Overview
Die Wurzeln von INNIO liegen in Tirol. 1959 entstanden in Jenbach die Jenbacher Werke, die zunächst Dieselmotoren und Lokomotiven bauten und sich später auf Gasmotoren spezialisierten. 2003 übernahm General Electric das Motorengeschäft und führte es als GE Jenbacher weiter. Die zweite Marke Waukesha stammt aus dem gleichnamigen Ort in Wisconsin, wo seit Anfang des 20. Jahrhunderts Motoren gebaut werden.
2018 kaufte der Finanzinvestor Advent beide Marken für 3,25 Milliarden Dollar von GE, das sich damals neu aufstellte. Daraus entstand INNIO als eigenständiger Konzern. 2023 stieg der Staatsfonds von Abu Dhabi, die Abu Dhabi Investment Authority, mit 45 Prozent ein. Den offiziellen Firmensitz verlegte INNIO später nach München, Jenbach blieb das wichtigste Werk.
Mit dem Boom der künstlichen Intelligenz wurden Rechenzentren zum Wachstumstreiber. Sie brauchen viel Strom und können oft nicht jahrelang auf einen Netzanschluss warten. Im Juni 2026 brachten die Eigentümer die INNIO Aktie an die Nasdaq.
Management
Seit Oktober 2021 führt Olaf Berlien INNIO als President und CEO. Zuvor war er von 2015 bis 2021 Vorstandschef des Lichtkonzerns Osram. Davor leitete er den Anlagenbauer Exyte sowie die Technologie- und Aufzugsparte von ThyssenKrupp. Seine Karriere begann 1988 bei IBM, später war er Finanzvorstand von Carl Zeiss.
Berlien folgte auf Carlos Lange, der INNIO seit der Abspaltung von GE geführt hatte. Mit Berlien setzte Advent auf einen Manager mit Börsenerfahrung, der Konzerne in Umbruchphasen geleitet hat. Strategisch prägen die Eigentümer Advent und ADIA das Unternehmen über ihre gemeinsame Beteiligungsgesellschaft.
Finanzdaten
Branche
INNIO bewegt sich im Markt für dezentrale Energieerzeugung. Statt großer Kraftwerke erzeugen Motoren und Turbinen Strom direkt dort, wo er gebraucht wird. Das gilt für Fabriken, Krankenhäuser und Gewächshäuser, die Strom und Wärme zugleich nutzen. Hinzu kommen Netzbetreiber, die Schwankungen bei Wind- und Solarstrom ausgleichen müssen.
Wichtige Wettbewerber sind Caterpillar, Wärtsilä, Rolls-Royce mit der Marke mtu, Cummins und MAN Energy Solutions. Im großen Leistungsbereich konkurrieren zudem Gasturbinen von GE Vernova und Siemens Energy. Gasmotoren punkten mit schneller Lieferung, flexiblem Betrieb und der Möglichkeit, Anlagen modular zu erweitern.
Der Strombedarf von Rechenzentren hat die Nachfrage stark erhöht. Gleichzeitig steht Erdgas wegen der Klimaziele unter Druck. INNIO entwickelt seine Motoren deshalb so, dass sie Wasserstoff und Biogas beimischen oder vollständig damit laufen können.
Produkte und Services
Das Geschäft teilt sich in zwei Bereiche. Im Segment Equipment verkauft INNIO Gasmotoren und komplette Energiesysteme. Das wichtigste Produkt ist ein Motor mit rund 5 Megawatt Leistung, der in Europa als Jenbacher und in den USA als Waukesha vermarktet wird. Rund 80 Prozent des Umsatzes stammen zu gleichen Teilen aus Europa und den USA.
Der zweite Bereich ist der Service. Für die weltweit installierten Motoren liefert INNIO Ersatzteile und Wartung, oft über mehrjährige Verträge. Dieses Geschäft bringt planbare und margenstarke Einnahmen. Der Konzern erzielte zuletzt rund 2,8 Milliarden Dollar Umsatz und ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Abschreibungen von gut 550 Millionen Dollar.
Am stärksten wächst das Geschäft mit Rechenzentren. Hier stieg der Umsatz von rund 70 Millionen Dollar 2023 auf rund 260 Millionen Dollar 2025. Der gesamte Auftragsbestand lag Ende März 2026 bei 4,8 Milliarden Dollar, nach 1,4 Milliarden ein Jahr zuvor.
















