Overview
Lime entstand 2017 in San Francisco, mitten in einer Welle von Startups, die den Nahverkehr auf der letzten Meile neu ordnen wollten. Die Idee war einfach. Elektrische Tretroller und Fahrräder werden in der Stadt verteilt, Nutzer entsperren sie per App, fahren eine kurze Strecke und stellen sie irgendwo wieder ab. Für Wege, die zum Laufen zu weit und fürs Auto zu kurz sind, sollte damit eine Alternative entstehen.
Der Weg dorthin war holprig. Die Branche verbrannte enorme Summen, weil Geräte schnell verschlissen, Städte mit Verboten reagierten und der Wettbewerb die Preise drückte. Lime wurde 2019 mit 2,4 Milliarden Dollar bewertet, nach dem Einbruch während der Pandemie sank die Bewertung Berichten zufolge auf rund 510 Millionen Dollar. Ein Wendepunkt kam 2020, als Uber im Rahmen einer Finanzierungsrunde sein E-Bike-Geschäft Jump an Lime übertrug und zum größten externen Anteilseigner wurde.
Danach änderte sich der Kurs. Statt um jeden Preis zu wachsen, setzte Lime auf haltbarere Fahrzeuge, engere Zusammenarbeit mit Kommunen und Rentabilität je Fahrt. Das Unternehmen bezeichnet sich als größten Anbieter geteilter Mikromobilität weltweit und war zum Jahresende 2025 in rund 230 Städten in 29 Ländern aktiv. Der Marktanteil lag nach eigenen Angaben bei rund 27 Prozent in den bedienten Ländern und bei 37 Prozent in den USA. Der Börsengang an der Nasdaq folgte im Juli 2026.
Management
Wayne Ting führt Lime als Chief Executive Officer, Joseph Kraus verantwortet als President das operative Geschäft. Beide gaben im Rahmen des Börsengangs zusammen mit Mitgründer Brad Bao einen kleinen Teil ihrer Anteile ab, von allen verkaufenden Aktionären kamen 276.731 Aktien zusammen. Gemessen am Gesamtvolumen war das ein sehr geringer Anteil, was am Markt als Zeichen für Zuversicht gelesen wird.
Prägend bleibt die Rolle von Uber. Der Fahrdienstvermittler hielt vor dem Börsengang 14.021.438 Aktien und damit rund 24,4 Prozent, nach der Emission etwa 21,9 Prozent. Uber ist damit zugleich größter externer Eigentümer und wichtiger Vertriebspartner, denn Lime-Fahrzeuge lassen sich in vielen Märkten direkt über die Uber-App buchen. Diese Doppelrolle bringt Reichweite, schafft aber auch Abhängigkeit.
Finanzdaten
Branche
Lime bewegt sich im Markt für geteilte Mikromobilität, also für die kurzzeitige Vermietung von Elektrorollern und Elektrofahrrädern. Die Nachfrage wächst, weil Städte den Autoverkehr zurückdrängen, Parkraum knapp wird und kurze Wege im dichten Stadtverkehr mit dem Roller oft schneller sind als mit dem Wagen.
Das Geschäft unterscheidet sich allerdings grundlegend von einer Software-Plattform. Lime besitzt seine Fahrzeuge, muss sie laden, warten, umverteilen und ersetzen. Das bindet Kapital und erzeugt hohe laufende Kosten. Die Branchengeschichte ist entsprechend von Pleiten geprägt, der frühere Wettbewerber Bird durchlief nach seinem Börsengang eine turbulente Phase und meldete Insolvenz an.
Der entscheidende Faktor ist die Regulierung. Städte vergeben Betriebsgenehmigungen, begrenzen Flottengrößen und schreiben Abstellregeln vor. Wer eine Ausschreibung verliert, verliert einen ganzen Markt. Lime setzt deshalb auf Partnerschaften mit Kommunen als Wettbewerbsvorteil. Wettbewerber sind Tier Dott in Europa, Voi in Skandinavien sowie regionale Anbieter.
Produkte und Services
Das Angebot besteht aus der kurzzeitigen Vermietung von Elektrorollern und Elektrofahrrädern. Nutzer entsperren die Fahrzeuge über die Lime-App oder in vielen Märkten über die Uber-App und zahlen nach Fahrtdauer, ergänzt um Freischaltgebühren. Dazu kommen Abonnements und Mehrfahrtenpakete für Vielnutzer.
Der Betrieb ist die eigentliche Herausforderung. Fahrzeuge müssen geladen, gewartet, repariert und dorthin gebracht werden, wo Nachfrage entsteht. Lime investierte deshalb in langlebigere Modelle mit wechselbaren Akkus, weil sich die Anschaffungskosten nur über eine lange Nutzungsdauer rechnen. Ein weiteres Standbein sind Verträge mit Städten, die Mikromobilität als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr fördern.
Die Zahlen zeigen die Größenordnung. Der Umsatz stieg 2025 um knapp 30 Prozent auf 886,7 Millionen Dollar, nach 686,6 Millionen Dollar im Vorjahr. Rund 19 Millionen Menschen nutzten den Dienst im Jahr 2025, im ersten Quartal 2026 zählte Lime 3,1 Millionen monatlich aktive Nutzer, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit dem Start kamen über eine Milliarde Fahrten auf fünf Kontinenten zusammen.
