Home Depot vor Q2 Zahlen und die Profis sollen liefern

Home-Depot-Logo auf dem Display eines Smartphones auf einem Holztisch als Bezug zu den anstehenden Quartalszahlen

Dienstagmittag kommen die Quartalszahlen

Nordamerika🏷️4 Min.17.08.2026

Home Depot (NYSE: HD) berichtet am Dienstag vor dem US-Handelsstart über das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026. In Deutschland fällt der Termin auf den Mittag. Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn von 4,71 Dollar je Aktie nach 4,68 Dollar im Vorjahresquartal. Der Umsatz soll um rund 4,9 Prozent auf etwa 47,5 Milliarden Dollar steigen.

Das Gewinnwachstum von 0,6 Prozent klingt mager, und genau das beschreibt die Lage recht gut. Home Depot wächst beim Umsatz, weil zugekaufte Großhandelsgeschäfte Volumen liefern. Beim Gewinn je Aktie tritt der Konzern seit Quartalen auf der Stelle. In den vergangenen 30 Tagen haben Analysten ihre Schätzung leicht nach unten korrigiert.

Das zweite Quartal ist für den Konzern die wichtigste Periode des Jahres. Frühjahr und Frühsommer bringen die stärksten Verkaufswochen, weil Gärten bepflanzt, Terrassen gebaut und Dächer repariert werden. Ein schwaches zweites Quartal lässt sich im Rest des Jahres kaum aufholen. Entsprechend genau schaut der Markt auf jeden Zehntelpunkt bei den flächenbereinigten Umsätzen.

Der Konzern hinter dem orangen Logo

Home Depot ist der größte Baumarktbetreiber der Welt. Mehr als 2.350 Filialen, über 800 Niederlassungen im Großhandel und mehr als 325 Verteilzentren gehören dazu, bei über 470.000 Beschäftigten. Verkauft wird alles vom Akkuschrauber bis zur kompletten Küche.

Klassisch lebte das Unternehmen vom Heimwerker. Genau dieses Geschäft läuft seit Jahren schleppend. Hypothekenzinsen um die 6 Prozent haben den Häusermarkt praktisch eingefroren, weil kaum jemand seine alte Finanzierung zu 3 Prozent aufgibt. Wer nicht umzieht, renoviert auch die neue Küche nicht. Hauspreise, die seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen sind, machen die Sache nicht leichter.

Finanzchef Richard McPhail spricht seit Längerem von einer Aufschubmentalität bei Hausbesitzern. Die Kunden kommen weiter in die Läden, kaufen aber Farbe statt Badezimmer. Die durchschnittlichen Bons bleiben stabil, die großen Projekte fehlen. Immerhin wuchs das Online-Geschäft zuletzt um 11 Prozent, und die Zahl der Einkäufe über 1.000 Dollar legte um 2,3 Prozent zu. Beides deutet darauf hin, dass die Kaufkraft vorhanden ist und lediglich der Auslöser fehlt.

Der Umbau zum Großhändler für Handwerker

Die Antwort des Managements auf dieses Problem heißt Pro. Gemeint sind Handwerksbetriebe, Bauunternehmer und Dachdecker, die deutlich regelmäßiger einkaufen als Privatkunden. Rund die Hälfte des Umsatzes stammt inzwischen aus diesem Bereich.

Der Ausbau lief über Übernahmen. 2024 kaufte Home Depot den Baustoffhändler SRS Distribution. Im September 2025 folgte über SRS der Zukauf von GMS für einen Unternehmenswert von rund 5,5 Milliarden Dollar inklusive Schulden, gezahlt wurden 110 Dollar je Aktie. GMS verteilt Trockenbauplatten, Deckensysteme und Stahlprofile. Zuletzt kam mit Mingledorff's ein Anbieter von Klima- und Lüftungstechnik dazu.

Die Rechnung dahinter leuchtet ein. Ein Dachdecker kauft nicht einmal im Jahr ein, sondern jede Woche. Und wer bei Home Depot bereits das Dach bezieht, bestellt vielleicht auch Trockenbau und Heizungstechnik. Der Nachteil liegt in den Margen. Großhandel verdient pro Dollar Umsatz weniger als der Verkauf im Laden. Das erklärt einen Teil der Lücke zwischen Umsatz- und Gewinnwachstum. Zusätzlich belastet die Finanzierung der Zukäufe, denn Home Depot will erst zum Ende des laufenden Geschäftsjahres wieder auf einen Verschuldungsgrad vom Zweifachen des Ergebnisses kommen.

Was im ersten Quartal stimmte und was nicht

Im Mai meldete Home Depot einen Umsatz von 41,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 4,8 Prozent. Die flächenbereinigten Umsätze legten allerdings nur um 0,6 Prozent zu, in den USA sogar nur um 0,4 Prozent. Der Nettogewinn sank auf 3,3 Milliarden Dollar oder 3,30 Dollar je Aktie nach 3,45 Dollar im Vorjahr. Bereinigt kamen 3,43 Dollar heraus, womit die Erwartungen geschlagen wurden.

Die Jahresprognose bestätigte das Management. Vorgesehen sind flächenbereinigte Umsätze zwischen null und plus 2 Prozent. Nach einem Auftaktquartal mit 0,6 Prozent muss das zweite Halbjahr also deutlich zulegen, damit die Mitte der Spanne erreicht wird. Vorstandschef Ted Decker begründete die erwartete Besserung vor allem mit einer Normalisierung des Wettergeschehens, nicht mit einer Rückkehr der großen Renovierungsprojekte.

Damit liegt der eigentliche Testpunkt am Dienstag fest. Kommen die flächenbereinigten Umsätze bei 0,6 Prozent oder darüber heraus und bleiben die US-Werte im Plus, ist der Jahresplan intakt. Fällt der Wert auf null oder darunter, hängt die gesamte Prognose am Weihnachtsgeschäft.

Die Aktie hinkt dem Markt deutlich hinterher

Das Papier notierte zuletzt bei rund 339 Dollar. Über zwölf Monate steht ein Minus von etwa 10,7 Prozent, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum knapp 19 Prozent zulegte. Im laufenden Jahr reicht es für gut 3 Prozent. Im Juli belastete zusätzlich der Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,60 Prozent, weil höhere Zinsen direkt auf die Baufinanzierung durchschlagen.

Die Analystenschaft ist gespalten. Von 34 erfassten Häusern raten 20 zum starken Kauf, zwölf zum Halten, eines zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei rund 374 Dollar. Bank of America hob ihr Ziel Anfang August von 374 auf 412 Dollar an und setzt darauf, dass der Zukauf-Umbau in einer späteren Zinssenkungsphase überproportional wirkt. Skeptiker halten dagegen, dass die Integration von SRS und GMS Geld kostet und Lowe's seine Marktanteile aggressiv verteidigt.

Aus unserer Sicht ist die Aktie damit eine Wette auf den Zeitpunkt, nicht auf die Qualität des Unternehmens. Der amerikanische Wohnungsbestand altert, mehr als die Hälfte der Häuser ist über 40 Jahre alt, und irgendwann muss renoviert werden. Nur zahlt der Anleger bis dahin für Geduld. Bei einer Dividendenrendite um 3 Prozent und einer Quartalsausschüttung von 2,33 Dollar je Aktie wird das Warten immerhin vergütet.

Zinsen entscheiden über die zweite Jahreshälfte

Nach dem Bericht richtet sich der Blick auf die Konkurrenz. Lowe's meldet am Mittwoch, was einen direkten Vergleich der Marktanteile erlaubt. Kleinere Anbieter aus dem Segment haben bereits geliefert, Floor and Decor mit einem Umsatzplus von 3 Prozent und Arhaus mit 7,4 Prozent. Beide Aktien reagierten positiv, was die Erwartungshaltung an Home Depot etwas anhebt. Die Kurse im gesamten Segment für Wohnen und Renovieren legten im vergangenen Monat im Schnitt um 3,3 Prozent zu.

Der wichtigere Hebel liegt aber bei der Fed. Am Mittwochabend erscheint das Protokoll der Juli-Sitzung, Ende August folgt das Treffen in Jackson Hole. Jedes Signal in Richtung sinkender Zinsen wirkt bei Home Depot doppelt, weil es sowohl die Bewertung als auch das operative Geschäft berührt. Sollten die Hypothekenzinsen in Richtung 5 Prozent fallen, dürfte sich der Häusermarkt wieder bewegen. Bis dahin bleibt der Konzern ein solider Betrieb in einem lahmen Umfeld. Das Branchenforschungsinstitut Home Improvement Research Institute hat seine Wachstumsprognose für den gesamten Heimwerkermarkt bereits von 5 auf 3,4 Prozent gesenkt und erwartet, dass der professionelle Bereich besser abschneidet als das Privatkundengeschäft.

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