Übernahmepoker um PayPal geht in die nächste Runde

PayPal-Logo auf weißem 3D-Würfel vor blauem Hintergrund im Zusammenhang mit dem Übernahmepoker um den Zahlungsdienstleister

Ein 53-Milliarden-Gebot und ein selbstbewusstes Nein

Nordamerika💰4 Min.12.08.2026

Um PayPal (NASDAQ: PYPL) ist ein Machtkampf entbrannt, wie ihn die Fintech-Branche selten gesehen hat. Mitte Juli wurde bekannt, dass der Zahlungsabwickler Stripe gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent International 60,50 Dollar je Aktie für den Konzern bietet. Die Offerte bewertet PayPal mit gut 53 Milliarden Dollar und lag rund 28 Prozent über dem damaligen Kurs von 47,37 Dollar. Reuters und die Financial Times berichteten übereinstimmend über das Angebot.

Die Antwort aus dem Verwaltungsrat kam prompt und fiel deutlich aus. Auf einer eigens einberufenen Sitzung lehnte das Gremium das Gebot als zu niedrig ab. Die Aktie hat seither kräftig zugelegt und notiert aktuell um 59 Dollar, ein Plus von rund 25 Prozent binnen eines Monats. Beendet ist das Tauziehen damit aber noch lange nicht.

Vom Pionier zum Übernahmeziel

PayPal hat das Bezahlen im Internet einst groß gemacht. Der Konzern aus San Jose wickelt Zahlungen für Millionen Händler ab, betreibt die populäre Bezahl-App Venmo und zählte zuletzt 439 Millionen aktive Konten. An der Börse erzählt die Aktie trotzdem eine Geschichte des Abstiegs. Auf dem Höhepunkt des Pandemie-Booms im Jahr 2021 war PayPal fast 360 Milliarden Dollar wert. Heute sind davon gut 50 Milliarden übrig. Apple Pay, Google Pay und eben Stripe haben dem Pionier über Jahre Marktanteile abgejagt. Dass ausgerechnet der einstige Herausforderer Stripe nun als Käufer auftritt, verleiht der Geschichte eine gewisse Ironie.

Seit dem 1. März steht mit Enrique Lores ein neuer Chef an der Spitze. Er verordnet PayPal einen strikten Umbau und kündigte zuletzt erstmals eigene Umsatzziele für die drei Kerngeschäftsfelder an. Ausgerechnet mitten in diese Neuaufstellung platzte nun das Übernahmeinteresse.

Was Stripe und Advent vorhaben

Das Angebot ist komplett in bar strukturiert und mit Bankzusagen über rund 50 Milliarden Dollar unterlegt. Stripe und Advent wollen PayPal gemeinsam übernehmen, jeweils zur Hälfte halten und ausdrücklich nicht zerschlagen. Ein erster Kontakt lief bereits im April, damals gehörte Medienberichten zufolge auch der Payment-Konzern Block zum Konsortium. Block stieg vor dem finalen Gebot allerdings wieder aus.

Brisant ist vor allem, wer hier bietet. Stripe wurde von den irischen Brüdern Patrick und John Collison gegründet und ist bis heute nicht börsennotiert. Bei einem Anteilsrückkauf im Februar wurde das Unternehmen mit 159 Milliarden Dollar bewertet, rund dreimal so hoch wie jetzt PayPal. Über die Stripe-Plattform liefen 2025 Zahlungen im Volumen von 1,9 Billionen Dollar, ein Plus von 34 Prozent. Zusammen kämen beide Konzerne auf ein jährliches Transaktionsvolumen von rund 3,7 Billionen Dollar. Ein solcher Gigant würde die Kräfteverhältnisse im Zahlungsverkehr neu ordnen und dürfte die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. In Marktkreisen kursiert deshalb bereits die Idee, die PayPal-Tochter Braintree abzuspalten, um kartellrechtliche Bedenken zu entschärfen.

Dazu kommt ein Detail für Krypto-Fans. PayPal gibt mit PYUSD einen eigenen Stablecoin heraus, dessen Marktkapitalisierung zuletzt bei rund 2,85 Milliarden Dollar lag. Stripe wiederum hat über seine Tochter Bridge eine lizenzierte Infrastruktur für solche Digitalwährungen aufgebaut. Analysten sehen in diesem Feld einen strategischen Trumpf für jeden möglichen Käufer.

Das Board pokert auf 70 Dollar

Der PayPal-Verwaltungsrat hält den gebotenen Preis für deutlich zu niedrig. Medienberichten zufolge kursiert intern eine Zielmarke von rund 70 Dollar je Aktie. Neben der Bewertung führt das Gremium auch regulatorische Hürden und Finanzierungsrisiken ins Feld. Ein endgültiger Bruch sieht allerdings anders aus. In Finanzkreisen gilt die Ablehnung eher als Einladung zum Nachbessern.

Konzernchef Lores hielt sich beim jüngsten Analystengespräch alle Türen offen. PayPal kommentiere grundsätzlich keine Übernahmespekulationen, sagte er. Zugleich stellte er klar, dass man jeden Weg sorgfältig prüfen werde, der mehr Wert schaffe als die eigene Strategie. Rückenwind lieferten die Ende Juli vorgelegten Quartalszahlen. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartungen von 8,47 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,38 Dollar ebenfalls über den Schätzungen. Das abgewickelte Zahlungsvolumen wuchs um 10 Prozent auf 486 Milliarden Dollar, die Tochter Venmo legte sogar um 14 Prozent zu. Allerdings sank der Nettogewinn um 12 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar, der Umbau kostet zunächst Geld. Für das Board sind diese Zahlen trotzdem mehr als eine Randnotiz. Sie dienen als Beleg dafür, dass PayPal auch im Alleingang wieder Wert schaffen kann.

Die Aktie klebt am Gebotspreis

Mit rund 59 Dollar notiert die Aktie nur knapp unter den gebotenen 60,50 Dollar. Diese Konstellation verrät viel über die Erwartungen der Börse. Der Markt preist offenbar eine ordentliche Chance ein, dass am Ende ein Deal zustande kommt, womöglich zu einem höheren Preis. Zugleich fehlt die Fantasie für deutlich mehr, sonst stünde der Kurs bereits über dem Gebot.

Die Analysten sind ungewöhnlich gespalten. Keefe Bruyette & Woods hob das Kursziel nach den Quartalszahlen von 55 auf 70 Dollar an. Die Analysten loben die Datenschätze von PayPal als Trumpf im aufkommenden Geschäft mit KI-gesteuerten Einkäufen. Morgan Stanley erhöhte von 34 auf 45 Dollar, bleibt damit aber weit unter dem aktuellen Kurs. Goldman Sachs rät sogar zum Verkauf. Der Durchschnitt der Kursziele liegt um 58 Dollar, die Mehrheit der Häuser stuft die Aktie lediglich mit Halten ein. Aus unserer Sicht hängt kurzfristig fast alles am Übernahmepoker. Platzt der Deal, dürfte die Aktie einen Teil der jüngsten Gewinne wieder abgeben. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11 ist PayPal allerdings kein teurer Wert, das begrenzt die Fallhöhe im Vergleich zu heiß gelaufenen Tech-Aktien.

Nachbesserung, neuer Bieter oder Alleingang

Die nächsten Wochen dürften Bewegung bringen. Stripe und Advent haben sich zur Ablehnung bislang nicht öffentlich geäußert, ein nachgebessertes Angebot gilt in Finanzkreisen aber als realistisches Szenario. Denkbar bleibt auch, dass ein weiterer Interessent auftaucht, sobald PayPal offiziell im Schaufenster steht. Aus unserer Sicht hat das Board mit den soliden Quartalszahlen im Rücken gute Karten, mehr herauszuholen. Ein Selbstläufer ist das aber nicht, denn ohne konkurrierendes Gebot fehlt der Druck auf die Bieter.

Parallel läuft der Umbau unter Lores weiter. Im Herbst will der Konzern Details zu den neuen Segmentzielen liefern, die nächsten Quartalszahlen stehen für Ende Oktober im Kalender. Starke Ergebnisse würden die Verhandlungsposition des Boards stärken und den geforderten Preis untermauern. Schwache Zahlen hätten den gegenteiligen Effekt und ließen die 60,50 Dollar plötzlich attraktiv aussehen. So oder so, bei PayPal ist nach Jahren der Tristesse wieder Spannung drin.

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