Overview
Die Geschichte beginnt 1969 in einem Kellerraum in Vancouver. John MacDonald und Vern Dettwiler gründeten dort MacDonald, Dettwiler and Associates und entwickelten daraus über Jahrzehnte Kanadas wichtigsten Raumfahrtkonzern. Das bekannteste Produkt hängt seit Jahrzehnten im All. Der Canadarm, ein Roboterarm für Space Shuttle und später die Internationale Raumstation, wurde zum nationalen Symbol und ziert sogar kanadische Banknoten. Daneben entstand die Radarsatelliten-Reihe RADARSAT zur Erdbeobachtung.
Die Eigentümerhistorie glich einem Pendel. 1995 übernahm der US-Konzern Orbital Sciences das Unternehmen, 2001 holte ein Konsortium kanadischer Investoren die Kontrolle zurück. Nach dem Kauf des Satellitenbildanbieters DigitalGlobe firmierte die Gruppe ab 2017 als Maxar Technologies und verlegte den Sitz nach Colorado. Weil Maxar hoch verschuldet war, verkaufte der Konzern das kanadische Geschäft im April 2020 für rund eine Milliarde kanadische Dollar an ein Konsortium um Northern Private Capital, John Risley und den früheren BlackBerry-Chef Jim Balsillie. Damit kehrte MDA in kanadische Hand zurück.
Im April 2021 ging das Unternehmen an die Börse in Toronto, im Mai 2024 folgte die Umbenennung in MDA Space. Der Hauptsitz liegt in Brampton in Ontario, rund 4.000 Beschäftigte arbeiten für die Gruppe. Der Umsatz kletterte 2025 nach Unternehmensangaben um gut 50 Prozent auf einen Rekordwert. Im März 2026 kam die Zweitnotierung in New York dazu.
Management
Mike Greenley führt MDA Space als CEO. Er kam im Januar 2018 an Bord, um das damals noch zu Maxar gehörende kanadische Geschäft zu leiten, und trieb aktiv die Herauslösung aus dem US-Konzern voran. Nach eigener Darstellung sorgte er dafür, dass MDA verkauft wurde, um als eigenständiges Unternehmen wachsen zu können. Greenley läutete im März 2026 die Eröffnungsglocke der New York Stock Exchange.
Zum Führungsteam gehören Finanzchef Guillaume Lavoie und Technikchef Cameron Ower. Die Robotik- und Raumfahrtprogramme verantwortet Holly Johnson, die zuvor den Verkaufsprozess von Maxar an das kanadische Konsortium begleitete. Das Satellitengeschäft leitet Luigi Pozzebon, den Bereich Geointelligence Minda Suchan.
Finanzdaten
Branche
MDA Space bewegt sich in drei Segmenten der Raumfahrtindustrie und deckt nach eigener Darstellung alles außer dem Start selbst ab. Der Markt wächst, weil die Kosten für den Transport in die Umlaufbahn stark gesunken sind. Dadurch entstehen neue Anwendungen, von Satelliten-Breitband über Direktverbindungen zu Mobiltelefonen bis zur Erdbeobachtung.
Der Wettbewerb ist je nach Segment unterschiedlich. Bei Satellitensystemen konkurriert MDA mit Airbus, Thales Alenia Space und amerikanischen Anbietern. In der Weltraumrobotik ist die Konkurrenz dünn, hier profitiert das Unternehmen von jahrzehntelanger Erfahrung und der engen Bindung an die kanadische Raumfahrtbehörde. Im Bereich Erdbeobachtung stehen Anbieter wie Planet Labs, ICEYE und der frühere Schwesterkonzern Maxar gegenüber. Zusätzlichen Rückenwind liefert die Verteidigungspolitik. Kanada kündigte an, seine Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen, wovon MDA über die 2026 gegründete Tochter 49North profitieren will.
Produkte und Services
Das Geschäft gliedert sich in drei Bereiche. Satellitensysteme bauen komplette Satelliten und Komponenten, darunter die softwaredefinierte Produktlinie MDA AURORA für Breitband, Direktverbindungen zu Endgeräten und Vernetzung von Maschinen. Dieses Segment trieb zuletzt das Wachstum am stärksten.
Robotik und Weltraumoperationen umfassen Roboterarme, Greifsysteme, Bodenkontrollstationen sowie Sensorik zur Navigation. Das Prestigeprojekt ist Canadarm3, ein KI-gestützter Roboterarm für die geplante Mondstation Gateway, für den die kanadische Raumfahrtbehörde 2024 einen Auftrag über rund eine Milliarde kanadische Dollar erteilte. Dazu kommt die modulare Robotik-Reihe MDA SKYMAKER.
Der dritte Bereich Geointelligence verarbeitet Satellitendaten zu Auswertungen für nationale Sicherheit, Klimabeobachtung und Seeraumüberwachung. MDA betreibt dafür den Radarsatelliten RADARSAT-2 und die Nachfolgemission MDA CHORUS. Ergänzt wird das Angebot um Führungs- und Aufklärungssysteme für Streitkräfte sowie Überwachungsflüge mit unbemannten Fluggeräten.
