Hycroft findet mehr Silber und die Aktie legt 15 Prozent zu

Hycroft steigt nach neuen Bohrdaten deutlich
Hycroft Mining (NASDAQ: HYMC) hat am Mittwoch 15,34 Prozent auf 27,90 Dollar zugelegt. Der Vortagesschluss lag bei 24,19 Dollar. Die Marktkapitalisierung beträgt damit rund 2,6 Milliarden Dollar. Gehandelt wurden 2,86 Millionen Aktien gegenüber einem Durchschnitt von 1,96 Millionen.
Der Auslöser kam am Dienstag. Hycroft veröffentlichte weitere Ergebnisse aus dem laufenden Bohrprogramm 2025 bis 2026 an der Hycroft-Mine im Norden Nevadas. Zwei Zonen standen im Mittelpunkt, Brimstone und Vortex.
Anders als die übrigen großen Gewinner des Tages hat Hycroft mit Biotechnologie nichts zu tun. Das Unternehmen sitzt in Winnemucca, beschäftigt gerade einmal 51 Menschen und erzielt derzeit praktisch keinen Umsatz. Im zweiten Quartal stand ein Verlust von rund 20,8 Millionen Dollar in den Büchern.
Was in den Bohrkernen tatsächlich steckt
Bohrergebnisse lesen sich sperrig, deshalb kurz zur Einordnung. Gramm pro Tonne gibt an, wie viel Metall in einer Tonne Gestein steckt. Bei Silber gilt alles ab etwa 150 Gramm pro Tonne als hochgradig. Die zweite wichtige Zahl ist die Mächtigkeit, also über wie viele Meter sich dieser Gehalt zieht.
Bei Brimstone traf das Bohrloch H26D-6169 auf 82,7 Meter mit 87,52 Gramm Silber und 0,77 Gramm Gold je Tonne. Darin enthalten waren 19,4 Meter mit 108,19 Gramm Silber und 2,10 Gramm Gold sowie ein Abschnitt von 0,7 Metern mit 14,35 Gramm Gold. Entscheidend ist weniger der Gehalt als die Lage. Die Vererzung setzt sich näher an der Oberfläche fort, was einen späteren Abbau billiger machen würde.
Bei Vortex ging es um Ausdehnung. Das System reicht nun rund 150 Meter weiter nach Westen. Das Bohrloch H26D-6088 durchteufte 12,5 Meter mit 375,41 Gramm Silber je Tonne, darin 4,2 Meter mit 748,02 Gramm. Diese Gehalte sind auch im internationalen Vergleich bemerkenswert, allerdings über kürzere Abschnitte.
Zusätzlich meldete Hycroft Fortschritte bei einem möglichen Zufuhrsystem unterhalb von Brimstone. Dort bestätigten die Bohrer ein Netz feiner Erzadern über einen breiteren Bereich. Aus solchen Strukturen speisen sich hochgradige Zonen, weshalb Geologen ihnen besondere Aufmerksamkeit widmen. Findet Hycroft dort tatsächlich die Quelle der Vererzung, ließe sich die Ausdehnung beider Systeme besser vorhersagen. Bohrungen wären dann gezielter und billiger.
Vom Problemfall zum Zwei-Milliarden-Wert
Der Kursverlauf der vergangenen Monate ist bemerkenswert. Die Spanne der letzten zwölf Monate reicht von 2,93 bis 58,73 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Aktie vervielfacht, allein in dieser Woche ging es rund 60 Prozent nach oben.
Dahinter steht eine Serie operativer Fortschritte. Im ersten Quartal meldete Hycroft eine Erhöhung der gemessenen und angezeigten Ressourcen um 55 Prozent. Im Juni folgte ein aktualisierter technischer Bericht nach US-Standard. Er weist bei damaligen Spotpreisen einen Kapitalwert von rund 10 Milliarden Dollar aus. Die Rechnung stützt sich auf 16,4 Millionen Unzen Gold und 562,5 Millionen Unzen Silber in der gemessenen und angezeigten Kategorie.
Wichtig ist dabei ein Detail, das gerne überlesen wird. Weitere 5,0 Millionen Unzen Gold und 132,8 Millionen Unzen Silber liegen nur in der abgeleiteten Kategorie und stecken nicht im Minenplan. Auch die aktuellen Bohrergebnisse sind dort noch nicht berücksichtigt. Der Bericht bildet also einen Zwischenstand ab und keine finale Rechnung.
Parallel wanderte die Aktie in die Indizes. Ende Februar kam Hycroft in den GDXJ-ETF und den MSCI Small Cap Index, Ende Juni in den Russell 3000. Solche Aufnahmen zwingen passive Fonds zum Kauf und erklären einen Teil der Nachfrage.
Der Silberpreis liefert den Rückenwind
Ohne den Rohstoffmarkt wäre diese Geschichte nicht denkbar. Silber schwankt 2026 heftig. Anfang Januar kostete die Unze mehr als 113 Dollar. Im Februar fiel der Preis auf etwa 77 Dollar. Zuletzt bewegte er sich im Bereich von 65 Dollar. Verglichen mit dem Niveau früherer Jahre liegt das immer noch weit oben.
Für einen Entwickler ohne laufende Produktion wirkt der Metallpreis wie ein Hebel. Steigt er, wächst der rechnerische Wert der Lagerstätte überproportional, weil die Kosten weitgehend fest sind. Fällt er, dreht sich derselbe Mechanismus um. Genau deshalb bewegt sich die Aktie mit einem Vielfachen der Schwankung des breiten Marktes.
Ein zweiter Faktor ist die Bilanz. Zum Ende des zweiten Quartals lagen 220,5 Millionen Dollar an frei verfügbaren Mitteln in der Kasse, und Schulden hat Hycroft keine. Damit lässt sich das Bohrprogramm mehrere Quartale finanzieren, ohne neue Aktien ausgeben zu müssen. Für ein Explorationsunternehmen ist das eine komfortable Lage. Viele Wettbewerber in dieser Phase müssen regelmäßig frisches Kapital einsammeln und verwässern dabei ihre Aktionäre. Hycroft kann diesen Schritt vorerst aufschieben.
Warum die Bewertung ohne Produktion ambitioniert wirkt
Aus unserer Sicht liegt hier der wunde Punkt. Hycroft wird mit 2,6 Milliarden Dollar bewertet und fördert derzeit nichts. Der Weg von einer Ressourcenschätzung über eine Machbarkeitsstudie und eine Finanzierung bis zur ersten Unze dauert in der Branche üblicherweise Jahre und verschlingt Milliarden.
Die Analystenmeinung spiegelt das. B. Riley nahm die Aktie im Juli mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 28 Dollar auf. Anfang August senkte das Haus das Ziel auf 25 Dollar. Der aktuelle Kurs liegt darüber. Wer heute kauft, zahlt mehr, als die einzige öffentlich bekannte Einschätzung für angemessen hält.
Wir halten die geologische Substanz trotzdem für real. Die gemeldeten Gehalte sind belegt, die Ressourcenbasis ist groß, und die Bilanz ist sauber. Was fehlt, ist die Verbindung zwischen Fund und Cashflow. Bis dahin bleibt die Aktie eine Wette auf zwei Dinge, nämlich auf weitere gute Bohrmeter und auf einen hohen Silberpreis.
Wer solche Werte kauft, sollte die Schwankungsbreite kennen. Ein Kurs, der binnen zwölf Monaten von unter 3 auf fast 59 Dollar gestiegen ist, kann denselben Weg auch zurückgehen. Positionsgrößen entsprechend zu wählen, ist bei diesem Profil kein Detail, sondern die halbe Arbeit.
Bis zur ersten Unze ist es noch weit
Das Bohrprogramm läuft weiter, und Hycroft hat zwei zusätzliche Kernbohrgeräte in Betrieb genommen. Weitere Ergebnisse aus Brimstone und Vortex dürften also im Wochentakt eintreffen. Jede Meldung hat bei diesem Streubesitz das Potenzial für zweistellige Tagesbewegungen.
Inhaltlich wichtiger sind die laufenden technischen Studien. Hycroft prüft unter anderem, ob sich das sulfidische Erz besser durch Rösten oder durch Drucklaugung aufschließen lässt. Von dieser Entscheidung hängen Investitionsbedarf und Betriebskosten der künftigen Anlage ab. Sie ist damit die eigentliche Weichenstellung.
Der nächste feste Termin sind die Quartalszahlen am 3. November. Umsatz wird dort kaum eine Rolle spielen. Interessant werden der Kassenbestand, das Tempo der Bohrungen und jede Aussage zum Zeitplan der Entwicklung. Personell hat sich zuletzt einiges getan. Michael Deal übernimmt ab dem 24. August die operative Leitung, zuvor verantwortete er den Betrieb bei First Majestic. Eine solche Verpflichtung deutet darauf hin, dass Hycroft die Phase reiner Exploration hinter sich lassen möchte.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 19.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
