Overview
Der Kanadier Richard MacPherson gründete 2008 die Midwest Energy Emissions Corp, um eine Technologie aus der staatlichen Forschung zu vermarkten. Das US-Energieministerium hatte gemeinsam mit der University of North Dakota ein Verfahren zur Quecksilberabscheidung entwickelt, die Sorbent Enhancement Additive Technologie, kurz SEA. MacPherson sicherte sich die Lizenzrechte und brachte das Verfahren ab 2011 in nordamerikanische Kohlekraftwerke. Seit 2012 ist die Firma börsennotiert, zunächst im US-Freiverkehr, später zusätzlich in Toronto.
Über die Jahre baute das Unternehmen ein Portfolio von über 40 Patenten auf und kaufte 2017 das komplette SEA-Patentpaket. Weil aus Sicht des Managements viele Kraftwerksbetreiber die Technologie ohne Lizenz nutzten, begann 2019 eine breit angelegte Patentklage gegen zeitweise 43 Beklagte, darunter große Versorger. Anfang 2024 erweiterte die Firma ihr Geschäft um Wasseraufbereitung und benannte sich im Oktober 2024 in Birchtech um. Der Namenswechsel spiegelt die Aufstellung mit zwei Sparten, Luftreinigung unter ME2C Environmental und Wasser unter WE2C Environmental.
Der Sitz liegt in Corsicana, Texas. Die Organisation bleibt klein, ein Team von rund einem Dutzend fester Mitarbeiter arbeitet mit externen Partnern und zwei Entwicklungszentren in Pennsylvania und North Dakota.
Management
Gründer Richard MacPherson führt Birchtech seit 2016 als President und CEO, nachdem er zuvor bereits die Kommerzialisierung der SEA-Technologie vorangetrieben hatte. Der Kanadier bringt über 30 Jahre Führungserfahrung aus verschiedenen Branchen mit und verhandelte 2017 den Kauf des vollständigen Patentportfolios. Er ist in Fachverbänden der Energie- und Wasserwirtschaft aktiv.
Die Wassersparte leitet David Mazyck, ein Spezialist für Aktivkohle-Anwendungen. Der Verwaltungsrat wurde zuletzt verstärkt, unter anderem zog Ende 2024 die Wirtschaftsprüferin Mitzi Coogler ein.
Finanzdaten
Branche
Birchtech operiert im Markt für Umwelttechnik, konkret in zwei Feldern. Das erste ist die Quecksilberkontrolle bei Kohlekraftwerken. US-Vorschriften verpflichten Betreiber, Quecksilber aus den Rauchgasen zu filtern, wofür mit Additiven behandelte Aktivkohle eingesetzt wird. Der Markt hängt direkt an der Zukunft der Kohleverstromung. Die Zahl der Kraftwerke sinkt langfristig, gleichzeitig verlängern steigender Strombedarf und die Rechenzentrums-Nachfrage die Laufzeiten vieler Anlagen.
Das zweite Feld ist die Trinkwasseraufbereitung, vor allem die Entfernung von PFAS. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien stehen im Verdacht, Krebs und andere Erkrankungen auszulösen, und wurden in den USA mit Grenzwerten belegt. Tausende Wasserversorger müssen nachrüsten, wovon Anbieter von Aktivkohle- und Sorbens-Technologien profitieren. Hier trifft Birchtech auf deutlich größere Wettbewerber aus der Wassertechnik- und Aktivkohle-Industrie, sieht seinen Vorteil aber in spezialisierten, patentierten Materialien.
Produkte und Services
Kern des Geschäfts ist die SEA-Technologie. Kraftwerke dosieren dabei Additive in den Verbrennungsprozess und fangen Quecksilber anschließend mit Aktivkohle-Sorbentien auf. Birchtech verdient an Lizenzvereinbarungen und an der laufenden Belieferung mit Verbrauchsmaterial. Mehrere Kraftwerksblöcke in den USA setzen das Verfahren ein, weitere Betreiber sollen als Lizenznehmer gewonnen werden.
Eine zweite Erlösquelle könnte aus dem Gerichtssaal kommen. Im Patentstreit um die unlizenzierte Nutzung der SEA-Technologie sprach ein Gericht dem Unternehmen zunächst 57 Millionen Dollar zu, das erwartete Endurteil beziffert Birchtech auf rund 78 Millionen Dollar. In der Wassersparte entwickelt das Unternehmen Sorbentien gegen PFAS für Trinkwasserversorger, getestet in den beiden eigenen Entwicklungszentren. Nennenswerte Wasserumsätze stehen noch aus, der Bereich ist als Wachstumsfeld angelegt.
