Overview
Larry Gies gilt in Chicago als stiller Aufkäufer unscheinbarer Industriefirmen. Seit 1994 führt er die Industrieholding Madison Industries und baute sie über Jahrzehnte durch Übernahmen aus, häufig von Konzernen, die Randgeschäfte abstoßen wollten. Im Oktober 2017 gründete er Madison Air als eigene Plattform mit einem klaren Fokus, nämlich Luft.
Die These dahinter lautet, dass Luftqualität in bestimmten Umgebungen über Gesundheit, Produktivität und Betriebssicherheit entscheidet und deshalb messbaren wirtschaftlichen Wert hat. Das Unternehmen nennt diesen Ansatz Return on Air. In einem Halbleiter-Reinraum entscheidet die Luft über die Ausbeute, in einem Rechenzentrum über die Verfügbarkeit der Server, in einer Klinik über Infektionsrisiken.
Aufgebaut wurde die Gruppe durch eine Serie von Zukäufen mit einem Gesamtvolumen von rund acht Milliarden Dollar. Dazu gehören Nortek Air Solutions samt der Sparte für Rechenzentrumskühlung, die Deckenventilatoren von Big Ass Fans, Broan-NuTone, Reznor, Addison und Zephyr. Der größte Einzelkauf war 2025 der Erwerb von AprilAire für rund 2,3 Milliarden Dollar, überwiegend fremdfinanziert. Der Umsatz erreichte 2025 rund 3,34 Milliarden Dollar bei einem Nettogewinn von 124 Millionen Dollar. Der Sitz liegt in Chicago, der Börsengang folgte im April 2026.
Management
Jill Wyant führt Madison Air seit Juni 2021 als President und CEO. Sie kam von Ecolab, wo sie zwischen 2009 und 2020 mehrere Führungspositionen bis hin zur Executive Vice President innehatte, einem Anbieter von Hygiene- und Infektionsschutzlösungen. Wyant sitzt zudem im Verwaltungsrat des Chemiekonzerns Dow und läutete zum Börsengang die Eröffnungsglocke der NYSE.
Als Finanzchef verantwortet JJ Foley Finanzen und Kapitalallokation, er leitete zuvor die Investorenbetreuung bei General Electric und die Finanzplanung bei GE Aviation. Gründer Larry Gies führt seit Oktober 2017 den Verwaltungsrat als Chairman und bleibt die prägende Figur. Er studierte Rechnungswesen an der University of Illinois und absolvierte einen Master an der Kellogg School of Management. Nach dem Börsengang kontrolliert Gies über Class-B-Aktien sämtliche Stimmrechte dieser Klasse und damit das Unternehmen. Zusätzlich investierte er im Rahmen einer Privatplatzierung 100 Millionen Dollar.
Finanzdaten
Branche
Madison Air bewegt sich im Markt für spezialisierte Lufttechnik, den das Unternehmen auf rund 40 Milliarden Dollar taxiert. Drei Entwicklungen treiben die Nachfrage. Erstens der Bau von Rechenzentren für KI-Anwendungen, deren Chips enorme Wärme erzeugen und aufwendige Kühlung benötigen. Zweitens die Rückverlagerung von Fertigung nach Nordamerika, etwa bei Halbleitern, wo Reinraumtechnik gebraucht wird. Drittens der alternde Wohnungsbestand in den USA, der Modernisierung bei Lüftung und Luftreinigung erfordert.
Der Wettbewerb kommt von großen Klimatechnik-Konzernen wie Trane Technologies, Carrier, Johnson Controls, Lennox und Daikin sowie von Spezialisten für Rechenzentrumskühlung wie Vertiv. Madison Air setzt sich davon durch seinen dezentralen Aufbau ab, bei dem die einzelnen Marken eigenständig geführt werden. Rund die Hälfte des Umsatzes stammt aus Ersatz und Modernisierung bestehender Anlagen, dazu kommt ein Servicegeschäft mit wiederkehrenden Erlösen. Die Bewertung profitierte vom allgemeinen Aufschwung der Klimatechnik-Aktien im Zuge der KI-Investitionswelle.
Produkte und Services
Das Geschäft teilt sich in zwei Bereiche. Das kommerzielle Segment beliefert Krankenhäuser und Life-Sciences-Unternehmen, Halbleiter- und Reinraumfertigung, Rechenzentren, Logistik, Bildungseinrichtungen und öffentliche Gebäude. Verkauft werden maßgeschneiderte Luftaufbereitungsanlagen, Kühlsysteme für Rechenzentren, Wärmerückgewinnung und Belüftungstechnik. Rechenzentren machen nach Angaben der CEO rund 20 Prozent des kommerziellen Geschäfts aus, der Rest verteilt sich auf Halbleiterfertigung, Life Sciences und weitere Branchen.
Das Wohnsegment vertreibt über Fachhandwerk, Einzelhandel, Erstausrüster und Onlinehandel. Bekannteste Produkte sind das AprilAire Healthy Air System zur Luftaufbereitung in Wohnhäusern, die Dunstabzugshauben von Broan-NuTone und Zephyr sowie die großformatigen Deckenventilatoren von Big Ass Fans, die vor allem in Werkhallen und Autohäusern hängen. Ergänzt wird das Angebot durch Heiztechnik unter der Marke Reznor. Eine große installierte Basis sorgt dafür, dass Ersatz- und Nachrüstgeschäft etwa die Hälfte des Umsatzes ausmacht.
