoch floss zudem viel Geld in Biotechwerte, nachdem Moderna und Merck & Co positive Studiendaten gemeldet hatten. Solche Umschichtungen laufen selten geordnet ab. Wer eine Position aufbauen will, verkauft zuerst dort, wo die Gewinne am höchsten sind. Genau diese Rolle spielten die Testgerätehersteller in vielen Depots.

Was Aehr überhaupt herstellt

Ein kurzer Blick auf das Geschäft hilft beim Einordnen. Aehr baut Anlagen für den sogenannten Burn-in. Dabei werden fertige Chips unter erhöhter Spannung und Temperatur betrieben, um Frühausfälle vor der Auslieferung zu finden. Bei Bauteilen, die später in einem Auto oder in einem Rechenzentrum jahrelang laufen sollen, ist dieser Schritt entscheidend.

Die Besonderheit liegt im Zeitpunkt. Aehr prüft bereits auf Waferebene, also bevor die einzelnen Chips vereinzelt und verpackt werden. Das spart Kosten, weil defekte Bauteile früher aussortiert werden. Ursprünglich kam die Nachfrage aus dem Bereich Siliziumkarbid für Elektroautos. Dieses Geschäft schwächelte, als die Elektromobilität langsamer wuchs als erwartet. Inzwischen treiben KI-Prozessoren, Galliumnitrid-Bauteile und Datenspeicher das Geschäft. Der Umbau der Kundenbasis ist damit der eigentliche Grund für die Kursvervielfachung des laufenden Jahres.

Die absoluten Zahlen sind allerdings klein. In den vergangenen zwölf Monaten setzte Aehr 50,9 Millionen Dollar um und schrieb dabei einen Nettoverlust von 7,1 Millionen Dollar. Das im Juni beendete Geschäftsjahr brachte weniger Umsatz als das Vorjahr. Bei einer Marktkapitalisierung von 3,52 Milliarden Dollar zahlt der Markt also rund das Neunundsechzigfache des Jahresumsatzes.

Die Insiderverkäufe fallen ins Auge

Am Dienstagabend wurde ein Vorgang öffentlich, der die Stimmung zusätzlich belastete. Firmenchef Gayn Erickson verkaufte am 12. August 40.000 Aktien zu durchschnittlich 130,84 Dollar, was rund 5,2 Millionen Dollar entspricht. Der Verkauf lief über einen Treuhandbestand und reduzierte diesen um 20 Prozent.

Einordnen sollte man das mit Augenmaß. Erickson hält weiterhin 197.521 Aktien direkt und 157.723 indirekt. Verkäufe über Treuhandkonstruktionen folgen häufig festgelegten Plänen und dienen der Streuung des Privatvermögens. Ein Manager, der nach einem Kursanstieg von mehr als 400 Prozent einen Teil verkauft, handelt nicht zwingend aus Sorge.

Trotzdem summiert sich das Bild. Führungskräfte und Aufsichtsräte haben in den vergangenen Monaten 109.475 Aktien im Wert von rund 13,8 Millionen Dollar abgegeben. Käufe aus dem eigenen Haus gab es im selben Zeitraum nicht. Für Anleger ist das kein Verkaufssignal, aber ein Datenpunkt, den man kennen sollte. Wichtig ist die zeitliche Abfolge. Der Verkauf des Firmenchefs fand am selben Tag statt, an dem der Auftrag über 22 Millionen Dollar öffentlich wurde. Öffentlich einsehbar wurde die Transaktion jedoch erst mit der Meldung an die Börsenaufsicht am Dienstagabend, also mitten in den Kursrutsch hinein. Diese Verzögerung ist gesetzlich vorgesehen und kein Vorwurf, sie erklärt aber die Wucht der Reaktion.

Was Anleger aus dem Rücksetzer mitnehmen

Die Wall Street bleibt bislang freundlich. Der Konsens lautet Kaufen bei einem durchschnittlichen Kursziel von 136,67 Dollar. Jefferies nahm die Aktie am 16. August mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 175 Dollar auf. Freedom Capital und Zacks stuften im Juli auf die höchste Kaufstufe.

Aus unserer Sicht liegt das Problem nicht in der Nachfrage, sondern im Preis. Aehr bekommt echte Aufträge von echten Kunden, und der Wandel vom Elektroauto-Zulieferer zum Ausrüster für KI-Chips ist belegt. Nur ist ein Umsatz von 50,9 Millionen Dollar eine schmale Basis für 3,52 Milliarden Dollar Börsenwert. Bei dieser Relation genügt ein verschobener Auftrag, um zweistellige Kursverluste auszulösen.

Wir halten die Schwankungsbreite deshalb für den wichtigsten Punkt. Das Beta von 3,1 bedeutet, dass sich die Aktie im Schnitt gut dreimal so stark bewegt wie der Gesamtmarkt. Innerhalb von zwölf Monaten lag der Kurs zwischen 16,38 und 147,40 Dollar. Wer solche Werte hält, sollte die Positionsgröße daran ausrichten und nicht am Kursziel. Hilfreich ist außerdem der Blick auf die Aktionärsstruktur. Große Fondsgesellschaften wie Vanguard und UBS kontrollieren zusammen rund 70 Prozent der ausstehenden Aktien. Der frei handelbare Rest ist damit klein, was Bewegungen in beide Richtungen zusätzlich verstärkt.

Der nächste Auftrag ist der nächste Kurstreiber

Aehr veröffentlicht keine monatlichen Zahlen, sondern lebt zwischen den Quartalen von Auftragsmeldungen. Der 22-Millionen-Auftrag vom 12. August ist ein Folgeauftrag, was für eine laufende Beziehung spricht. Kommt in den nächsten Wochen ein zweiter Kunde aus dem KI-Bereich dazu, dreht die Stimmung schnell wieder. Bei einem Jahresumsatz von rund 51 Millionen Dollar bewegt ein einzelner Auftrag über 22 Millionen Dollar die Zahlen erheblich. Diese Hebelwirkung erklärt, warum jede Auftragsmeldung zweistellige Kursreaktionen auslösen kann.

Mindestens ebenso wichtig ist der Auftragsbestand zum nächsten Quartalsbericht. Dort zeigt sich, ob die Nachfrage aus dem KI-Segment die Schwäche bei Siliziumkarbid ausgleicht. Genau diese Frage entscheidet, ob aus der Bewertung eine Übertreibung oder ein Vorgriff wird.

Im Blick behalten sollte man außerdem die Branchenkollegen. Solange Teradyne, FormFactor und Cohu unter Druck stehen, wird sich Aehr davon kaum abkoppeln. Der Sektor bewegt sich derzeit im Gleichschritt, nach oben wie nach unten.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 19.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.