Overview
Gregory Verdine gründete das Unternehmen 2015 unter dem Namen FogPharma in Cambridge. Der langjährige Harvard-Professor hatte zuvor die Chemie der sogenannten Stapled Peptides mitentwickelt. Dabei werden kurze Eiweißketten in eine stabile Spiralform gezwungen, damit sie im Körper nicht zerfallen. Verdine wollte so Proteine erreichen, an die weder klassische Tabletten noch Antikörper herankommen.
Aus dieser Forschung entstand die Plattform Helicon, die Laborexperimente mit Rechenmodellen und künstlicher Intelligenz verbindet. Wichtigstes Ziel wurde das Protein Beta-Catenin, ein zentraler Treiber vieler Krebsarten. Im Oktober 2024 benannte sich FogPharma in Parabilis Medicines um. Der Name setzt sich aus griechischen und lateinischen Wurzeln zusammen und soll für das Erreichbare jenseits des Möglichen stehen.
Geld kam von Investoren wie ARCH Venture Partners, Fidelity, GV und RA Capital. Im Mai 2026 schloss Parabilis eine große Partnerschaft mit Regeneron. Wenige Wochen später folgte der Parabilis IPO, laut dem Fachdienst BioCentury ein Rekord für ein reines Biotech-Unternehmen an der Nasdaq.
Management
Seit Juni 2023 führt Mathai Mammen Parabilis als Chairman, President und CEO. Zuvor leitete er die Pharmaforschung von Johnson & Johnson und saß im Executive Committee des Konzerns. Davor verantwortete er bei Merck Research Laboratories mehrere Forschungsbereiche, darunter Onkologie und Herz-Kreislauf. 1997 hatte er das Biotech Theravance mitgegründet, aus dem später Innoviva und Theravance Biopharma hervorgingen.
Gründer Gregory Verdine, der FogPharma bis 2023 selbst als CEO geführt hatte, wechselte auf den Posten des stellvertretenden Board-Vorsitzenden. Mit Mammen holte sich das Unternehmen einen Manager, der große Entwicklungsprogramme bis zur Zulassung kennt. Das ist für den Schritt in die späte klinische Phase wichtig.
Finanzdaten
Branche
Parabilis bewegt sich in der Onkologie, dem größten Einzelmarkt der Pharmabranche. Ein besonderer Fokus liegt auf dem sogenannten Wnt-Signalweg. Ist er durch Mutationen dauerhaft aktiv, wachsen Zellen unkontrolliert. Das betrifft einen großen Teil aller Darmkrebsfälle, viele Leberkrebsfälle und seltene Tumoren wie Desmoide.
Beta-Catenin, das Schlüsselprotein dieses Signalwegs, galt jahrzehntelang als nicht angreifbar. Es hat keine Tasche, in die ein klassisches Molekül passt. Viele Pharmakonzerne scheiterten an diesem Ziel. Gegen Desmoidtumoren ist mit Ogsiveo von SpringWorks seit 2023 ein Medikament zugelassen, das an einem anderen Punkt ansetzt.
Parabilis konkurriert damit weniger um ein bestimmtes Medikament als um einen neuen Wirkstofftyp. Neben Peptiden arbeiten Konkurrenten an Molekülen, die Proteine gezielt abbauen, oder an großen ringförmigen Wirkstoffen. Gelingt der Nachweis, dass Helicons funktionieren, ließe sich die Plattform auf viele weitere Ziele übertragen.
Produkte und Services
Hauptkandidat ist Zolucatetide, früher FOG-001. Der Wirkstoff blockiert nach Unternehmensangaben als erster direkt die Verbindung von Beta-Catenin mit den TCF-Proteinen, über die das Krebssignal in den Zellkern gelangt. In einer Phase-1/2-Studie mit mehreren Tumorarten erhielten mehr als 150 Patienten den Wirkstoff. In frühen Daten von 2025 sprachen vier von fünf Patienten mit Desmoidtumor und mehreren Kontrolluntersuchungen auf die Therapie an.
Die FDA erteilte für Desmoidtumoren den Fast-Track-Status und den Status als Medikament gegen eine seltene Erkrankung. Eine zulassungsrelevante Phase-3-Studie soll im ersten Halbjahr 2027 starten. Weitere Studien laufen bei familiärer adenomatöser Polyposis, einer erblichen Darmerkrankung, sowie bei Kraniopharyngeomen, Leber- und Darmkrebs.
Mit Regeneron entwickelt Parabilis Konjugate aus Antikörpern und Helicons. Regeneron zahlte dafür 50 Millionen Dollar vorab und investierte 75 Millionen Dollar in Aktien. Hinzu kommen mögliche erfolgsabhängige Zahlungen von rund 2,2 Milliarden Dollar sowie Lizenzgebühren. Umsatz aus Medikamenten erzielt Parabilis nicht, in den zwölf Monaten bis Ende März 2026 lag der Nettoverlust bei rund 153 Millionen Dollar.
















